Der FC Bayern 2011 – Den Gegner mit den eigenen Waffen schlagen

Nach zehn Pflichtspielen ist es an der Zeit, ein erstes Zwischenfazit zu ziehen. Der FC Bayern hat von seinen ersten zehn Auftritten in der neuen Saison 2011/12 unter Jupp Heynckes neun Spiele gewonnen und eines verloren, dabei musst man nur ein einziges Gegentor verbuchen.

Diese erstaunliche Bilanz ist nicht Ergebnis eines Kaufrausches im Sommer, wie es etwa 2007/08 der Fall war, oder auch nicht der mangelnden Qualität der Gegner geschuldet. Denn wie oft war es zuletzt der Fall, dass der FCB – personell top besetzt – an auf dem Papier schlechteren, aber top eingestellten Gegnern scheiterte? Man möchte exemplarisch nur auf Hannover 96 verweisen, die bei aller Liebe ihre Vorzüge nicht in der individuellen Klasse haben.

Doch was ist diese Saison anders? Es ist ganz einfach. Jupp Heynckes hat erkannt, mit welchen Mitteln die Gegner des Rekordmeisters zuletzt diesen auf ihr Niveau “heruntergezogen” haben und dann auf diesem ebenen Spielfeld Vorteile in anderen Kategorien als eben jener sagenumwobenen individuellen Klasse bewiesen.

Das Zauberwort heißt Einsatz und taktische Ordnung.

Was Louis van Gaal leider nicht hinbekam, war, dass jeder Spieler in jedem Moment des Spiels wichtig war. Der Holländer bot eine taktische Meisterleistung in der Offensive, bei Ballverlust kam es jedoch zu oft vor, dass sich die Spieler auch hier an die offensive Raumaufteilung hielten und weniger als möglich nach hinten arbeiteten. Dies hatte seine Vorteile im schnellen Umschalten, sorgte für viele Torchancen – aber leider eben hüben wie drüben.

Unter Jupp Heynckes ist etwas erstaunliches passiert: Franck Ribéry arbeitet nach hinten, hat aber dennoch seinen alten Spaß am Spiel nach vorne zurückgewonnen. Die fußballerische Quadratur des Kreises.

Die Bayern-Defensive ist nicht nur deshalb so stabil, weil das defensive Ausnahmetalent Holger Badstuber mit Jerome Boateng einen ruhigen Mitspieler neben sich hat, auf den er sich verlassen kann – sondern eben auch, weil selbst Mario Gomez oder Nils Petersen bei Ballverlusten sofort mit nach hinten arbeiten. Eine Eigenschaft, die in den letzten zwei Saisons nur Thomas Müller und Ivica Olic aufwiesen.

Der FC Bayern München bietet derzeit eine mannschaftliche Geschlossenheit auf, die man sonst so nur von mit weniger Stars und eigenwilligen Charakteren gespickten Mannschaften kennt. Doch hinzu kommen hier eben auch die exzellenten Einzelkönner. Diese Kombination , die man in Europa sonst nur so bei Manchester United findet (auch beim großen FC Barcelona haben manche Offensivspieler Freiheiten im Defensivspiel, was dadurch weniger ausschlägt, da man im Mittelfeld extrem ballsicher ist), stellt die potentiell gefährlichste Option für den Gegner dar. Wenn nun der Branchenprimus auch in der Kategorie Einsatz und Kampfgeist vorne weg marschiert, bleiben kaum noch Optionen zum Einbremsen übrig – es bietet sich fast nur das Hoffen auf individuelle Fehler an, was für Gladbach funktioniert hat, für Schalke aufgrund der unpräzisen Abschlüsse von Huntelaar nicht.

Der FC Bayern ist erstaunlich ausgereift, zu einem frühen Zeitpunkt der Saison. Dass die Gegner noch nicht die 1A-Kategorie darstellten, sollte diese Schlussfolgerung nicht in Frage stellen. Die Spielanlage einer Mannschaft ist keine Frage des Gegners. Bleibt dem FC Bayern größeres Verletzungspech in den entscheidenden Spielen gegen eben jene 1A-Kategorie erspart, geht die Meisterschaft in diesem Jahr mit Sicherheit an die Isar. Und auch in der Champions League kann man – Losglück vorausgesetzt (vulgo: Nicht Barcelona) – auch weit kommen.

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