Live by the BILD, die by the BILD

Es gibt ein oft wiederholtes Zitat von Springer-Vorstand Mathias Döpfner:

“Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.”

Gemeint ist unser aller Liebling, die BILD. Dieser kurze prägnante Satz fasst das Selbstverständnis der größten deutschen Boulevardzeitung in ihrem Umgang mit Stars aus Film, Fernsehen und Sport recht gut zusammen. Egal, was man in guten Zeiten an Indiskretionen den BILD-Spezls zukommen lässt, wenn man nicht eine absolut sakrosankte Stellung erreicht hat, wie etwa der Papst, Guttenberg oder Helmut Kohl, wird man dennoch im richtigen Moment, wenn man auf dem falschen Fuß erwischt wird, gnadenlos in den Abgrund geschubst. Die “Freunde von der BILD” sind dann keine mehr.

Einer, der das nun erfahren darf, ist Nationalmannschafts-Kapitän Philipp Lahm. Seines Zeichens BILD-Testimonial, glattgebügelter Schwiegermutters Liebling, angeblich wahrer Chef in der Schweinsteiger-Chefchen-Affäre.

Lahm hätte die neue, intime Verbindung von den Mannen um Alfred Draxler zur Nationalmannschaft werden sollen, die seit dem Karriereende von Lothar Matthäus arg gebeutelt war. Lahm machte sich durch die offensive, kritiklose Werbung für BILD bei vielen Fußballfans mindestens unbeliebt, zumindest aber angreifbar. Ihm war es egal, wichtig war der gestiegene Einfluss, das geschärfte Profil.

Die Karriereplanung des “ehemals weltbesten Linksverteidigers”, vermutlich ersonnen von seinem Management um Roman Grill, sah vor, ihn nach den Abgängen von Mark van Bommel respektive Michael Ballack endgültig als die primäre Stimme im deutschen Fußball zu positionieren. Philipp Lahm, Führungsspieler.

Nicht ohne Grudn wurde sodann in den letzten Wochen – auch von BILD – eine Führungsspieler-Debatte angestoßen, deren Fazit bereits zu Beginn der Kampagne festgestanden haben dürfte. Die deutsche Sehnsucht nach dem starken Mann findet sich auch im Lieblingssport der Deutschen wieder, und spätestens seit dem (leistungsmäßigem) Abgang von Ballack ist das Vakuum unübersehbar.

Auftritt Lahm und seine Biografie.

Wurde er bereits vom BILD-Schwesterblatt Sport Bild in der berühmt-berüchtigten “Chefchen-Affäre” als Gegenentwurf zum kritisieren Schweinsteiger aufgebaut, hätte diese Biografie nun Lahms Meisterstück werden können.

Lahm, der kantige Charakter, der kein Blatt vor den Mund nimmt, Missstände offen anspricht, den Finger in die Wunde legt. Kurzum, Führungsqualitäten zeigt.

Doch da hat der Münchner die Rechnung ohne seine “Freunde” von der BILD gemacht. Was dürfte er und sein Management sich gefreut haben, über die Plattform BILD, die sein Buch durch Vorabauszüge promotet und seinen Thesen die maximal größte Verbreitung garantiert. Was Lahm aber unterschätzte: BILD ist und bleibt BILD.

Nun, da ihm Gegenwind aus der ganzen Republik entgegenschlägt, ob von Rudi Völler oder gar Oliver Bierhoff, dürfte ihm bewusst werden, dass auch das Springer-Blatt ihn benutzt, wenn sich die Möglichkeit ergibt.

Seine Aussagen wurden aus dem Zusammenhang gerissen? Verkürzt dargestellt? Ach was! So arbeitet BILD nunmal. Wenn Lahm sich darüber wundert, ist es mit seinem Image als “the thinking man’s footballer” offenbar doch nicht so weit her.

Oder viel schlimmer: Vielleicht hat er sich gedacht, seine “Freunde” von der BILD würden sowas mit ihm ja nicht machen. Au contraire. Vielleicht wird Philipp Lahm so langsam bewusst, mit wem er sich da eingelassen hat.

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