SPORT1+ kauft sich 18 NBA-Spiele

Ein überraschende Meldung machte am Donnerstag die Runde. Überraschend sowohl vom Inhalt als auch von der Kurzfristigkeit. SPORT1+ sichert sich die Rechte an den bis zu 18 verbleibenden Playoff-Spielen der diesjährigen NBA-Saison (Meldung bei schoenen-dunk.de).

Die NBA ist berühmt-berüchtigt unter Sportrechtehändlern und -käufern, dass man mit harten Bandagen verhandelt, dass man sich sehr bewusst ist, wie wertvoll die Senderechte sind, aber auch zuweilen, wie wenig man vom deutschen TV-Markt versteht.

Dem Vernehmen nach verlangt die NBA regelmäßig Summen, die angesichts der Sendezeit (die Finals beginnen nicht vor 3 Uhr deutscher Zeit) und der daraus resultierenden geringen Zuschauerzahl schlichtweg utopisch sind.

Im Ergebnis ist die NBA die einzige US-Sport-Liga, die seit Jahren unbeständig, mal mehr, mal weniger im deutschen Fernsehen vertreten ist. Es ist kein Zufall, dass die NBA als einzige der “Big Four” nicht bei ESPN America vertreten ist.

Und genauso ist es auch kein Zufall, dass die NBA regelmäßig zum Ende der Saison nervös wird, wenn man absehen kann, dass nicht mal die Finals für die deutschen Fans zu empfangen sind. Da greift man dann gerne mal zu kurzfristigen Maßnahmen. Letzte Saison tauchte auf einmal zum Jahreswechsel NBA TV bei Sky auf, dieses Jahr ist es der Notausgang-Deal mit SPORT1+.

Wohlgemerkt:

SPORT1+ zeigt nur die restlichen Spiele dieser Saison. Eine langfristige Lösung ist das in keinster Weise.

Dennoch, für SPORT1+ macht dieser Deal Sinn. Die Geschäftszahlen von Constantin sind öffentlich, jeder kann sie einsehen, jeder kann eins und eins zusammen zählen. Für Constantin ist es enorm wichtig, dass SPORT1+ nach dem Einbruch des Telemarketing und Direct Response Marktes ein Erfolg wird. Doch SPORT1+ will nicht so Recht in Fahrt kommen. Zwar ist man in so manchem Kabelpaket vertreten, auch über das Internet kann man den Sender mit Einschränkungen abonnieren – doch fehlt etwa eine Vermarktung an Sat-Haushalten.

Und ohne diese wird man immer ein besseres Sportdigital bleiben. Ohne eine Breite technische Reichweite braucht man sich bei der nächsten Ausschreibung der Bundesliga-Rechte gar nicht ernsthaft um Teilrechte – etwa die Rechte an der 2. Liga – bemühen.

Insofern ist interessant, warum Sky SPORT1+ so dermaßen mit Missachtung straft. Selbst besagtes Sportdigital ist auf der Sky-Plattform – zumindest über Sat – verfügbar.

Zugegeben, Sky hat sich in Punkto Expansion, gerade bei nichtexklusiven Drittsendern, seit dem Relaunch auffällig zurückgehalten. Selbst Fox HD etwa, der von der Schwesterfirma Fox International Channels betrieben wird, glänzt bei Sky mit Abwesenheit.

Da wundert es dann wenig, dass SPORT1+, ein potentieller Konkurrent für zukünftige Rechteausschreibungen, von Sky keine Starthilfe erhält. Zumal das Verhältnis zu Constantin sowieso kurz- bis mittelfristig interessant sein dürfte – Stichwort Sky Sport News, der als erster der Sky-Sportsender offenbar nicht von der Constantin-Tochter Plazamedia, sondern komplett In House produziert wird.

Apropos Sky:

Hat sich Sky hier mal wieder die Butter vom Brot nehmen lassen, dass man bei der NBA nicht zuschlug? Ja und Nein.

Ja, die NBA ist eines der meiner Meinung nach vier Sportrechte, die sich nicht im Portfolio von Sky befinden und die in Deutschland noch ein ansatzweise vertretbares Interesse hervorrufen, um gewisse Investitionen zu rechtfertigen. Bei den anderen drei handelt es sich im Übrigen um die spanische Fußballliga, die UFC und die ATP. Letztere liegt by the way – genau – bei SPORT1+.

Insofern hätte es Sky gut zu Gesicht gestanden, wenn man jetzt, kurz nach dem Ende der Bundesliga-Saison, mit der NBA hätte aufwarten können. So gibt es ab übernächsten Samstag, wenn das CL-Finale abgepfiffen ist, bei Sky erstmal nur noch Golf, Formel 1 und Wimbledon. Ok, und Wrestling.

Bei SPORT1+ gibt’s wenigstens noch ein paar Tage NBA – allerdings ist die Herrlichkeit, bei aller Liebe, dann auch bald vorbei. Wirkliches Sommerpausenprogramm stellt die NBA nicht da (das ist eher die Copa America, auch bei SPORT1+ – aber das ist ein anderes Thema).

Insofern ist das ein Deal, der für SPORT1+ sehr viel Sinn macht. Für Sky aber hätte es nicht so viel gebracht.

Wir reden hier über maximal 18 Spiele. Das ist, wie der Angelsachse sagt, a flash in the pan. Es zischt kurz, dann ist es auch schon vorbei. Eine langfristige Strategie steckt da nicht dahinter. Der ATP-Deal von SPORT1+, das war ein Signal. NBA? Not really.

Dieser Deal ist gut für das Image von SPORT1+, man macht sich damit bemerkbar, gerade in der Saure-Gurken-Zeit wird man nun wahrgenommen, man ist da. Sky hat, bei aller berechtigten Kritik, sowas nicht nötig.

Dennoch aber muss man bei der Gelegenheit Sky nochmals ins Gewissen reden. Es gibt eine Aussage, die Sky-Sportvorstand Carsten Schmidt zugeschrieben wird, die er angeblich so zum Sky-Relaunch über die Strategie im Sportrechteeinkauf geäußert hat.

Wir kaufen keine Rechte, nur um irgendwas zu senden.

Was auf den ersten Blick sinnvoll erscheint – schließlich braucht man Rechte, die das Kerngeschäft, den Aboverkauf, anheizen – entpuppt bei Tageslicht eine leider falsche Einstellung zum Charakter des Sportprogramms.

Sky kassiert zwölf Monate im Jahr von seinen Abonnenten Gebühren, sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag. Dennoch schenkt man ganze Programmstrecken einfach ab. Mit Wiederholungen, Wiederholungen, Wiederholungen. Man erreicht mit der Bundesliga am Samstagnachmittag Rekordquoten von über 1 Mio Zuschauern, nur um danach dann ein Programm zu bieten, was derart unattraktiv ist, dass man zwangsläufig in den nichtmessbaren Bereich rutscht. Da verpuffen auch die hellsten Leuchtturmprogramme.

Vom 29.05.2011, dem Tag nach dem CL-Finale, bis zum 08.07.2011 – also 40 Tage – laufen auf Sky Sport HD1 gerade mal 67 Livesendungen. Und davon ist ein Viertel Formel 1, die es auch bei RTL gibt.

Da fragt man sich als Sky-Abonnent schon zeitweise, wofür man in der Zeit, in denen das Sky-Sportprogramm die Bürgersteige hochklappt, überhaupt soviel Geld zahlt.

Sky hat die großartigen Leuchttürme Bundesliga und Champions League im Programm. Aber, und das ist logisch, damit füllt man kein 24-Stunden-Programm. Schon gar nicht in der Sommerpause.

Diese gähnende Leere in den Sommermonaten ist Imageschädigend. Und genauso ist es zu beurteilen, wenn man sich von Minisendern und Internetportalen die Liverechte an attraktiven Übertragungen ausspannen lässt. Es ist nicht nur die NBA, die 18 Spiele machen es jetzt auch nicht mehr aus. Es ist die Masse, es ist die generelle Ignoranz, die Sky dem Randprogramm zukommen lässt. Das ist bei BSkyB und Sky Italia nicht der Fall. Wenn man abseits der Liveausstrahlungen Sky einschaltet, sieht man in Deutschland Wiederholungen der Liveausstrahlungen. In Großbritannien und Italien gibt es immerhin noch regelmäßige fremdproduzierte Magazine, die auch nicht die Welt kosten.

Es wäre schön, wenn man sich da etwas an den Schwestersendern orientieren würde. Allein der Glaube fehlt.

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