Sky Sport, nun endlich im News Corp-Gewand

Es war eine kleine, aber feine Enttäuschung beim Relaunch von Sky im Juli 2009. Das Sportprogramm von Sky wirkte sowohl von seinem journalistischen Ansatz (mit Ausnahme von Sky90) und besonders der Optik und Produktionsstandards doch viel zu sehr wie alter Wein in neuen Schläuchen.

Vielmehr:

Alter Plazamedia-Wein in neuen Plazamedia-Schläuchen.

Der Look & Feel der Sportkanäle roch Meilen gegen den Wind nach der alten Kirch-Truppe, die Trailer, die Idents, das Senderlogo. Wenn man das deutsche Sky mit den britischen und italienischen Schwesterkanälen verglich, erkannte man bei den Filmkanälen frappierende Ähnlichkeiten, bei den Sportkanälen aber nicht.

Sky Sport Deutschland wirkte wie eine autarke Insel im News Corp-Reich. Bis heute.

Am heutigen Tage kündigte Sky ein neues On Air Design für die Sportkanäle an, welches “amerikanischer” wirken solle. Und wenn man sich das neue Logo ansieht (z.B. bei Quotenmeter), sind die Ähnlichkeiten zu dem britischen und italienischen Logodesign unverkennbar, auch wenn man sich eine eigene Identität behält.

Eine weitere Angleichung an die europäischen Schwestersender findet sich im journalistischen Ansatz, in den Produktionsstandards. Wie international praktisch üblich sitzen Moderatoren und Experten nun an einem größeren Tisch anstatt wie bisher an einem kleinen zu stehen.

Das “Stehtischmodell” hatte den Vorteil, günstig transportiert werden zu können, ein Mann genügte, um ihn schnell wegzutragen, vom Feld in die Mixed Zone. Aber zugleich wirkte es auch immer “provisorisch”, die Berichterstattung hatte etwas von “zwischen Tür und Angel” produziert, immer etwas auf der Flucht.

Sitzende Moderatoren und Experten haben etwas ruhiges, hochwertiges.

Es ist beinahe überflüssig zu erwähnen, dass bei Sky Sports UK man schon seit Jahren, ja Jahrzehnten sitzt. Ebenso ist es mit der Co-Kommentierung, die in UK Standard ist selbst bei Übertragungen der spanischen Liga und nun zumindest beim Topspiel regelmäßig Einzug hält.

All dies sind Zeichen dafür, dass Sky nach zwei Jahren nun – man möchte “endlich” schreien – den survival mode verlässt und richtige Entscheidungen trifft. Endlich werden alteingesetzte Verhaltensmuster hinterfragt, die jahrelang sakrosankt waren, denn “das haben wir schon beim Leo so gemacht”. Im Ergebnis sieht bis heute praktisch jede Plazamedia-Produktion gleich aus, ob für Sky, SPORT1, Sat 1 oder Liga Total.

Will Sky den Premium-Charakter herausstreichen, ist dies ein enorm wichtiger Ansatzpunkt – der nun angegangen wird. Dass diese Entwicklung zusammenfällt mit dem Start von Sky Sport News HD im Winter, dem ersten Sportsender, den Sky selbst produziert und nicht extern an Plazamedia vergibt, ist kein Zufall.

All dies sind Zeichen für die bevorstehende Abnabelung vom Kirch-Erbe namens Plazamedia. 2013 laufen die Verträge zur Produktion der übrigen Sportsender aus. Eine Verlängerung erscheint unwahrscheinlicher denn je.

Der einzige Punkt, der so gar nicht zu dem üblichen News Corp-Schema passt, ist die extrem hohe Wiederholungsrate im Sportprogramm. Während in Italien und dem Vereinigten Königreich auch Wert darauf gelegt wird, dass abseits der “Kronjuweln” im Programm dem Abonnenten etwas geboten wird, ist Sky Sport Deutschland hier etwas schwach aufgestellt. Hier merkt man die finanziellen Restriktionen noch sehr deutlich, bereitet man sich doch auf das unausweichliche “Endgame” der Bundesliga-Rechtevergabe ab 2013 vor – bevor diese nicht gesichert sind und der Break Even absehbar ist, braucht man wohl keine Hoffnung auf eine Expansion im Sportrechtebereich haben. Teure Späße erlaubt man sich nicht.

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