Das „neue“ Sky: Konzentration auf das Wesentliche?

Nein, es ist nicht die nächste Paketumstrukturierung geplant. Auch gibt es keinen Relaunch, keinen Neuanfang mit viel Brimborium.

Nach der erfolgreich absolvierten Bundesliga-Ausschreibung wird jetzt aber vermehrt an kleineren und größeren Stellschrauben gedreht, um das Produkt zu „optimieren“. Das Wort „optimieren“ muss man ja inzwischen leider in diesem Zusammenhang in Anführungszeichen setzen, da hierunter am ehesten „wegoptimieren“ gemeint ist. So leider hier in dem ein oder anderen Fall auch.

Ob man diesen Weg dann unter dem Strich als richtig bewertet, wird man abwarten müssen. Und es hängt vermutlich auch an persönlichen Präferenzen.

Was tut sich bei Sky in den kommenden Monaten?

I. „The Cube“ – Bau von eigenen Produktionsstudios

Was viele gar nicht wissen: Sky produziert nur Sky Sport News selbst. Alle anderen Sportsender werden seit Anbeginn, also seit man noch DF1 oder Premiere hieß – von Plazamedia produziert. Plazamedia? Da war doch was. Genau. Sky wollte die wichtigsten Geschäftsbereiche Inhouse bringen, so auch die Produktion bei Plazamedia. Also einigte man sich mit Constantin, denen auch SPORT1 gehört, über einen Verkauf von Plazamedia und eine Minderheitsbeteiligung an SPORT1.

Was dann passierte, dürfte als eine der wichtigsten Entscheidungen im deutschen Mediengeschäft bezeichnet werden.

Constantin Medien brach den Verkauf ab, offiziell unter Verweis auf eine fehlende Einigung über den neuen Produktionsvertrag von SPORT1 mit Plazamedia.

Sky war – gelinde gesagt – „not amused“. Seit diesem Tag, so hört man es aus Unterföhring und Ismaning, ist das Verhältnis zwischen den beiden Firmen ein absolutes Nichtverhältnis, es funktioniert nur noch, weil es funktionieren muss.

Seit diesem Tage war klar, die Scheidung von Sky und Plazamedia wird kommen, die Frage ist nur, wann.

Nun ist es im Sommer 2017 so weit. Sky baut direkt neben der bisherigen Firmenzentrale einen neuen Produktionskomplex mit mehreren Studios. Der international klingende Name „The Cube“ zeigt, wo die Reise hingehen soll. Noch eine Saison und Sky sendet aus eigenen Studios und Plazamedia geht ein wichtiger, wenn nicht gar der wichtigste Kunde von der Stange. Plazamedia hat zwar auch neue Kunden gewinnen können, wie z.B. das Perform-Angebot „DAZN“. Ob das aber den Verlust von Sky wettmachen kann? Es steht zu bezweifeln.

Insgesamt steht über vielen Dingen, die Sky nun anpackt, der Konflikt mit Constantin.

II. Konkurrenz für SPORT1?

Es gerüchtelt die Gerüchteküche, dass Sky eine offene Flanke, die man in UK und Italien nicht hat, nun auch in Deutschland schließen will: Das Standbein im Free TV.

In Großbritannien gibt es Sky News und Pick, die unverschlüsselt ihr Publikum erreichen und neben einigen Programmen als „Schaufenster“ zu Sky auch Werbetrailer und Programmhinweise zu anderen Sky-Inhalten verbreiten. In Italien erfüllt diese Aufgabe Cielo und MTV8.

In Deutschlang fehlt dieses bislang. Gerade im Sportbereich hat man zuletzt den Eindruck gehabt, dass der ein oder andere Rechteinhaber (wie etwa die NFL, die DEL oder jetzt vielleicht auch die HBL) lieber mit anderen Partnern als Sky zusammenarbeitet, weil diese breitere Massen im Free TV erreichen können. Sky kann das nicht bieten. Bislang.

Dem Vernehmen nach soll der Einstieg von Sky im Free TV kurz bevor stehen – und das besonders auf einem Feld, dass erneut Constantin weh tut: Dem Sport.

SPORT1 beglückt seine Zuseher derzeit außerhalb der Prime Time gerne mit Dokus und Gewinnspielen. Ein Punkt, an dem man ansetzen könnte. Was, wenn es ein Sportangebot auch am Nachmittag im Free TV gibt? Das z.B. das Flaggschiff „Bundesliga Aktuell“ unter der Woche und den Doppelpass am Wochenende angreift?

Die 2. Liga wird mit dem Abwandern des Montagsspiels ins Pay TV etwas aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden. Vielleicht schafft es Sky, das an anderer Stelle zu kompensieren?

Auf jeden Fall aber würde ein weiteres Angebot im Free TV mit Sportinhalten SPORT1 in punkto Quoten wehtun. Man feierte sich gerade im Mai mit Rekordmarktanteilen von 2,2% – auch dank der Europa League. Dortmund gegen Liverpool gibt es aber nicht jeden Monat – und wenn dann ein neuer Free-TV-Sender kommt, der SPORT1 etwa 0,5% Marktanteil (14-49 Jahre) abnimmt, ist das minus 50% und der Emporkömmling wäre auf Augenhöhe. Das wäre bares Geld, das Constantin dann nicht mehr hätte.

III. „Optimierung“ der Partnersender

Geld, das Sky wieder hat für andere Projekte, das aber den Partnern dann fehlt, ist das der Partnersender. Sky räumt auf. Und das, was bekannt ist, scheint nicht das Ende zu sein.

Offiziell ist der Abgang von ProSieben FUN HD, Sat 1 Emotion und Kabel 1 Classics sowie Animax schon erfolgt. Zuletzt gab es Gerüchte um einen Abgang von AXN, die dementiert wurden. Noch. Was man so hört, ist hier aber mehr dran als man derzeit zugeben will.

Hintergrund dürfte sein, dass der ein oder andere Partnersender auf die Kostenbremse tritt und nicht mit dem notwendigen „Elan“ hinter dem Erfolg des Senders steht. Ob Sat 1 Emotions, ProSieben FUN oder AXN; diese Sender haben eines gemein: eine enorm hohe Wiederholungsrate und fast keine Premieren. Bei AXN fällt es schwer, aus dem Gedächtnis weitere TV-Premieren neben „Chicago P.D.“ zu nennen. ProSieben FUN bietet zwar auch Livestrecken im Extremsport, auch läuft hier die TV-Premiere der zweiten Staffel von „Empire“. Dennoch sind die Free-TV-Sender von ProSiebenSat1 immer die klare Nr. 1.

Zudem gibt es womöglich den ein oder anderen Reibungspunkt mit Maxdome, dem Subscription-Video-On-Demand-Angebot von ProSiebenSat1, welches in direkter Konkurrenz zu Sky Go bzw. Sky Online steht. Sky legt zuletzt großen Wert darauf, Rechte auch für den On Demand Bereich zu erwerben. Für die Serien der ProSiebenSat1-Sender war das – wohl um Maxdome nicht zu kannibalisieren – nicht möglich. Da ist der Rauswurf der Sender leider nur konsequent.

Konsequenz zeigt Sky auch bei einem weiteren Sender, der kurz vor dem Rauswurf steht, da die Programminhalte und Qualität zuletzt erheblich zu wünschen übrig ließen und der Partner offenbar weder gewillt noch fähig ist, daran etwas zu ändern. Ob die wenigen verbliebenen Inhalte einen Verbleib auf der Plattform rechtfertigen? Auch wenn der ein oder andere Fan hier schreien wird, dass man ihm den Sender nimmt.

Dass es aber nicht immer so kommen muss, zeigt die Vereinbarung über den Kindersender „Junior“. Umfangreiche On-Demand-Rechte führten zu einer langfristigen Verlängerung der Partnerschaft mit Sky. So geht es auch.

IV. Investition in eigene Inhalte

Statt Geld für mangelhafte Partnersender herauszuwerfen investiert Sky lieber in eigene Inhalte. Der Start von Sky Arts HD erfolgt noch diesen Monat, ein Relaunch des Filmpakets steht unmittelbar bevor, hierbei startet auch ein weiterer Filmsender mit „Sky Cinema Family HD“. Ob man auch in weitere Filmrechte investiert? Es bleibt abzuwarten.

Doch damit nicht genug. Dank diverse Stellenanzeigen ist klar, dass Sky Personal für einen neuen „Entertainment-Sender“ sucht und teilweise schon verpflichtet hat. Und wer hier 1 und 1 zusammenzählen kann, kommt nicht bei 2, sondern bei 1 raus: Sky 1.

Es ist beschlossene Sache, dass Sky 1 nach Deutschland kommt. Wann? Der Start steht näher als so mancher denkt.

Was man von Sky 1 in Deutschland erwarten wird können, ist die große Unbekannte. In UK laufen hier Premieren von US-Serien und eigenproduzierte Serien und Shows. Das gleiche in Italien. Es würde überraschen, wenn für Deutschland ein anderes Konzept gewählt wird – wenn auch natürlich zu Beginn nicht so hochkarätig wie in UK. Die Rechte an den „Simpsons“, dem absoluten Fixpunkt des UK-Pendants, liegen ja auch bis auf weiteres bei ProSieben.

V. Fazit

Sky greift einerseits zur Kostenschere und schneidet alte Zöpfe, die nur Geld kosten, aber keinen messbaren Ertrag bringen, ab. Das mag den ein oder anderen Kunden verärgern, weil er genau diesen Inhalt mochte. Sei es „Chicago P.D.“, sei es Extremsport, sei es Bullenreiten.

Andererseits ist man aber auch gewillt, richtig zu investieren: In Steine, wie beim neuen Studiokomplex „The Cube“. In Sender, wie Sky Arts oder Sky 1. Und nicht zuletzt in Eigenproduktionen, wie auch die Serie zum Welterfolg „Das Boot“.

Erkennbar ist: Sky lässt Geld springen, wenn man den Finger auf den Inhalten hat, weil man sie selbst produziert. Fremde Inhalte bringen Sky nur etwas, wenn man sie quer über alle Kanäle ausnutzen kann und sie hinreichend wertig sind.

Und dann kommt der „Kleinkrieg“ mit Constantin hinzu. Mit unbekanntem Ausgang, mit Sicherheit aber mit einigem Kollateralschaden.

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1 Reaktion

  1. Jan sagt:

    Wenn sky sich „auf das Wesentliche konzentrieren“ würde, dann wäre die elendige Kundenverarsche „HD kostet extra“ schon lange Geschichte, bzw. der Tarifdschungel mit XYZ Paketen und Optionen und Laufzeiten und Rückgewinnungsangeboten für kündigende Abonnenten etc etc bestünde nicht.
    Ein Premiumprodukt braucht seinen wahren Preis nicht zu verschleiern, sondern überzeugt durch beste (HD bzw. UHD-) Qualität und ansonsten „einfachen“ übrigen Bedingungen.
    Netflix (und DAZN?) machen das an einigen Punkten vor.

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