MSGA – Make Sky Great Again

Alle paar Jubeljahre sehe ich mich genötigt, mal wieder dieses Blog auszupacken, wenn mir etwas durch den Kopf geht und ich etwas loswerden möchte, was vom Umfang her nicht bei Twitter geht oder von der Zielgruppe bei Facebook untergehen würde. Sehr häufig ist dies der Fall, wenn es mal wieder um mein Lieblingsthema Sky geht. So auch heute.

Anlass sind im Wesentlichen drei Ereignisse der letzten Tage und Wochen. Sky wurde nach einer „Bieterschlacht“ von Comcast übernommen, gehört nun also nicht mehr zum Murdoch’schen Imperium, welches sowieso demnächst an Disney geht. Dann enthüllte die Deutsche Telekom ihre Pläne für ihr neugestaltetes TV-Angebot, welches nun auf den Namen „Magenta TV“ hört. Und im Gegenzug enthüllte Sky die neue „Desktop-App“ für Sky Go – und verkündet in einem Nebensatz, dass die Browser-Version in ein paar Wochen abgeschaltet wird.

Im Großen und Ganzen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Sky nun an einem Wendepunkt angelangt ist. Streaming-Anbieter wie Netflix, Amazon oder DAZN haben bereits eine nicht unerhebliche Relevanz erreicht. Glaubt man inoffiziellen Zahlen, hat Netflix inzwischen mindestens mit Sky gleichzogen. Mindestens. DAZN hat durch den gemeinsam mit Sky vollzogenen Rechteerwerb der Champions League eine über die Nische herausgehende Relevanz erreicht.

Zudem stehen weitere Anbieter in den Startlöchern. Durch die Übernahme durch Comcast statt mittelbar durch Disney ist der geplante Disney-Streamingdienst ein weiterer Konkurrent. Gleiches gilt für das geplante Angebot von WarnerMedia, zu denen ja bekanntlich HBO gehört. An den Disney- und HBO-Inhalten hängen mit Disney Cinemagic und Sky Atlantic zwei nicht unwesentliche Sender im Sky-Portfolio. Natürlich, es gilt abzuwarten, ob Disney und WarnerMedia wirklich auf Exklusivität bestehen bzw. sogenannte „First Run“-Rechte für ihre eigenen Dienste vorbehalten. Es spricht zwar einiges dagegen, aber man weiß es nicht.

Sky wird sich vermehrter Konkurrenz stellen müssen. Der Vorteil des Fünf-Millionen-Kunden-Kolosses schwankt angesichts des Erfolges von Netflix. Ausruhen ist nicht.

Auch die Telekom hat die Zeichen der Zeit erkannt und versucht ein Stück des OTT-Kuchens abzubekommen. Fokussiert man sich bisher mit dem Vorgängerdienst „Entertain TV“ auf den Verkauf von VDSL-Anschlüssen als Voraussetzung des Erwerbs dieses Produkts, wurde dies bereits mit den diversen Content-Abos wie z.B. Telekom Sport aufgeweicht. Nun geht man den konsequenten Weg und bietet Magenta TV nicht mehr bloß nur als IPTV-Produkt über eigene Anschlüsse an, sondern als Anbieterunabhängiges OTT-Produkt. Großer Vorteil von Magenta TV: Zugang zu praktisch allen verfügbaren Mediatheken deutscher Sender, alle bekannten Streaminganbieter mit Apps auf der Telekom-Box vertreten und Verträge mit den Privatsendern über eine HD-Ausstrahlung. Selbst Sky kann man zubuchen. Praktisch die eierlegende Wollmilchsau der Content-Aggregatoren.

Sky dagegen? Freut sich immernoch über die Einführung der Sky-Q-Box, die es in UK immerhin schon seit Februar 2016 (!) gab. Da war Deutschland noch Fußball-Weltmeister und Jogis Jungs träumten von einer goldenen DFB-Ära. Dass der Leistungsumfang der deutschen Box, obwohl im Wesentlichen technisch identisch, hinter der UK-Box zurückbleibt, kommt zur zeitlich extremen Verzögerung des deutschen Rollouts noch hinzu. Die fehlenden EPG-Daten bei manchen Sendern, weil – anders als in UK – nunmehr erstmals Sky einen eigens redaktionell gestalteten EPG für Sky Q vorhält, verbunden mit allen hiermit ausgelösten rechtlichen Problemchen, sind nur das offensichtlichste Manko.

In UK sind alle Free-TV-Sendergruppen mit ihren Catch-Up-Services (entspricht unseren Mediatheken) auf der Sky Q Box vertreten – sei es die BBC, sei es ITV, seien es Channel 4 und 5. In Deutschland gibt es derer magere zwei: ARD und ZDF. Weder mit RTL (TV Now) noch ProSiebenSat1 und Discovery (7TV) hat man sich Stand heute auf eine App einigen können.

Netflix wird demnächst integriert. Aber DAZN fehlt – obwohl es in Italien eine flott laufende App für die Sky Q Box gibt. Dass auch Amazon Prime Video und der Eurosport Player mit Abwesenheit glänzen, braucht fast nicht gesondert erwähnt zu werden.

Nach all der Kritik muss man aber auch eine Wahrheit erwähnen: Es ist nicht auszuschließen, dass die Unsicherheit der gescheiterten Disney-Übernahme und auch die Probleme um die Integration in den Gesamtkonzern Kraft gekostet haben und wie ein Klotz um den Hals der deutschen Mannschaft hing. Es ist kein Geheimnis, dass es erhebliche Personelle Veränderungen in Unterföhring gab, quer durch alle Gehaltsgruppen. Der Abgang von Burkhard Weber als Sportchef war nur das sichtbarste Beispiel.

Trotz allem hat man es geschafft, DAZN die Rechte an der englischen Premier League ab 2019 abzuluchsen – dem Vernehmen nach zu einem deutlich angehobenen Preis, den man vor drei Jahren noch nicht bereit war zu zahlen. Es dürfte ein strategischer Preis gewesen sein, weil es das auf absehbare Zeit letzte große Sportrecht war, was die nächsten Jahre auf dem Markt kommt – um eine Neuordnung der Sportsender umzusetzen, die es in UK seit gut einem Jahr und in Italien seit einem knappen Jahr gibt. Deutschland ist hierbei nun (mal wieder) der letzte Sky-Markt, der an der Reihe ist.

Doch genug der Einleitung. Was muss Sky meiner Meinung nach tun, um sich „fit“ zu machen für den neuen Konkurrenzkampf mit neuen und bestehendenen Anbietern? Damit man weiter eine Chance hat, der Marktführer bei bezahlten Bewegtbildinhalten (der Begriff Pay-TV hat sich meiner Meinung da fast überlebt) zu bleiben?

Einige Dinge sind klar und werden kommen. Bei anderen bin ich mir da leider nicht so sicher. Wer übrigens hier „Wolkenkuckungsheime“ erwartet oder „Traumschlösser“, den muss ich enttäuschen. Alle Vorschläge sind ganz klar unter der Maßgabe formuliert, dass sie sowohl realistisch als auch mittelfristig refinanzierbar sind.

1. Umstellung des Sky Sport Pakets auf Themensender

Dieser Punkt wird meiner Einschätzung sicher zum Start der Saison 2019/20 kommen. In UK und Italien sind die Sky Sport Sender bereits nicht mehr durchnumeriert, sondern nach Themen bzw. Sportarten gegliedert. Einhergegangen ist dies mit einem neuen Design, welches – bis auf das bzw. die Logos – in Deutschland im Sommer bereits eingeführt wurde. Die neuen Logos dürfte es dann hier im Sommer auch geben. Orientiert an den Erfahrungen in UK und Italien wären also folgende Sender denkbar:

Sky Sport Eins:
Der Highlightkanal, den es als „Bonuskanal“ gibt für Abonnenten des gesamten Sportpakets. Heißt in UK „Sky Sports Main Event“ und in Italien „Sky Sport Uno“. Hier laufen die absoluten Topevents quer gemischt.

Sky Sport Bundesliga:
Der Name sagt es. Wie bisher ein Sender für die Bundesliga. Nicht ganz klar ist, ob man für die 2. Bundesliga einen weiteren Sender eröffnen sollte, etwa „Sky Sport 2. Bundesliga“ oder eben „Sky Sport Bundesliga 2“. Aufgrund der begrenzten Kapazitäten über Sat und Kabel würde ich auf einen Mischkanal aus 1. und 2. Liga tippen, wie bisher.

Sky Sport Fußball:
Der erste „richtig“ neue Sender. Ein Sender für den übrigen Fußball abseits der 1. und 2. Bundesliga. Also: Premier League, Champions League, DFB-Pokal.

Sky Sport Handball:
Der Handball bekommt bei Sky einen eigenen Sender. Hier läuft die Handball-Bundesliga und die EHF Champions League.

Sky Sport Tennis:
Nach der (noch nicht offiziell bestätigten) Verlängerung der Rechte an Wimbledon erhält der Tennissport einen eigenen Sender. Hier laufen neben Wimbledon noch die ATP-Turniere.

Sky Sport Golf:
Auch wenn man die PGA-Tour-Rechte ab 2021 an Discovery verloren hat, konnte man die European PGA Tour, das Masters und den Ryder Cup langfristig sichern. Deshalb bekommt auch Golf einen eigenen Sender.

Sky Sport Austria:
Die Österreicher behalten natürlich ihren eigenen Sender mit den bisherigen Inhalten.

Sky Sport Arena:
Don’t call it „Resterampe“. Auf diesem Mischkanal läuft alles, was nicht bei den übrigen Kanälen reinpasst, wie z.B. Wrestling. Nur: Was könnte da noch laufen? Nur mit Wrestling füllt man keinen 24-Stunden-Sender. Denkbar wäre, dass man hier auch nochmals Inhalte von Sky Sport Austria Zweitverwertet, der ja in manchen deutschen Kabelnetzen nicht eingespeist wird. Oder aber Golf bekommt doch keinen eigenen Sender und kommt auf den Mischkanal. Spaßig übrigens, dass es zwölf Jahre nach dem Ende des arena-Experiments im deutschen Pay-TV ein Wiedersehen mit dem Namen „Arena“ gibt.

Warum das alles? Zwei Gründe: Man strukturiert das Sportpaket klarer, bietet eindeutige Anlaufstationen für die Zuschauer. Vorbei die Suche nach den Inhalten im Wust von mehreren Sportsender. Zudem demonstriert man noch deutlicher die Breite des Angebots. Der andere Grund ist der Abopreis. Man muss davon ausgehen, dass es für den Abonnenten zwar billiger wird, wenn er nur begrenzte Inhalte in Anspruch nehmen will. Denn jeder der obigen Sender (mit Ausnahme des Bonuskanals „Sky Sport Eins“) ist einzeln abonnierbar, zu einem günstigeren Preis als dem jetzigen Paketpreis. Möchte er aber das gesamte Paket in Anspruch nehmen, kostet es mehr als jetzt Sportpaket und Bundesliga-Paket zusammen.

2. Stärkung des Sky-Entertainment-Pakets als neues und einziges Basispaket

Sky Welt, Sky Starter, Sky Entertainment. Das Basispaket, der Einstieg in die Sky-Welt (no pun intended), hatte schon viele Namen – und zur Klarheit hat dies nicht beigetragen. Diese Komplexität gilt es zu reduzieren.

Alle Bestandskunden sollten auf das neue „Sky Entertainment“-Paket umgestellt werden. Mit dem aktuellen Zuschnitt steht man in Konkurrenz zu Streaming-Anbietern – mit Sky Box Sets jedoch nur auf Serienseite. In Punkto Film bietet das Paket nur Brosamen und wird auch als solches nicht wahrgenommen, gleiches gilt für Sport. Dagegen ist man mit knapp 25 Euro bzw. knapp 20 Euro via Sky Ticket der teuerste aller Anbieter.

Sky hat gegenüber Netflix und DAZN einen Vorteil: Die schiere Masse an absoluten Premium-Rechten.

Diese Premium-Rechte werden aber derzeit nur in Premiumpaketen verkauft. Kostenpunkt: 60 – 65 Euro pro Monat exklusive aller Rabatte für Cinema oder Bundesliga mit Entertainment. Das sieht nicht nur sehr teuer gegenüber Netflix und DAZN aus, das ist es auch.

Sky soll und kann seine Premiumrechte natürlich nicht verramschen und auf dem Preisargument mit den „Billigheimern“ mithalten, die beide aktuell übelste Verluste schreiben. Aber man kann seine Premiumrechte als „Rosinen“ nutzen, um das „Müsli“ Entertainment-Paket aufzuwerten. Worauf ich hinaus will: Sky sollte eine geringe Anzahl Filmpremieren nach dem ersten Monat auf Sky 1 versenden und im Entertainment-Paket mehr Filme on demand anbieten.

Etwas ähnliches dann auch für den Sport. Hierfür braucht man…

3. Sky Sport Mix

Ich nenne „Sky Sport Mix“ jetzt nicht den „DAZN-Killer“, dafür ist auch hier der potentielle Inhalt zu dünn. Aber dieser Mischkanal im Entertainment-Paket ist ein Argument, warum der Sportfan statt DAZN vielleicht zu Sky greift.

Sky Sport Mix gibt es bereits in UK und Italien. Hier laufen ein paar Auswahlen aus dem Sportpaket, quer durch die Bank. Aber selten die Highlights, davon vielleicht eins im Monat. Also evtl. mal ein Bundesliga-Topspiel der Woche, wenn weder Bayern noch Dortmund spielt. Ein Einzelspiel aus der Bundesliga am Samstag Nachmittag vielleicht. Auf jeden Fall danach „Alle Spiele Alle Tore“. Auch mal ein Einzelspiel der Champions League. Das Montagsspiel der 2. Liga. Golf. Tennis.

Der Sender ist ein Schaufenster in die Welt des Sportpakets und sorgt für eine Aufwertung des Entertainment-Pakets. Vor allem findet sich so wieder die Programmfarbe Sport hier, nachdem man Sky Sport News ins Free TV entlassen hat (was ich persönlich immer noch für einen Fehler halte, aber sei es drum).

4. Integration von Streaming-Anbietern und Mediatheken in Sky Q

Ich sprach schon die Mediatheken von ARD und ZDF an. Diese sind ein guter Anfang. Aber 7TV und TV Now müssen mit eigenen Apps oder voll in Sky Q integriert folgen.

Eine Diskussion um die Qualität von Soaps bei RTL oder Scripted-Reality bei Sat 1 möchte ich an dieser Stelle nicht führen. Aber es gibt Zuschauer, die das schauen und zwar gerne zeitunabhängig. Aktuell muss der Sky-Kunde seine Sky Q Box ausschalten und entweder auf dem TV oder einer Streaming-Box die App von TV Now oder 7TV starten. Wenn das passiert ist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Zuschauer nach dem Betrachten seiner Serie eher bei diesen Apps auf dem Streaming-Device bleibt – und die Sky-Box bleibt aus.

Magenta TV ist ein hervorragender Aggregator. Nach dem Motto „Es ist mir egal, was Du schaust, solange Du es über meine Box schaust“, sorgt die Telekom für eine ständige Nutzung der eigenen Infrastruktur. Auch wenn man die Inhalte gar nicht selbst bereitstellt oder daran verdient, fällt diese Nutzung auf den Plattformanbieter zurück. Das sah und sieht man in UK an Sky. Dort war Sat-Empfang jahrelang synonym mit Sky. Auch wenn man die vielen Sender der Drittanbieter ansah, war es alles in der Wahrnehmung des Kunden „Sky“. Diesen Transfer muss Sky in Deutschland nun mit der Sky-Box und den Streaminganbietern auch hinbekommen.

Sky muss eine Wahrheit einsehen: Die Streaminganbieter werden nicht wieder verschwinden. Es wird vielleicht eine Marktbereinigung geben. Aber der, der am meisten wahrgenommen wird, wird überleben. Und wenn Sky sich als „Gatekeeper“ mit seiner Sky Q Box in die Wohnzimmer von über 5 Millionen deutschen Haushalten stellen kann, sieht es gar nicht so schlecht aus. Wenn Sky aber aus falsch verstandenem Konkurrenzdenken andere Anbieter von der Plattform fern hält, wird der Kunde sich andere Wege suchen, um das zu sehen, was er will – Auftritt Streamingboxen. Und über Fire TV & Co hat Sky keine Kontrolle, ist auf vielen sogar nicht bzw. nur mit dem „Unverbindlich-Angebot“ Sky Ticket verfügbar.

Gleiches gilt für DAZN und den Eurosport Player. Es ist unverständlich, warum es die in Italien für Sky Q verfügbare DAZN-App hier nicht gibt. Und beim Eurosport Player ist es an der Zeit, das Kriegsbeil mit Discovery zu begraben.

5. Integration von Livestreams in die Sat- und Kabelboxen

Sky hat insbesondere drei große Kostenfaktoren: Senderechte, Personal und Übertragungskapazitäten. Bei den ersten beiden kann man nicht sparen, ohne dass die Qualität leidet. Bei den Übertragungskapazitäten über Sat und im Kabel dagegen schon.

Die Mehrzahl der Boxen hängt sowieso im Internet. Wieso spielt man dann manche Sender, die nicht über Sat oder Kabel verfügbar sind, nicht per Internet aus? So könnte man etwa das Problem lösen, dass in manchen Kabelnetzen manche Einzelspiele der Bundesliga – gerade am letzten Spieltag – nicht in HD verfügbar sind. Auch wäre so die Möglichkeit gegeben, den ein oder anderen Sender, der sonst aus Kostengründen komplett von der Plattform fliegt (siehe zuletzt etwa AXN) doch noch zu verbreiten. Auch wäre so die komplette Umstellung aller Sender auf HD endlich möglich.

Klar, es gibt Kunden, die haben kein schnelles Internet. Nicht, weil sie es nicht wollen, sondern weil es immer noch Landstriche gibt, in denen DSL 1000 schon als superschnelles Internet gilt. Deswegen muss das zunächst als Ergänzung gesehen werden, für Inhalte/Sender, die sonst sowieso nicht verfügbar wären. Nicht als Ersatz.

6. Privatsender in HD direkt im Entertainment-Paket

Ein großer Pluspunkt von Magenta TV bei der Telekom ist die Einfachheit. Für knapp 8 Euro gibt es einen Haufen Programme, sowohl linear als Stream als auch On Demand. Unter anderem enthalten: Die Privatsender in HD. Bei Sky muss man hier erst noch für ca. 6 Euro im Monat HD+ zubuchen.

Sky ist aufgerufen, im Rahmen der Verhandlungen über die Mediatheken als Apps auch über eine direkte Aufnahme der HD-Sender ins Basispaket zu verhandeln. Vor allem, um die Komplexität zu verringern. Der Kunde, der hier und da immer noch ein Paketchen zubuchen muss, wird doch aktuell überfordert.

Besser ist eine schlanke Struktur: Ein Basispaket, ein Sportpaket und ein Filmpaket (dass man die Sportsender auch einzeln buchen kann, lasse ich jetzt mal for sake of the argument außen vor – es geht mir um das Einstiegssegment).

7. Mehr Eigenproduktionen im Sportbereich, Social Media stärker nutzen

Sky hat bekanntlich inzwischen eine eigene Sportproduktion, eigene Studios. Warum ist das wichtig? Man kann hier Dinge ausprobieren, ohne dass diese gleich wieder Unmengen kosten, die man einem Drittanbieter in den Rachen schmeißt.

Diese Freiheit sollte man nutzen. Gerade wenn man nun – wovon ich fest ausgehe – das Sportpaket auf Themensender umstellt, kommt man nicht darum herum, die jeweiligen Liveübertragungen mit Studioproduktionen zu verlängern.

Der Kretschmar-Talk wurde leider eingestellt, aber man sollte es meiner Meinung nach nochmals mit (mindestens) einem Handball-Magazin versuchen, eher zwei – eines vor dem Wochenende als Spieltagsvorschau, eines zum Abschluss des Spieltages. Auch im Tennis stellt sich die Frage, warum ein „London Calling Light“ aus dem Studio in München nicht für jedes ATP Turnier aufgezogen wird. Die Kommentatoren sind sowieso im Studio, dann schmeißt man das Licht an und fasst den Tag nochmals zusammen.

Auch im Fußball muss „Sky 90“ nicht das Ende der Fahnenstange sein. Ich bedauere immer noch das Ende von „Mein Stadion“ und „Samstag Live“. Gerade letzteres hat meiner Meinung nach angesichts der immer größer werdenden Relevanz von Social Media eine zweite Chance verdient. Wenn man sieht, was Sky UK im YouTube-Channel von Soccer AM, dem Vorbild von Samstag Live, veranstaltet, wäre es überlegenswert, vielleicht das ein oder andere zu übernehmen.

Sky hat gerade Bild an der Spitze der Social Media Rankings abgelöst, hierauf gilt es aufzubauen, um Relevanz zu schaffen, um günstig Werbung für das Programm zu verbreiten.

Dies würde man auch erreichen, in dem man das ein oder andere im Internet erfolgreiche Format, wie etwa den „Rasenfunk“ oder „Collinas Erben“, ins Fernsehen bringt. Die „Generation Social Media“ bekommt Sky sofort auf ihre Seite, wenn statt den immer gleichen Experten mal von Twitter bekannte Fans über die Bundesliga debattieren. Oder auch was mir bei dem Podcast „Collinas Erben“ immer mal wieder fehlt, sind die Bilder der strittigen Entscheidungen. Die Rechte, diese Bilder zu zeigen, hat Sky. Warum dann nicht mit Schiedsrichter-Experten über das vergangene Bundesliga-Wochenende debattieren?

Nur am Rande sei noch erwähnt: Wenn Sky ab 2019 die Premier League wieder im Programm hat, wäre es doch mal überlegenswert, das ein oder andere Format von Sky Sports Premier League aus UK im englischen O-Ton einfach zu übernehmen, wie etwa „The Debate“. Wie wäre es? Wäre mit Sicherheit ein toller Bonus für die Fans. Kosten: Null.

8. Monatliche Kündigungsfrist für das Entertainment-Paket

Ein wesentlicher Punkt, der DAZN und Netflix von Sky abhebt: Beide Angebote kann man innerhalb eines Monats kündigen.

Sky wird jetzt sagen: Dafür haben wir Sky Ticket. Die Ausführungen der Kündigungsfrist bei Sky Ticket sind aber so komplex, dass man sie fast nicht in einem Satz unfallfrei aufzählen kann. Auch das wieder ein Punkt, wo das Angebot nicht klar und einfach ist. Das ist doch einfach – sorry – „bekloppt“.

„Jederzeit monatlich kündbar“ – total klar.

„Die Kündigungsfrist beträgt einen Monat, außer im ersten Monat, da ist es der übernächste Monat.“ – bei dem Wort „außer“ schaltet der ein oder andere sicher ab.

Und warum soll man die mpnatliche Kündigungsfrist des Entertainment-Pakets auf Sky Ticket beschränken? Das Entertainment-Paket hat – anders als das Sportpaket – auch mit einem Sportbasiskanal wie Sky Sport Mix kein klassisches Saisongeschäft. Es gibt somit keinen Grund, hier nicht auf monatliche Kündbarkeit umzustellen. Bei den Premiumpaketen kann man die 12- bzw. 24-Monatsverträge ja beibehalten. Aber das Entertainment-Paket steht in Konkurrenz zu Netflix, die jederzeit kündbar sind. Es sollte egal sein, auf welchem Empfangsweg man Sky schaut – das Angebot sollte überall gleich sein.

9. Fazit

Grundsätzlich zielen alle Punkte auf fünf wesentliche Ziele ab:

– Erhöhe die Wahrnehmung der eigenen Programme
– Sorge dafür, dass wenn der Sky-Kunde vor dem Fernseher sitzt, er die Sky Q Box nutzt
– Verringere die Komplexität des Angebots auf allen Ebenen
– Biete ein konkurrenzfähiges, flexibles Einstiegsangebot an, um auch in diesem Segment mit Netflix und DAZN mitzuhalten
– Biete im Premiumbereich durch Eigenproduktionen unverwechselbare Relevanz und rede über Social Media darüber

Wenn Sky bereit ist, alte Zöpfe abzuschneiden, haben sie immer noch die beste Ausgangsposition alle Anbieter in Deutschland. Ansonsten werden sie, nicht zuletzt aufgrund einer für mich unverständlichen Langsamheit (gerade in technischer Hinsicht), irgendwann abgehängt.

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2 Antworten

  1. Roter sagt:

    Magenta TV ist längst nicht so gülden wie im Artikel dargestellt. Jedenfalls für Leute die keinen Festnetz- oder Mobilfunkanschluss bei der Telekom haben. Vielmehr handelt es sich um ein aufgebohrtes Magine TV, welches eine kleine Handvoll exklusiver Serien zeigt und neue (kommerzielle) Mediatheken von ARD und ZDF bietet (vgl. Tatort bei ‚Sky Krimi‘). Anders als im Artikel und der Presseberichterstattung behauptet, kann man eben kein Sky dazubuchen. Weder ein reguläres Abo noch das Paket ‚Sky Sport Kompakt‘. Zu haben ist „nur“ Telekom Sport, welches es auch bereits vorher gab und noch ein Film-Paket mit einigen (linearen) Sendern aus Sky Welt. Am ehesten hapert es bei Magenta TV (ohne IPTV-Receiver) aber am Technischen. Im Browser ist das kaum nutzbar und benötigt ein eigenes proprietäres Plug-In der Telekom. Auf dem Smartphone verweisen viele Funktionen auf den Browser und Miracast u.a. ist nicht möglich. Auf den großen Bildschirm kriegt man Magenta TV derzeit nur per Chromecast (Fire TV angekündigt).

  2. VM_83 sagt:

    Grundsätzlich sollte SKY ganz wegkommen von diesen 12/24 Monatsverträgen und es muss eine einheitlich Preisstruktur geben, ohne Rabatte und Prozente dort. Und SKY sollte endlich wie Netflix und Co Apps auf den bekannten Boxen (Apple TV, AFTV, Chromecast) anbieten.

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