Sky’s neue Strategie – und ist sie wirklich so „neu“?

Manchmal ist es gut, etwas erstmal ein paar Tage sacken zu lassen. Sich selbst zu reflektieren. Nochmals alle Argumente von allen Seiten zu betrachten. Abzuwarten. Neue Aspekte hinzuziehen. Und dann zu einem Ergebnis finden.

So gerade passiert mit Sky und den Rechten an der Formel 1. Ich würde mich persönlich nicht gerade als der größte Formel-1-Fan auf Erden bezeichnen. Überhaupt.

Doch der Reihe nach.

Dieser Beitrag erfordert eine gewisse Einordnung. Normalerweise schreibe ich meine Beiträge nicht aus der „Ich-Perspektive“. Weil ich versuche, einen Blick „von außen“ auf die Sache zu werfen. Das funktionierte hier nicht. Ich habe immer wieder bemerkt, wie wesentlich die persönliche Sichtweise für die Bewertung dieser aktuellen Geschehnisse rund um Sky ist.

Prolog

Ich beobachte den TV-Markt nun schon seit Mitte der Neunziger Jahre intensiv. Angefangen hat es mit dem Besuch eines Onkels, der ein absoluter Technikfreak war und mir dabei half, meine Eltern zum Kauf einer Satellitenschüssel zu überzeugen. Vorher hatten wir, man glaubt es kaum, gerade einmal fünf Fernsehsender. Mein Vater war strikter Gegner des Kabelfernsehens, das „brauchte er nicht“. Ich schon. Bei den Klassenkameraden gab es immer „Bim Bam Bino“ auf Tele 5. „Knight Rider“ auf RTL. Bei uns? Wir hatten immerhin Sat 1 über die Hausantenne. Das war es aber schon.

Nun gut, mein Onkel war gut im Überzeugen und mein Opa war gut im seinem Enkel Geschenke machen. Herr Papa hat also zugestimmt.

Sport im Fernsehen war damals für mich lästig. Man glaubt es kaum, aber es hat mich nicht die Bohne interessiert. Meine ersten Erinnerungen an Sport im Fernsehen waren keine guten. Sie hängen zusammen mit einem Wimbledon-Sieg eines siebzehnjährigen Leimeners. Der dafür sorgte, dass die Kinderstunde ausfiel. Was war ich sauer. Meine Mutter hat beim Fernsehen angerufen und sich beschwert. Wahre Geschichte.

Die ersten positiven Erinnerungen an Sport auf der Mattscheibe habe ich an die Olympischen Spiele 1988 in Seoul und die Fußball-WM 1990 in Italien. Aber auch danach beschränkte sich mein sportliches Interesse im Fernsehen im Wesentlichen auf etwas, was viele nicht als „Sport“ bezeichnen würden: Wrestling.

Geändert hat sich das dann erst mit dem Besuch des Austauschschülers als Englang, seines Zeichens damals Liverpool-Fan. Wie es so passiert kommt man dann irgendwie zum Fußball. Und die Weltmeisterschaft 1994 ist das erste Turnier, das ich wohl intensiv geschaut habe. Danach folgte dann auch vorsichtiges Interesse für den Vereinsfußball. Aber das damalige „Premiere“-Abo (nur echt mit schwarzer Plastikkiste und weißem Schlüssel) habe ich meinem Vater wegen der Filme aufgeschwätzt. Für meinen Vater war Bundesliga wichtig, für mich die Filme. Aber ich habe dann halt Bundesliga mitgeschaut – und wurde zum Fan.

Sprung Richtung Jahrtausendwende. Das Digitalfernsehen kam nach Deutschland, DF1, dann Premiere World – wie sie alle hießen – brachten nie geahnte Sportvielfalt ins Wohnzimmer. An Internetsstreams war damals noch nicht zu denken. Was nicht im Fernsehen lief, fand nicht statt. Erstmals gemerkt – und mit viel Ärger verbunden – habe ich das dann 1998. Wieder muss ich das von vielen mit einigem „Naserümpfen“ betrachtete Wrestling aufführen. Doch dass sich das damalige DF1 nicht mit der damaligen WWF auf eine Vertragsverlängerung einigen konnte und ich somit Wrestlemania XIV nicht sehen konnte, war ein herber Schlag – und nahm mir die naive Freude am Sportfernsehen. Erstmals bemerkte ich, dass das große Geld manchmal meinen Interessen im Wege stehen könnte.

In den Folgejahren stieg mein Interesse am Sport immer weiter an, insbesondere in punkto US-Sport und Sport aus Großbritannien war ich für alles zu haben. Englische 4. Liga, College Football, Junioren-Eishockey aus Kanada. Mir war Sidney Crosby schon ein Begriff, als er noch für Rimouski Océanic in der QMJHL gespielt hat.

Dieses Interesse ist zwischenzeitlich – aufgrund anderer Prioritätensetzung – merklich abgeflaut. Bestand mein Wochenende zumeist von morgens bis abends aus Sport und habe ich teilweise sogar Geburtstagseinladungen abgesagt, weil ein wichtiges Spiel im Fernsehen kam, sieht das jetzt doch deutlich anders aus. Früher war ich Student mit viel Zeit. Jetzt? Vollzeit berufstätig, verheiratet, eine Tochter. Ich engagiere mich ehrenamtlich in mehreren Organisationen. Aktuell bin ich froh, wenn ich neben all meinen anderen privaten Verpflichtungen jedes Spiel des FC Bayern sehen kann. Meistens klappt es, manchmal aber tatsächlich leider nicht. Den US-Sport zu verfolgen ist total schwierig, wenn man in aller Herrgottsfrühe aufstehen muss. Aber selbst die für Europäer gut liegende NFL kann ich nicht im früheren Umfang verfolgen, weil ich Frau nicht zumuten kann, jeden Sonntag Abend Football zu schauen.

Bei der Formel 1 ist das ähnlich. Die Sonntage gehören oft der Familie. Nebenbei verfolgt man das ein oder andere Rennen. Aber dass man den Tag darauf ausrichtet – das ist, zumindest bei mir persönlich, schon länger her.

Warum erzähle ich das alles? Weil ich inzwischen so einige Entscheidungen von Sky nachvollziehen kann, die mein jüngeres Ich nicht nachvollziehen konnte. Mein jüngeres Ich hätte mein heutiges Ich als ignorant bezeichnet. Und das wäre noch eines der netteren Worte gewesen.

Mein heutiges Ich sagt: Absolut verständlich, wenn Sky die Rechte an der Formel 1 ohne mehr Exklusivität nicht verlängern will.

Sky verzichtet auf Formel 1

Noch sind es Gerüchte, aber wenn sich nichts Weltbewegendes mehr tut, wird es in diesem Jahr keine Formel 1 auf Sky geben. Die Rennen wird es dann nur noch – mit Werbeunterbrechungen – bei RTL im Free-TV zu sehen geben und im neuen Onlineangebot der Formel 1. Als einer der wenigen wirklich großen Märkte wird dieses Onlineangebot auch in Deutschland schon dieses Jahr starten. Wohl nicht zuletzt als Reaktion darauf, dass man sich mit Sky nicht einigen konnte.

Es ist für deutsche Sky-Kunden schwer nachvollziehbar. Während Sky UK und Sky Italia die Formel 1 sogar gänzlich exklusiv zeigen und eigene Sender, nur für die Formel 1, bieten, gibt es in Deutschland: Nichts.

Doch Deutschland ist besonders. Auch hier sah es zuletzt gut aus. Die neuen Eigentümer wollten das international inzwischen fast übliche Modell, dass ein Teil der Rennen exklusiv im Pay-TV laufen, auch nach Deutschland bringen. Sky war begeistert, hatte man dies doch auch bei der letzten Vergabe gewollt und war aus unverständlichen Gründen auf den letzten Metern gescheitert. Damals biss man in den sauren Apfel und kaufte Bernie immerhin die nichtexklusiven Pay-TV-Rechte ab. Dieses Mal war man mit den neuen Eigentümern Liberty um den Ex-Sky-Mann Chase Carey sehr weit. Der Vertrag war praktisch fix. 70% der Rennen sollten exklusiv bei Sky laufen.

RTL war nicht begeistert und signalisierte, unter diesen Umständen nicht mehr mitzubieten. Und zog offenbar hinter den Kulissen die richtigen Strippen: Zu Mercedes.

Der Autobauer aus dem Ländle und einzige deutsche Teambetreiber in der Formel 1 war gelinde gesagt nicht begeistert, dass die Formel 1 zum Großteil im Pay-TV verschwinden solle. Für Mercedes ist, gerade nach dem Verlust des Sponsorings der Fußball-Nationalmannschaft, die Formel 1 der Hauptwerbeträger in Deutschland. Mercedes legte sein Veto gegen den neuen Vertrag mit Sky ein, RTL sicherte sich wieder alle Rennen, für das Pay-TV blieben nur nichtexklusive Rechte. Andere Interessenten an diesen Rechten gab es kaum, weshalb die sprichwörtliche Sau Eurosport durchs Dorf gejagt wurde. Doch auch das fruchtete nicht, Sky hatte zu den aufgerufenen Konditionen keine Lust mehr auf die Formel 1.

Einerseits verständlich, andererseits aber auch nicht. Trotz mangelnder Exklusivität schalteten immer wieder eine halbe Million und mehr Zuschauer bei Sky ein, wenn die Autos im Kreis fuhren. Die Produktionskosten waren und sind – dank der Briten, die dies gerade für Deutschland miterledigen – überschaubar. In UK und Italien sehen Sky-Zuschauer mehr Formel 1 als je zuvor, in Deutschland: Gar nichts. Ok, UK und Italien machen Gewinn. Deutschland nicht. Dennoch:

Vor allem aber ist es ein (erneutes) Signal an die Zuschauer, dass im Sportbereich bei Sky weiter ausgedünnt wird.

Die „neue“ Strategie

Wobei: So neu ist das nicht. Der große Vorteil, wenn man in seinem Blog nicht mehr so viel schreibt, ist, dass man die alten Beiträge noch sieht. Und da schau an – schon 2015 habe ich mich dazu ausgelassen, dass Sky nur noch das zeigt, was exklusiv ist.

Wie es der Zufall so will, kamen heute passend die aktuellen Quartalszahlen von Sky auf den Tisch. Und die sind einerseits nicht schlecht. Sky kann in Deutschland und Österreich nunmehr per Ende 2017 fast 5,2 Mio zahlende Kunden vorweisen. Das finanzielle Ergebnis ist mit 22 Mio Pfund knapp negativ, besorgniserregend ist für Marktbeobachter die recht hohe Kündigungsquote von 14,2 %.

Interessanter als die Zahlen sind die Aussagen, die im Rahmen dieser Präsentation gemacht werden. Und hier gibt Jeremy Darroch, CEO der Sky-Gruppe, erstmals zu Protokoll, was viele mindestens vermutet haben:

„We will grow our investment in Sky Originals every year and we expect, overtime, to be spending less on second tier sports, linear only entertainment channels and niche movies.“

Frei übersetzt heißt dies, dass man zugunsten von Eigenproduktionen im Film- und Serienbereich weniger für „zweitklassige“ Sportrechte, lineare Sender und Nichenfilme ausgeben wird.

Der deutsche Markt durfte dies als erster – aber auch nicht als einziger – spüren. Hier verzichtete man (teils freiwillig, teils unfreiwillig) auf internationalen Ligenfußball, auf die Europa League und nun eben auch auf die Formel 1. In UK strich man die ATP-Tour, die dort nun bei Amazon läuft.

Stattdessen konzentriert man sich auf massenattraktive Rechte: Die Bundesliga hat man – bis auf das Freitagsspiel – gesichert, die 2. Liga exklusiv, die Champions League zusammen mit DAZN auch.

Doch gerade in punkto Champions League ist wohl bei vielen noch nicht angekommen, was dies bedeutet. Erstmals wird es nicht alle Einzelspiele der deutschen Mannschaften komplett und live im linearen deutschen Pay-TV geben. Besonders extrem wird dies im Achtelfinale sein. Diese laufen als Einzelspiele – wenn die Gerüchte stimmen – exklusiv bei DAZN.

Auch hier heißt es somit, trotz gestiegener Exklusivität, eigentlich ein „Weniger“ für die Sky-Zuschauer.

In den Handball hat man groß investiert, zeigt neben der Handball Champions League nun auch die Handball-Bundesliga in epischer Breite – und vor allem weitgehend exklusiv. Doch die Rahmenberichterstattung drumherum hat man auch sehr schnell zurückgefahren. Der Kretschmar-Talk wurde schnell abgesetzt, obwohl klar war, dass es nicht am Format lag, sondern am Sendeplatz. Was erwartet man, wenn man unter kompletter Missachtung des Audience Flows den Talk nicht auf dem selben Sender nach dem HBL-Topspiel zeigt, sondern auf Sky Sport News? Was man zu Beginn bei Sky90 richtig gemacht hat, machte man nun bei Kretsche falsch. Das war der berühmt „accident waiting to happen“.

In Österreich kann man sich über eine exklusive Vereinbarung mit der dortigen Bundesliga freuen. Endlich hat man geschafft, was man jahrelang versuchte – der ORF darf keine regelmäßigen Livespiele mehr zeigen. Diesen Erfolg sollte man – auch wenn der österreichische Markt natürlich nicht so groß ist wie der deutsche – nicht kleinreden.

Doch für den (deutschen) Sportfreak ist dies alles schwer verdaulich. Was gibt es ab der Saison 2018/19 im Sky-Sportpaket – stand jetzt – zu sehen? Golf, Wrestling, ATP-Tour, Wimbledon, Handball-Bundesliga, Handball Champions League, nicht alle Spiele der UEFA Champions League und den DFB-Pokal. Habe ich was vergessen? Ich glaube nicht.

Hinzu kommt der Streit mit Discovery wegen Eurosport. Freute man sich bei Sky nach der Bundesliga-Ausschreibung noch, dass der Partner Eurosport das Freitagsspiel zeigen würde, lag man sodann derart mit Discovery im Clinch, dass als Kollateralschaden nun sogar die Olympischen Spiele nicht auf der Version von Eurosport 2 zu sehen sein werden, die Sky-Kunden erhalten.

Der Sportfreak fühlt sich seitdem wohl eher bei DAZN aufgehoben. Auch wenn man dort erst ab der kommenden Saison wirklich herausragende Rechte hat, mithin die Champions League und die von Sky verschmähte Europa League, hat DAZN einen enormen Vorteil: Einen Imagevorteil.

Anders als Sky tanzt DAZN nicht auf vielen Hochzeiten, sondern konzentriert sich auf Sport. Und hierbei auch Sport, der von vielen anderen belächelt oder links liegen gelassen wird. Diesen Luxus kann man sich dankt günstiger Streamstrukturen leisten, viele Sendungen werden auch nur eins zu eins mit englischem World-Feed-Kommentar durchgeleitet – aktuell undenkbar bei Sky.

Doch was DAZN daraus zieht, auch dank eines frischen, neuen Konzepts, das nicht teurer ist als die Produktion bei Sky – ganz im Gegenteil – ist das „Gefühl“, dass hier Sportfreaks sitzen, die das Programm aus Liebe machen. Nicht, weil sie nach dreimaligem Prüfen des Business Case per Excel und viermal nachfragen in der Zentrale in London zu der Auffassung kommen, dass man damit Abos generiert. Nicht falsch verstehen: Auch DAZN ist nicht die Wohlfahrt, auch DAZN will Geld verdienen, muss Geld verdienen. Doch man merkt es nicht so extrem wie bei Sky.

Tief im Innern wünscht sich jeder Sportfreak, dass er mal Senderchef eines Sportsenders wäre und auch mal was „beklopptes“ machen könnte. DAZN vermittelt den Eindruck, dass dort jemand „positiv Verrücktes“ am Steuer sitzt. Bei Sky sitzt der Buchhalter am Steuer.

Der Selbstanspruch von Sky sollte sein, mit Sky Sport den „geilsten Sportsender der Welt“ zu schaffen. Doch vielmehr ist man Kunde bei Sky, weil sie halt die Bundesliga haben. Und das weiß Sky. Solange sie diese Rechte besitzen, werden viele nicht kündigen, auch wenn andere Rechte wegfallen. Und diese Position der Stärke nutzt Sky aktuell sehr aus.

Also:

Emotional bin ich persönlich von Sky enttäuscht. Weil ich das Gefühl habe, man presst die Zitrone Bundesliga aus, wie es nur geht – zu Lasten des Kunden. Ich bin nicht mehr so extrem angenervt wie vor zehn Jahren. Einerseits, weil sich meine Prioritäten verschoben haben. Weg vom Randsport. Andererseits, weil ich meine Alternativen habe. Rugby sehe ich bei DAZN. Premier League sehe ich bei DAZN. Das einzige, was mich dabei nervt, ist, dass ich dafür dann nochmal zehn Euro zahlen darf und ein Stream naturgemäß nicht so stabil ist wie eine Satübertragung. Hat man beim Clasico wieder gemerkt.

Aber betriebswirtschaftlich kann ich das nachvollziehen.

Sky macht doch alles richtig!

Es fällt mir jetzt echt schwer, das zu schreiben. Als Sportfreak bin ich total enttäuscht von Sky. Weil nunmehr endgültig feststeht, dass das „Rundum-Sorglos-Paket“ Sky Sport tot ist. Sky wird sich den Massenattraktiven Rechten widmen, alles andere wird DAZN & Co. überlassen. Das ist ein Gefühl, wie wenn man zum ersten Mal merkt, dass die Jugend vorbei ist und nicht wiederkommt. Man wird alt.

Und genau das ist mein Problem, weshalb ich Sky keinen echten Vorwurf machen kann. Ich betrachte meinen TV-Konsum und sehe: Ich befürchte, wenn sogar ich Sportfreak mit zunehmendem Alter mich auf die „Leuchttürme“ beschränke, wird sich das beim Rest unserer überalterten Gesellschaft nicht viel anders darstellen.

Was hätte ich – rein emotional – gerne in einem perfekten Sportsender zusätzlich, wenn ich Chef wäre? Premier League, UFC, La Liga, NBA, Darts. Bis auf Darts aktuell wahrscheinlich alles Inhalte, die vermutlich maximal 30.000 Leute im Schnitt schauen. 30.000 Leute, die sowieso nicht kündigen, solange es Bundesliga bei Sky gibt. Aber wenn ich dann die Realität betrachte: Ich habe DAZN, aber habe ich unter der Woche englischen Liga-Pokal live geschaut? Nein, mit der Frau zusammen „Blue Bloods“ on demand.

Ich kann nicht Wasser predigen und Wein trinken – oder in diesem Fall: Wein predigen und selbst dann nur zum Wasser greifen. Ich schaue das ja selbst aktuell alles nicht mehr so intensiv.

Sky macht in Deutschland aktuell keinen Gewinn. Also wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Was man offenbar seitens vieler erwartet, ist, dass Sky aus den profitablen Ländern UK und Italien Geld abzieht und Deutschland quersubventioniert. Ist das gerecht? Ich denke nein.

Jeder bekommt das Sky, das er verdient.

Es ist nicht alles schlecht

Noch ein paar positive Randnotizen:

Sky Q soll nun endlich nach Deutschland kommen, bis zum Sommer 2018 soll das Update auf die bereits vorhandenen Sky+ Pro Boxen ausgespielt werden. Dann wird erstmals eine in ganz Europa einheitliche Boxeninfrastruktur herrschen. Für die Zukunft heißt das, dass Innovationen viel schneller in allen Märkten angeboten werden können.

Auch eine positive Überraschung ist es, dass auch die alten Sky+ Receiver nochmals ein Update bekommen. Die aktuelle Software ist – mindestens optisch – altbacken.

In Österreich wird noch dieses Jahr das komplette Sky-Angebot mit sämtlichen linearen Kanälen per IP angeboten. Erstmals macht man sich dann weniger abhängig von Sat- und Kabelnetzbetreibern. Auch dies kann zu Einsparungen und damit mehr Geld für Inhalte führen.

Ein Streamingstick – voraussichtlich für Sky Ticket – wird in allen Märkten eingeführt. Damit verbunden ist eine Vereinheitlichung der OTT-Plattformen Sky Ticket und Now TV. Endlich soll es dann für Sky Ticket auch HD-Pakete geben.

Mit Warner Brothers und MGM hat man langjährige Filmdeals abgeschlossen, in lokale Eigenproduktionen soll weiter investiert werden. So wird es für Sky One nach Masterchef das zweite in Italien bei Sky Uno erfolgreiche Format auch hier geben: Die Castingshow „X Factor“.

Die Preisstruktur soll – mal wieder – vereinfacht werden, das Kundenbindungsprogramm aus UK und Italien kommt auch nach Deutschland.

Nur im Sport tut sich wenig. Aber der Grund liegt nicht bei Sky. Sondern, und das muss man sich langsam eingestehen, am deutschen Zuschauer. Sky UK hat das Glück, dass man mit Rugby einen zweiten, richtig massenattraktiven Sport hat. Das verzerrt das Angebot bei Sky. Hier wird das jetzt mit Handball mal versucht.

Aber welcher Sport bitte bringt auf Anhieb regelmäßig sechsstellige Zuschauerzahlen, damit sich ein Investment lohnt? Ich sehe keinen.

Ach ja, eine Sache hätte ich fast vergessen: Sky Sport News. Das Experiment Free-TV sollte so schnell wie möglich abgeblasen werden. Ich habe den Sender echt gerne und viel geschaut. Seit ich aber nur noch Trainingsbilder statt Spielszenen sehe, weil die Rechte fehlen, schaue ich nur noch selten. Die aktuelle „Kooperation“ mit Sport1 bezüglich der Highlights der 2. Liga zeigt, dass das Abenteuer gescheitert ist.
Das sollte dann auch Sky einsehen und die Konsequenzen ziehen. Gebt Euren Abonnenten doch wenigstens das zurück. Wenn Ihr unbedingt einen Free-Sportsender haben müsst, macht Sky Sport Mix auf. Das wäre immerhin konsequent. Und nicht so was Halbes und nichts Ganzes wie jetzt.

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7 Antworten

  1. Andreas sagt:

    so viel (gefühlte) Wahrheit in deinem Text… auch ich werde noch mal mein Sky-Abo überdenken – und vermutlich zu den 14,2% gehören

    Für mich kommen hier noch weitere Punkte dazu
    Contra: Der Receiver ist gelinde gesagt eine Frechheit! Im Jahr 2017/2018 noch so ein verkorkstes Dreckssystem zu vermieten ist ein absolutes NoGo!
    – Kein Bild in Bild, kein Sat2IP, Aufnahmen können nicht am PC angesehen werden, Favoriten können nicht am PC bearbeitet werden, kein Timeshift bei HD+, ultraschlechte Performance,…
    – Aus meiner Sicht kommt man also gar nicht umher, einen alternativen Receiver zu verwenden – die wiederum können aber z.B. kein Sky Anytime
    – Es gibt (in Deutschland!) noch immer kein Sky Go für die PS4 und Sky Go für Android dauert auch bei jeder neuen Android-Version Monate bis es funktioniert. Bei Sky UK sind es maximal ein paar Tage.

    Und was mich grundsätzlich bei Sky ärgert: Es werden Sender abgeschaltet, aber neue Sender nicht einfach freigeschaltet. Auf Sky1 kommt zwar nur Müll, aber der ist bei mir bis heute nicht frei. Warum muss ich da eine 01805-Nummer für anrufen? Ich bezahle das verdammte „große all inkl-Paket“, da kann ich doch wohl erwarten, dass dann auch alles geht und ich nicht meinen Vertrag verlängern muss, damit neue Sender freigeschaltet werden. Immerhin hat man mir vorher zahlreiche Sender weggenommen (MTV Live HD, Comedy Central HD, AXN HD, MGM HD, Kabel1 Classics, Pro7 Fun HD, Sport 1 US HD,…)
    Naja, und das Programm auf den vorhandenen Sendern wird auch schlechter. Damit meine ich jetzt nicht mal die anhaltenden technischen (meist Ton-)Probleme von Sport/BuLi – das wäre ein Thema für sich oder dass WWE auf Sky Sport jetzt Werbeunterbrechungen hat oder dass Sky Go nur noch ein Abklatsch dessen ist, was es mal war und jetzt alles nur noch in Box Sets gegen extra Gebühr ist. Nein, einfach der Inhalt. Früher™ kamen z.B. die neuen Folgen von American Horror Story oder Dr Who (fast) zeitgleich mit der Weltpremiere. Mittlerweile sind wir da Monate hinterher. Das führt dann z.B. dazu, dass das Staffelfinale/Weihnachtsspecial von Dr Who bei uns im Kino läuft, bevor Fox alle Folgen gezeigt hat.

    Was mich dagegen an DAZN stört: Eine Aufnahme von Sky kann ich mir auch Monate später noch ansehen (mit alternativem Receiver wunderbar auf der lokalen NAS archiviert), bei DAZN hab ich eine Woche Friss oder Stirb.

    Ich zahle (neben „GEZ“) für Amazon Prime, Netflix, Sky und HD+ – und dennoch kann ich nicht einfach mal eine verpasste Folge von „The Strain“ anschauen

  2. sternburg sagt:

    Wundervoller Eintrag.

    Ich verstehe natürlich, warum Du nicht mehr so oft blogst (oder woanders schreibst). Trotzdem kommt da etwas Wehmut auf. Interessiert jetzt wahrscheinlich genau niemanden, aber ich könnte quasi alles an dieser Selbstbeschreibung in mein über die Jahre stark gesunkenes Leseverhalten von Blogs übersetzen. An solchen Einträgen merkt man, was einem da eigentlich so entgeht.

    Ansonsten muss ich zugeben, dass obwohl ich die allermeisten Deiner Schlussfolgerungen zwar überzeugend finde, bei mir gleichwohl hauptsächlich eine Botschaft ankommt: Ich bin nicht die Zielgruppe von Sky. Trotz meines starken Interessenschwerpunkt auf Mainstream-Fußball lohnt sich für mich persönlich ein Abo dort nicht. Weil sie sich für mich nicht interessieren.

    Das ist kein Vorwurf. Sky ist ein Unternehmen, dass sich seine Kunden aussuchen kann, wie sie es für lohnenswert empfinden. Es ist schlichtweg eine nüchtern beschriebene Empfindung.

    Und es ist für den metaphorischen Buchhalter wahrscheinlich nicht mal negativ. Trage ich durch die Getränkepreise in der Kneipe oder durch meine in Werbung übersetzbare Aufmerksamkeit (ohnehin anscheinend seit Jahren eine dortige Hauptpriorität, wie ich mit nicht unerheblichen Erstaunen immer wieder feststellen kann) doch trotzdem zur Wertschöpfung bei.

    Was mich immerhin in die Position versetzt, die Qualität der Verwertung der tollen Leuchtturm-Rechte bewerten zu können. Und das ist ein Aspekt, der mir bei Deiner Betrachtung fehlt: Es gibt ja offensichtlich einen Aspekt, bei dem keineswegs Sparzwang herrscht. Und das ist das – mit Verlaub – dämliche Gequatsche rund um den Fußball.

    Was da an Mitteln für sicher nicht günstige Experten-Stars in unvorteilhaften Hemden ausgegeben wird, kann ich natürlich nicht beurteilen. Genauso wenig kann ich beurteilen, was die in jüngster Zeit verpflichteten Kommentatoren aus dem siebten Kreis der DSF-Hölle so an Vergütung aufrufen. Billig wird das alles nicht sein.

    Und obwohl es sich natürlich um andere Zielgruppen handelt, darf man da schon den Vergleich mit dem aufmachen, was Eurosport in einem Kleinst-Studio mit Henkel/Sammer veranstaltet. Oder Datzen(!) mit den aus den Off über hässliche Statistik-Einblendungen und hastig geschnittene Zusammenfassungen parlierenden Experten in konsequenter, echter Doppel-Kommentierung.

    Beides wird ebenfalls nicht umsonst sein. Beides dürfte aber um Welten günstiger sein. Und beides empfinde ich persönlich als um einiges angenehmer, informativer, schlicht besser. Und das geht bekanntlich nicht nur mir so. Sondern auch Dir und eigentlich jedem aus unserer Blase.

    Natürlich ist mir bewusst, dass Sky das nicht macht, um mich zu ärgern. Sie machen das natürlich, weil der Calli und der Loddar bei der breiten Masse ankommt. Aber tun sie das wirklich? Könnten sie ihre Zuschauer nicht auch mit Berichterstattung abholen, die fokussierter, informativer, gelassener und meinetwegen sogar preiswerter ist? Sind das also wirklich zwingende Investitionen?

    Es wird immer allenthalben behauptet, dass die Masse dies in Deutschland so will. Aber gibt es darüber tatsächlich seriöse Untersuchungen? Hat Sky (oder sonstwer mit größerer Zielgruppe) das mal ernsthaft versucht? Mir wäre diesbezüglich nichts bekannt.

    Du hast die Überalterung unserer Bevölkerung angesprochen. Ein starkes und viel zu oft vernachlässigtes Argument. Aber um mal in Klischees zu denken (denn darum geht es letztlich): Wären nicht vielleicht gerade die gesetzteren Zuschauer dankbar, wenn das alles etwas weniger aufgeregt und albern daher kommt?

    Solange die also weiterhin so viel Geld in solchen Schwachsinn versenken, solange fällt es mir schwer, mit in das Horn des durchdachten Plans bei Sky zu stoßen.

    @Andreas: Das Staffelfinale von Dr. Who läuft bei uns im Kino? Wow. TIL.

  3. Berliner sagt:

    Langer Text, interessante persönliche Sichtweise. Zum Thema F1, was gestern für einige Erschütterungen und Erkenntnisse gesorgt hat….
    Zunächst mal teile ich nicht die Auffassung, dass Mercedes daran schuld sei, dass Sky nun keine F1 mehr zeigt. Irgendwer hat das mal in die Welt gesetzt dass Mercedes bei Liberty Media Stunk gegen das PayTV Modell gemacht habe und viele wiederholen es nun. Ohne es mal zu hinterfragen. Glaubt ihr 1 Hersteller juckt Liberty Media? Warum protestiert in England kein Autohersteller/Sponsor gegen reine PayTV Verwertung? Warum nicht in Italien? Warum nicht in Frankreich, Spanien, auch wenns da nicht 100% im PayTV läuft? Nein, das Szenario kann auch anders abgelaufen sein und findet seinen Ursprung mal wieder bei einer völligen Marktunkenntnis. Liberty Media ist nach der Übernahme der F1 angetreten, die F1 wieder attraktiver zu machen. Vor allem wollen sie auch mehr Geld reinholen und anders als Ecclestone primär vom Zuschauer/TV Sender denn von den Teams. Dies geht im Regelfall nur übers PayTV. Ängste die daraufhin entstanden, dass die F1 komplett hinter einer PayWall verschwindet, zerstreute Liberty Media mit dem Hinweis, dass sie grundsätzlich in etwa ein 70:30 Modell bei den Rechtevergaben anstreben. Sie haben sogar das UK Modell kritisiert, das noch unter Ecclestone zustande kam, weil es dort kein FreeTV mehr gibt. Was heißt..mit Liberty Media als Rechtegeber hätte SkyUK wohl kein Exklusivmodell erhalten. Das wird gleich noch wichtig. Nun also Deutschland. Liberty Media kennt zumindest die Lage, Sky PayTV, RTL freeTV.Das ist ja schon mal was. Nun gibt es vom Verlauf der Rechterunde nur Gerüchte, keine Fakten, auch keine zum Thema „Mercedes bremst Sky aus“! Deswegen werde ich hier auch keine Fakten sondern nur Vermutungen rezitieren und darstellen. Meine Vermutung zum Verlauf der Rechterunde…..zunächst sprach LM bei Sky vor. Logisch…der PayTV Partner, der künftig für die F1 Rechte stramm drauflegen sollte. Als Bonus sollte Sky vermutlich 70% der Rennen exklusiv bekommen, der FreeTV Partner konnte 30% der Rennen parallel zeigen. Angeblich sei man sich mit Sky im Sommer einig gewesen. Vermutlich mit einer Handschlagvereinbarung, die unter dem Vorbehalt des FreeTV Abschlusses stand. Nun denn…auf nach Köln zu Loppe (RTL Sportchef). Dort angekommen vermute ich wird folgendes passiert sein…LM hat Loppe die Handschlagvereinbarung vorgelegt, dies sei das Übertragungskonzept ab 2018, Sky zeigt 70% exklusiv und wenn ihr, RTL, FreeTV Rennen wollt, haben wir 5-6 Rennen für euch, 2 Premium Rennen, 4 Luschen, Kostenpunkt sagen wir mal großzügig 3 Millionen Euro pro Premium Rennen, 2 Millionen Euro pro Luschen Rennen, Unterschrift bitte auf Seite 4 rechts unten. Nach 2s überlegen hat Loppe dann seine Sekretärin gerufen, die die LM Manager lächelnd direkt und ohne Unterschrift wieder nach draußen begleitet hat. Dort angekommen, verharrten diese erstmal in Schockstarre und fragten sich was hier gerade passiert sei. Ein super Angebot, RTL könne froh sein überhaupt noch was zeigen zu dürfen und dann sowas?? Gleich gehts weiter…..

    Für mich war immer klar…ein Stückel Modell wird es mit RTL nicht geben. Nicht nach 26 Jahren kompletter Formel 1. Nur ein „komplett raus“ oder „alle Rennen“. Was wären die Alternativen? ARD/ZDF wurden gerüchtet, angeblich nach dem Olympia Deal dann mit einem Rückzieher, weil Kohle aufgebraucht. Auch hier glaube ich eher, dass ARD/ZDF wegen dem Stückel Modell schnell Abstand genommen haben. Das wäre den Zuschauern nicht vermittelbar gewesen. Weitere Alternativen..die „Kleinen“ wie Sport 1, SAT1 und Konsorten. Möglicherweise hätte SAT1 als sportbefreite Zone bei 6 Rennen aus der Not heraus zugegriffen, aber….die Kosten. Diese sind für die Kleinen schlicht zu hoch, ohne sie genau zu kennen. Aber man kann es grob ausrechnen, wenn man den bisherigen RTL Preis durch die Anzahl der Rennen teilt. Damit war also nun weiter nur RTL Ansprechpartner….

    ..weiter mit Liberty Media. Nach dem ersten Schock über den Empfang bei Loppe wird LM nun nachgefragt haben, was RTL an dem generösen Angebot störe? Daraufhin wird RTL klargemacht haben…“alles oder nichts“. Das nächste Gerücht aus dem Herbst besagt, dass nun ein 50:50 Modell zur Mildestimmung von RTL angeboten worden sei, damit aber bereits Sky schon affrontiert. Auch dieses Modell wird RTL sofort abgelehnt haben. Nun stand Liberty Media also da…..mit Sky könnte man 70:30 machen, hätte aber keinen FreeTV Partner. Ergebnis…es würde dem LM Sprech zuwiderlaufen, nach derem es nicht angestrebt wird, die F1 komplett hinter einer PayWall verschwinden zu lassen. Dann aber so ein Deal? Zwar hätte LM sagen können, das liegt nur daran dass das FreetTV nicht wollte (exakt so lief es in Italien, wo Sky nun fast exklusiv sendet, aber nur weil RAI ausgestiegen ist und nun ein Sky Sender free Reste zeigt), aber die F1 wäre komplett hinter der PayWall, warum interessiert dann keinen mehr. Und LM hätte den Shitstorm kassiert. Zweiter Punkt…ich vermute dass sich Sky auch anderswo verzockt hat….wäre es nicht naheliegend dass die 5-6 FreeTV Rennen bei Sky Sport News laufen? So bleibt es inhouse (wie in Italien), Sky kassiert die Werbeeinahmen und vielleicht ein paar neue F1 Abos. Warum hat Sky scheinbar keine Anstalten gemacht die paar Free Rennen zu zeigen? Sky hat vermutlich aus blanker Geldnot (dazu gleich mehr) gezockt. Sie ahnten, dass RTL kein Stückel Modell mitmachen wird, sie ahnten dass ARD/ZDF wohl generell keine Rolle spielen und dass die Kleinen wie Sport1 sich keine Rennen leisten können. Sie setzten darauf, dass LM keinen FreeTV Deal zustande bekommt, schon gar keinen mit allen Rennen, auch im Hinblick auf den Schutz der PayTV Sender in den anderen Ländern. Was wäre also passiert? Sky hätte, wenn LM RTL nicht entgegengekommen wäre, ohne die FreeTV Rennen bezahlen zu müssen exklusive F1 gehabt, wie eingangs beschrieben. Denn LM hätte Sky nicht zwingen können, die FreeTV Rennen zu zeigen/kaufen.

    Nun stand LM also da und hatte vermutlich nur einen PayTV Partner. Und nun die große Frage..was bewog LM einen erneuten Deal mit RTL zu machen? Auch noch mit allen Rennen, der scheinbar alle anderen Märkte ignoriert? Hier kann man nur spekulieren. Es kann sein, dass die Sponsoren und Autohersteller sich eingemischt haben, aber vermutlich waren sie nicht ausschlaggebend. Möglicherweise hat sich LM auch einfach nur mal den Markt genauer angeschaut…500.000 Sky Zuschauer stehen 5 Millionen RTL Zuschauern gegenüber. Die 5 Millionen wären mit einer PayWall weg gewesen. Wieviele davon ein Sky Abo machen, kann niemand sagen. Bei den Preisen die Sky verlangt, wären es wohl nicht viele gewesen (ähnliches Trauma wird die CL erfahren). Zudem kann Sky die F1 Rennen für Abo Unwillige nicht für einen Zehner pro Wochenende anbieten, ohne das Aboangebot zu kannibalisieren. So stand dann also letztendlich RTL als Sieger da, warum konkret, das kann niemand mit Gewissheit sagen. Fakt ist aber auch und das zeigen die aktuellen Sky Geschäftzahlen….die drastisch höheren Bundesliga Raten schlagen heftig rein. Sky selber sprach gestern von „man habe einiges davon auffangen können“. Ja..vor allem durch programmliche Optimierungen. Das eigentlich Erschreckende und das meine ich mit den anfangs erwähnten „Wahrheiten“ ist….die F1 ist das zweitbeste Premiumrecht bei Sky Sport nach Bundesliga. CL geht ja nur mit deutschen Heros. Wenn Sky ein solches Recht einfach so wegwirft, mit ~500.000 Zuschauern, dann ist dann meines Erachtens keine Bockigkeit, sondern bittere Notwendigkeit, um das Finanzergebnis nicht noch aus dem Ruder laufen zu lassen. Das Ergebnis widerspricht zudem den vielfachen Behauptungen, dass im Ernstfall die grauen Geldkoffer aus London alles retten. Tun sie nicht, SkyD muss selber wirtschaften. Gegenargument….mit einem 70:30 Modell hätte Sky deutlich mehr zahlen müssen als bisher, das wäre für das Finanzergebnis noch schlimmer gewesen. Richtig…aber da hätte Sky wie bei der CL die Wette zu laufen, dass X RTL/ZDF Zuschauer zu Sky überlaufen, ein Abo machen und die Mehrkosten nicht nur auffangen, sondern am Ende noch was Plus bleibt. Was aber weder bei der F1 funktioniert hätte, noch bei der CL funktionieren wird, erst recht nicht bei dem dortigen Stückelmodell. Mit dem bisherigen F1 Modell generiert Sky keine neue Abonnenten und hat nur überschaubare Kosten, mit einem 70:30 Modell hätte Sky deutlich höhere Kosten und eine labile Wette auf die Abozuwachs Zukunft. Visionen gibts scheinbar noch bei Sky, aber meist nur noch weltfremde. Schlussendlich bleibt aber die Frage..wieso ist ein Modell was 21 Jahre geräuschlos lief, 2018 nicht mehr für Sky zumutbar? Niemand wirft aus Bockigkeit ein solches Recht weg, selbst wenn Mercedes ein Machtwort gesprochen hätte. Für Sky wäre es vom Image und der Kundenbindung wichtig gewesen die F1 zu halten. Insofern sehe ich vor allem als Grund die rein buchhalterische Entscheidung bei Sky gegen die F1. Und dass die finanzielle Not so groß ist, dass man alles was nicht Abozulauf verspricht, entsorgen muss. Die kleinen Fische wie Premier League oder Beachvolleyball, die man zuletzt abgestoßen hat, haben kaum positiv zu den Finanzen beigetragen, nun war Sky wohl für die Bilanz gezwungen, einen richtig teuren Brocken zu entsorgen, der keinen Abozulauf verspricht.

    Als nächstes rechne ich mit der Eindampfung der HBL Spiele pro Spieltag von 9 auf die vertragliche Mindestübertragung von 5 zur 2. Saison. Sky selber hat ja zu Beginn der Rechteperiode von einer Bestandsaufnahme nach Saison 1 gesprochen und da braucht man wohl keine Glaskugel um zu erahnen, was passieren wird. Zumal auch jegliche Jubelmeldungen zu Handball Quoten fehlen, bei Sky immer ein untrügliches Zeichen, dass man mit denen nicht zufrieden ist. Der Rauswurf vom Kretschmar Talk war da nur Nebenluft, im Übrigen die Begründung „huch da sind ja EHF Spiele gleichzeitig“ genau so hanebüchen wie bei der F1. Erstens waren die EHF Termine vor dem Start des Talks bekannt und zweitens was interessieren denn Zuschauer ohne Sky Abo die EHF Spiele? Der Talk hat im FreeTV im Durchschnitt 20.000 Zuschauer geholt, da dürften die Pfannen von Mediashop TV mehr Zuschauer haben. Eine Katastrophe für einen FreeTV Kanal und auch ein Beleg, dass sich Sky bei Handball komplett vertan hat, was den Aufbau als 2. Premiumrecht angeht. Die EHF dümpelt seit Jahren schon vor sich hin, da hilft die HBL flankierend auch nicht.

    Womit wir im Finale bei der „neuen“ Strategie von Sky wären. Der wievielten eigentlich? Dass man X-Factor zu Sky1 holt, ist leider auch ein Beleg für die Kapitulation. X-Factor lief 2010-2012 bei VOX und wurde wegen Quotentod abgesetzt. Das soll jetzt Sky1 lustig machen und Kundenbindung bringen? Und was wird wohl der Sieger denken, wie viele der sagen wir mal 80.000 Zuschauer statt über 4 Millionen im FreeTV seine Platte kaufen? 2.000? Wow..da gehts aber ab mit der Karriere. Man darf angesichts dieser Zahlen schon erahnen, welche Klientel sich in die Sendung verirren wird, wo man trotz Sieg in Deutschland nicht gekannt wird. Die Exklusivstrategie bei Serien ist von Netflix und Amazon abgekupfert und in der Tat die einzig Erfolgreiche, wenn man Kunden ziehen will. Etwas bieten was es woanders nicht gibt. Nur belibt dabei das Hauptproblem von Sky…die meisten Gelder gehen für die Bundesliga drauf und schränken das Potenzial für andere Bereiche massiv ein. Auch für Eigenproduktionen. Schlussendlich kann Sky auch nicht mit den Preisen der Serienkonkurrenz und auch nicht mit deren Schlagzahl bei neuen exklusiven Serien, speziell Netflix, konkurrieren. Da hilft Sky Ticket auch wenig, hier hapert es schon an der Grundqualität (720p/Stereo meines Wissens). Die Exklusivdeals mit HBO und Showtime schränken das Serienangebot ein und zweitens haben beide Studios ihren innovativen Zenit offenbar überschritten. Das wird man merken, wenn bspw. „Game of Thrones“ demnächst durch ist. Dahinter ist erstmal eine ganze Weile…nichts.

    Für Sky werden die Zeiten wieder turbulenter, seit dem Einstieg von Netflix und dem Expansionsplänen von Discovery und DAZN sind die geruhsamen Zeiten vorbei, in denen die Rechtegeber Bittsteller bei Sky waren, weil es keine Alternativen gab. Für ein Konzept wie Sky, was ohne Konkurrenz schon knapp auf Kante genäht ist natürlich ein Desaster. Aber hat News Corp. damals wirklich geglaubt, es ginge in Deutschland so weiter wie 2008, Sky alternativlos bei Filmen, Serien, Premiumsport und SAT Strecke? Die Konkurrenz hat das dummerweise auch geschnallt, dass es in Deutschland nur einen Platzhirschen gibt, der im Verlaufe der Jahre auch noch fett und träge geworden ist. Und genau da haben sie angesetzt und Sky keinen Plan wie sie mithalten können.

    Danke fürs lesen ;)….

  4. robert1 sagt:

    Hallo,

    es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum SKY Deutschland „mit aller Gewalt“ die CL-Rechte exklusiv haben musste, wo doch zur der Zeit für die Verantwortlichen sichtbar sein musste, dass Bundesliga-Rechte das Ergebnis sehr stark belasten werden.

    Und jetzt?

    Jetzt haben bei Sky Deutschland sehr teure CL-Rechte in der Bilanz, die so viel kosten, dass, wohl gezwungermaßen, DAZN „zu Hilfe eilen musste“. Die Folge: Die Folge: Die CL ist eben nicht mehr exklusiv bei Sky zu sehen, und sofern die Berichte stimmen, gilt dies auch für Spiele mit Bundesliga-Clubs.

    Da kann Herr Schmidt sich winden, wie er will.

    Nur, die meisten „Sport-Abonennten“ werden dass noch gar nicht mitbekommen haben. Welch ein Glück für Sky! – Wie passt eine solche Einkaufs-Politik zur neuen Sky-Strategie, bei Sport-Rechten auf Exklusivität zu setzen?

    And the Winner is: DAZN. Der DAZN-Eigner kann sich ins Fäustchen lachen, Sky treibt DAZN die deutschen Fußball-Fans in die Arme.

    Dafür musste dann die F1 bei Sky daran glauben. Diejenigen Abonnenten, die nur oder hauptsächlich wegen der F1 ein Sky-Abo haben, werden sich verabschieden. Die Sky-Kündigungs-Quote wird somit wohl eher nicht sinken.

    Gruss
    robert1

  5. robert1 sagt:

    Hallo,

    zu meinem Beitrag vom 26. Januar 2018, 16:58 Uhr:

    Ich habe dort geschrieben, dass Sky die CL-Rechte „mit aller Gewalt“ exklusiv haben musste.

    Real ist es aber so, dass Sky einen sehr hohen Betrag für die CL-Rechte bezahlt, ohne eben die absolute Exklusivität zu haben.

    Das Alles verstehe wer will, ich nicht.

    Denn, wenn ich als Sky schon auf Exklusivität setze, wofür es ja für Pay-TV-Anbieter durchaus Argumente gibt, dann muss ich mir die finanziell voll und ganz leisten können.

    So aber stärkt Sky einen Streaming-Dienst, eines jener Medien, die mit Sky im Wettbewerb stehen.

    Gruss
    robert1

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