Bruno Labbadia, Lebensabschnittsgefährte

Ich kann gewisse Dinge nicht akzeptieren, wenn der Trainer wie der letzte Depp dargestellt wird, als hätte er gar keine Ahnung!

Sprach der (Noch-?)Trainer des VfB Stuttgart, gestern auf der Pressekonferenz nach dem Heimremis gegen Bayer Leverkusen (Quelle u.a. hier). Die Vergleiche zu Giovanni Trappatoni kamen sofort auf. Wutrede, Vulkanausbruch. Was hat da alles geschwelt in dem Ex-Stürmer. Einem Trainer droht da gerne die Entlassung, so dass er Haushaltsauflösungen in Bielefeld benötigt.

Die Zuschauer sind aufgewiegelt durch absolute Unwahrheiten. Holzhauser wäre nicht mehr beim VfB, wenn ich nicht mein Veto eingelegt hätte. Die Trainer sind nicht die Mülleimer von allen.

Mit “von allen” meinte Labbadia vor allem die Medien (Quelle u.a. hier), die er für die aufgeheizte Stimmung im Umfeld der Schwaben verantwortlich macht.

Doch liegt das Problem wirklich in externen Einflüssen begründet? Leidet nicht Labbadia an einer Form von Selbstüberschätzung, angesichts seiner Trainer-Vita?

Bruno Labbadia ist nunmehr seit dem 12. Dezember 2010 Trainer des VfB Stuttgart als Nachfolger des Kurzzeitcoaches Jens Keller. Auch dessen Vorgänger, der Schweizer Christian Gross, hatte den Chefsessel kein ganzes Jahr inne. Insofern sind die 22 Monate, die Labbadia das Amt nun bekleidet, fast schon ein Rekord und eine für den VfB ungekannte Konstanz. Seit Meistertrainer Armin Veh hielt es kein Trainer so lange auf dem Schleudersitz aus.

Was ist nun der Kernpunkt der Kritik dieser “Wutrede”?

Gute Frage. Grundsätzlich scheint Bruno Labbadia ein Problem damit zu haben, dass er als Führungskraft des Vereins exponiert in der Öffentlichkeit steht und für die Resultate und Spielweise Verantwortung zu übernehmen hat:

Als normaler Bundesliga-Trainer muss man sich die Frage stellen: Gehe ich einen schweren Weg mit? Oder sage ich: Am Arsch geleckt! Das Fass ist absolut voll.

Was schwingt hier mit? Unzufriedenheit mit den Vorgaben von Sportdirektor Fredi Bobic? Den vom Vorstand vorgegebenen Einschnitten in das Spielermaterial?

Es scheint fast so, dass sich Labbadia missverstanden fühlt. Dass er mehr “Respekt”, mehr “Anerkennung” will, was er unter den von ihm als schwierig empfundenen Bedingungen in Stuttgart noch aus der Mannschaft herausholt.

Doch wenn das tatsächlich die Denke von Labbadia sein sollte, sollte er wirklich überlegen, ob er nicht lieber in die beschauliche Provinz der Regionalliga zurückkehren will. Es gibt in Deutschland nur zwei, drei Vereine, die von finanziellen Zwängen weitgehend frei sind, und davon werden Bayern und Hoffenheim von derart starken Personen in der Führungsebene geprägt, dass auch dort das Arbeiten alles andere als frei ist. Einzig in Wolfsburg ist sowohl vereinsinterner wie öffentlicher Druck vergleichbar mit einer Vakuumflasche auf dem Mond.

Bruno Labbadia soll eine Aufgabe erfüllen: Das beste aus der Situation rausholen. Und dafür will er ein Extralob, wenn ihm das – nach seiner Auffassung – gerade so, mit Ach und Krach, gelingt?

Die Station Stuttgart ist nach Darmstadt die erste für den noch relativen Trainernovizen, bei der er es fast zwei Jahre ausgehalten hat. Woher kommt das bloß? Nur wegen dem “Umfeld”? Wegen den “bösen Medien”?

Auf die Idee, dass Labbadia ein Trainer sein könnte, unfähig zu langfristigem strategischen Denken, ist wohl noch keiner gekommen.

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