Sky versus Discovery – Zeitenwende oder übliches Trara?

Am Mittwochabend machte eine Meldung die Runde, die für den deutschen TV-Markt ungewöhnlich ist. Discovery Networks Deutschland verkündete über diverse Kanäle, dass Eurosport 1 und 2 und der Discovery Channel ab Februar 2017 „möglicherweise“ nicht mehr empfangbar sein werde.

Die sog. „carriage disputes“, also Meinungsverschiedenheiten zwischen Plattformbetreibern und Programmanbietern, sind in anderen Ländern absolut an der Tagesordnung – insbesondere im angelsächsischen Raum kommt dies so häufig vor, dass es hierzu sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag gibt. Ein Mittel der Auseinandersetzung – die leider fast immer auf dem Rücken der Zuschauer ausgetragen wird – ist die Öffentlichkeitsarbeit. Und zu diesem Mittel hat Discovery nun eine Woche vor Vertragsende gegriffen.

Wie stellt sich die aktuelle Sitatuion dar?

Der Discovery Channel ist – neben 13th Street von Universal – wohl einer der ältesten Partnersender von Sky (vormals Premiere bzw. DF1). Zwischenzeitlich gab es auch den Tiersender Animal Planet, welcher aber schon länger nicht mehr auf der deutschen Sky-Plattform vertreten ist.

Eine deutliche Änderung gab es, als Discovery im Jahr 2014 bei Eurosport einstieg und die Sendergruppe 2015 komplett übernahm. Hinter Discovery steht der internationale Mediengigant Liberty Media, denen u.a. auch der Kabelnetzbetreiber Unitymedia und die Formel 1 gehört. Der Kauf von Eurosport wurde von vielen Marktbeobachtern als Beginn einer aggressiven Expansionspolitik von Liberty/Discovery auf dem europäischen Markt angesehen.

Dieser Übernahme folgte der Erwerb lukrativer Sportrechte, allen voran die Rechte an den Olympischen Spielen sowie der Kauf eines kleinen Bundesliga-Pakets. Lukrativ, aber auch teuer.

Als im Juni 2016 die DFL eben jenes besagtes kleines Paket mit Bundesliga-Spielen (welches im Wesentlichen die Freitagsspiele der 1. Liga umfasst) an Eurosport vergab, stellten sich viele die Frage, wie Discovery dies refinanzieren wolle. Dem Vernehmen nach muss Discovery hierfür 70 Mio Euro pro Saison auf den Tisch legen. Als dann vor einigen Wochen Discovery bekannt gab, dass man sich mit ARD und ZDF nicht auf eine Sublizensierung der Olympia-Rechte habe einigen können und deshalb diese auf Eurosport exklusiv selbst auswerten werde, wurden die Fragezeichen noch größer. Discovery hatte angeblich hierfür 150 Mio Euro als Preis aufgerufen. Einen Preis, den selbst die gebührenfinanzieren Öffentlich-Rechtlichen nicht zu zahlen bereit waren.

Discovery fehlen nun eben jene 150 Mio Euro, hinzu kommt die Belastung der Bundesliga-Rechte in Höhe von 280 Mio Euro (4 Saisons x 70 Mio Euro). 430 Mio Euro, kein Pappenstiel für einen kleinen Sender, dessen Marktanteil bei Eurosport bei 0,6% liegt.

Schon damals war die Frage, ob Discovery diese Premiumrechte wirklich auf Eurosport 2 auswerten würde. Ein Sender, der als „Resterampe“ begann und lange Zeit ein Schattendasein in vielen Kabelpaketen fristete. Ein Sender, der als „Overspill“ für den Hauptkanal gedacht war, also nur dann wirklich zum Einsatz kam, wenn auf dem Hauptkanal kein Platz mehr war. Entsprechend mager waren die Einspeisegebühren.

Es war zu erwarten, dass Discovery für Eurosport – und insbesondere Eurosport 2 – im Hinblick auf diese Rechte an der Preisschraube drehen würde.

Erstes prominentes Schlachtfeld ist nun Sky – nicht nur in Deutschland und Österreich, sondern auch in Großbritannien. In Großbritannien ist die Situation sogar noch drastischer und vielleicht auch dramatischer. Während bei Sky in Deutschland nur drei Sender (Eurosport 1 und 2 sowie Discovery) vertreten sind, sind es in UK derer zwölf. Zudem hat Eurosport für UK kein solch markantes, wertvolles nationales Recht wie die Bundesliga in Deutschland. Zudem erhielt die BBC dort auch eine Sublizenz der Olympischen Spiele. Sky UK will daher sogar den Preis drücken, den man Monat für Monat an Discovery abführt.

Ein weiteres Argument, das hier ins Spiel kommt, sind die veränderten Nutzungsverhältnisse, besonders abseits des Sports. Wie bereits erwähnt beglückt Discovery den britischen Sky-Kunden mit sage und schreibe 12 Sendern. Zieht man hiervon die beiden Eurosport-Kanäle ab, verbleiben zehn Doku-Kanäle. Neben Discovery sind dies etwa Marken wie DMAX und TLC, die in Deutschland im Free-TV senden, aber auch Spartensender wie Discovery History, Discovery Science oder Home & Health. Sender, die es nie nach Deutschland geschafft haben, da zu Zeiten, als man hier im Pay-TV endlich Geld verdienen konnte, bereits die On-Demand-Welle einsetzte. Diese nach heutigen Maßstäben absurde Masse an linearen Sendern hat vielleicht Ende der Neunziger bzw. kurz nach der Jahrtausendwende noch Sinn ergeben, als On Demand noch eine Zukunftsvision war. Aber heute? Heute hat fast jeder derart schnelles Internet, dass diese große Auswahl an Programm auch durch Abrufdienste bereitgestellt werden können.

In UK wird die Lösung voraussichtlich sein, dass Sky nicht mehr alle zwölf Sender verbreiten wird.

Und in Deutschland? Hier hat man zunächst noch eine Woche Zeit, bis die Sender potentiell von der Plattform verschwinden. Aber die echte Deadline in der Saisonbeginn der Bundesliga. Es würde mich kaum wundern, wenn Eurosport & Co. zunächst von der Sky-Plattform verschwinden – nur um dann kurz vor Saisonbeginn oder nach ein, zwei Spieltagen wieder aufgeschaltet zu werden.

Wer hat hier mehr zu verlieren?

Meiner Meinung nach Discovery. Sky hat inzwischen fast fünf Millionen Kunden. Sky zeigt den Löwenanteil der Bundesliga-Spiele. Eurosport 1 ist (zumindest in Standardauflösung) Free TV und damit auch weiterhin für jeden zu empfangen. Natürlich ist der Ärger groß, wenn man nicht mehr alle Bundesliga-Spiele mit einem (Sky-)Abo sehen würde können. Aber kündigen? Wegen in der Regel einem Spiel pro Spieltag? Vor allem: Was ist die Alternative? Man kündigt Sky, weil man Eurosport 2 nicht mehr hat – und hat dann alle anderen Spiele nicht? Eine absolut leere Drohung.

Die Unzufriedenheit der Kunden würde ob eines Exodus der Discovery-Sender natürlich steigen. Aber ob deswegen viele Kunden – die sonst zufrieden sind – kündigen? Ich wage es zu bezweifeln.

Sky sitzt am längeren Hebel. Und genau deshalb wählte Discovery gestern den Schritt an die Öffentlichkeit.

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1 Reaktion

  1. Davidoffsmoker sagt:

    Was wäre denn, wenn Liberty Global das ganze so aufzuziehen, das sie Kosten über Quersubventionen finanzieren und die Olympischen Spiele, Bundesligarechte lediglich als Druckmittel einsetzen um über „alte“ lineare Vertriebswege noch Erlöse erzielen wollen, bevor sie dann in der nahen Zukunft eine Plattform etablieren die, ähnlich der Telekom, ihren Kunden Programme direkt anbietet?

    Vor ein zwei Wochen kam das erst mal seit Jahren ne Preiserhöhung für meine Unitymediavertrag, nicht das mich die zwei Euro mehr wirklich stören würden, aber vielleicht ist das ja auch ein Weg Kosten für gestiegene Rechtekosten usw. auf den Endkonsumenten umzulegen.

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