Warum eine Sky-Alternative via Sat sich nicht lohnt – Eine Replik

Die von mir sehr geschätzte Fach-Website DWDL.de hat am heutigen Dienstag in einer Kolumne Position für eine neue Plattform über Satellit für Pay-TV-Sender bezogen.

DWDL-Redakteur Uwe Mantel argumentiert:

Die Zeit, in der es ein stetiges Anwachsen des Angebots an Drittsendern bei Sky gab, ist jedenfalls lange vorbei, Sky geht nun deutlich selektiver vor – wofür es ja auch gute Gründe geben mag.

Dieser neue Fokus von Sky macht aber die Tür auf für ein neues Angebot, das Pay-TV-Sendern via Satellit eine neue oder auch nur eine weitere Heimat geben kann.

Mantel hat in einem Punkt absolut Recht. Für Drittanbieter ist die aktuelle Situation alles andere als einfach. Vorbei die Zeiten, in denen man mit einer Aufschaltung bei Sky auf einen Schlag fast 5 Mio Haushalte (bei einer Aufschaltung auch im Kabel) oder zumindest ca. 3 Mio (geschätzt, nur über Sat) erreichte. Vor allem: Man konnte mit einem fixen, sicheren Budget planen, denn Sky zahlte monatlich fleißig und verlässlich mehrere Cent pro Kunde und Sender, was sich – z.B. bei Sony mit den Sendern Animax und AXN – auf einen nicht unerheblichen, jährlichen achtstelligen Eurobetrag summierte. Und mit knapp 20 Mio Euro Einnahmen nur von Sky (von den Kabel- und IPTV-Anbietern kommt ja noch weiteres Geld hinzu) kann man schon mal einen Sender anständig betreiben.

Könnte man. Und hier liegt das Problem. So mancher Drittanbieter hatte es sich – in der Hoffnung, dass es ewig so weiter geht – in dieser Position bequem gemacht und entsprechend wenig in den Sender investiert. Gerade das Beispiel AXN ist hier exemplarisch. Ja, es gab eine Handvoll Erstausstrahlungen. „Chicago P.D.“ etwa (die einzige Sendung, die ich regelmäßig auf AXN geschaut habe), oder „House of Lies“. Aber ansonsten liefen viele Serien und Filme in Endlosschleife. Quoten sind kaum bekannt, die Vermutungen gehen dahin, dass diese zumeist im Nichtmessbaren Bereich lagen.

Bei Sky ist daher – durch entsprechende Erkenntnisse aus der Zuschauerforschung untermauert – die Überzeugung gewachsen, dass diese Sender nur viel Geld kosten und nicht viel bringen; weder gesteigerte Zufriedenheit bei den Bestandskunden noch neue Abonnenten. Natürlich, immer wenn ein Sender von der Plattform fliegt, gibt es den ein oder anderen Aufschrei in Foren und sozialen Medien. Doch verhallt dies oftmals wieder schnell, ohne echte Konsequenzen für Sky. Wegen des Wegfalls von AXN kündigen? Nein, das war selten der Grund für ein Abo.

Sky hat fast 5 Mio Kunden, weil man Premiuminhalte bietet. Sport, Filme, Serien – und das alles als Erstausstrahlung. Mit Archivware allein – das hat schon zu DF1-Zeiten nicht geklappt, und da gab es noch kein Netflix – ist kein Blumentopf zu gewinnen.

Der deutsche Pay-Platzhirsch war nie so breit aufgestellt in punkto Drittsender wie die Schwestern aus Großbritannien oder Italien, was historisch bedingt ist. Schon zu Zeiten Leo Kirchs, Gott hab‘ ihn selig, wurden neue Sender oft eher im Free-TV gestartet als im Pay-TV. Musikfernsehen im Free-TV? In UK und Italien absolut undenkbar, hier selbstverständlich. Frei empfangbare Sportsender? In Deutschland sogar zwei davon, im Ausland: Null.

Und jetzt, heute? Ist die Zeit des linearen Fernsehens zwar nicht vorbei, aber es wird immer schwerer, sich gegenüber Streamanbietern wie Netflix oder Amazon Gehör zu verschaffen. Gerade im fiktionalen Archivbereich, der Bereich, den Drittsender klassischerweise beackerten, ist die Konkurrenz durch Streamportale enorm. Warum sollte der Kunde auf die lineare Wiederholung seiner Lieblingssendung warten, wenn er sie On Demand ständig bekommt? Im linearen TV ziehen Events, Live-TV und Erstausstrahlungen. Alles andere ist Randmusik und keine Basis für ein veritables Geschäftsmodell.

Und hier ist auch die große Schwäche der Argumentation von DWDL. Der Markt hat auf ein solches Angebot einfach nicht mehr gewartet. Dieses Zeitfenster ist vorbei.

Im Fachjargon: Einem solchen Angebot fehlt die USP, die Unique Selling Proposition. Pay-TV wurde zu Kirchs Zeiten oft als „Alter Wein in neuen Schläuchen“ bezichtig. Schuld waren eben jene Drittsender, für die nun eine neue Plattform gefordert wird.

Es werden sich aber keine 100.000 Kunden finden, die auch nur 10,- € für ein Paket, bestehend aus AXN, Sat 1 Emotions & Co., zahlen, wenn man deutlich mehr Inhalt auf Abruf für weniger Geld bei Netflix bekommt. Und selbst mit sechsstelligen Abozahlen lässt sich kein gescheites Programm finanzieren. Dann läuft hier wirklich nur die 34. Wiederholung von Kommissar Rex, die sowieso halbtot im Regal liegt.

Man muss es so drastisch sagen:

Abseits der großen Marken, wie Discovery oder National Geographic, wie Universal oder Disney, die den Vorteil internationaler Produktionen im Hintergrund haben, ist die Ära der linearen Spartenkanäle als Abnudelstationen alter Archivware aller Voraussicht nach vorbei.

Natürlich wäre es spannend, wenn es Alternativen, Ergänzungen, ja sogar vielleicht Konkurrenz zu Sky über Sat gäbe. Vor allem für uns Medieninteressierte. Aber wollen das auch genug Konsumenten? Vermutlich nein – denn dann hätte Sky die Sender auf der Plattform gelassen. Bei Discovery kam es ja zu einer Einigung, auch wegen dem populären Discovery Channel. Hat Sky hier (zu)viel Marktmacht? Das liegt im Auge des Betrachters. Sky investiert enorme Summen in den Auf- und Ausbau seiner Plattform, seiner Infrastruktur. Wer sich in dieses gemachte Nest setzen will, muss liefern. Und nicht nur fordern.

Sky macht immer noch keine nachhaltigen Gewinne in Deutschland. Der Ausbau einer solchen Plattform ist schwierig und kostspielig. Unitymedia mit arenaSAT ist gescheitert, auch Technisat etwa lässt – über MTV Unlimited hinaus – die Finger davon. Bleibt der Ruf nach Astra und dem Pay-Ausbau der HD+-Plattform. Doch sind die Sender Marke „Resterampe“ bei weitem nicht so attraktiv oder populär wie die HD-Sender der Privaten. Alles andere als „Goldgräberstimmung“.

Könnten die Einnahmen aus einem solchen Paket die Kosten für Transponder, Abwicklung, Marketing abdecken, damit es zumindest ein Nullsummenspiel wird? Dass es für Astra nicht lukrativer wäre, den Transponder anderweitig zu vermieten? Es ist zu bezweifeln.

Daher, so leid es einem für die Fans der vielen, kleinen, netten Spartensender tut:

Die Zeit ist leider nicht reif für eine Sat-Alternative zu Sky. Die Zeit ist vorbei.

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1 Reaktion

  1. Remo sagt:

    Vollste Zustimmung. Da sind so einige wohl noch nicht im Jetzt angekommen…

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