Für wie blind hält Sky eigentlich den Zuschauer?

Einmal ist möglicherweise ein Fehler. Aber zweimal ist kein Zufall mehr.

Sky bewirbt seit einigen Wochen intensiv eine Neuerung zum Start der Fußball-Saison – die Konferenz der Bundesliga auf Sky erstmals in nativem HD.

Doch so ganz stimmt die Werbebotschaft gar nicht. Und man muss sich mal wieder die Frage stellen, wie es Sky immer wieder schafft, mit Kleinigkeiten, die eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber dem Zuschauer erkennen lassen, jede Bemühung um ein gutes Image obsolet erscheinen lassen.

Denn die Konferenz wird – anders als beworben – gar nicht vollständig in nativem HD ausgestrahlt.

Schon am ersten Spieltag war dieses Phänomen zu beobachten, am zweiten dann erneut. Einige Minuten vor Abpfiff der Samstagsspiele, etwa um die 80. Minute herum, sind die Bilder diverser Spiele auf einmal nur noch in hochskaliertem SD zu sehen. Dem Laien, der auch die Free TV- und HD+-Sender als 100% HD wahrnimmt, mag das nicht unbedingt auffallen. Dem geschulten Auge entgeht es aber nicht.

Am zweiten Spieltag waren etwa auf einmal die Spiele von Eintracht Frankfurt gegen den HSV sowie Schalke gegen Hannover nicht mehr in nativem HD zu sehen.

In der Sommerpause rüstete Plazamedia, die für Sky die Produktionsabwicklung das Sportprogramms verantworten, ihre HD-Kapazitäten auf, um für Sky eine Bundesliga-Konferenz in nativem HD zu bieten.

Doch offenbar hat man hier mal wieder am Geld gespart und nur so viele HD-Schnittplätze wie unbedingt für den Livebetrieb notwendig errichtet. Aber dummerweise reichen diese wohl dann nicht aus, um während der Endphase der Konferenz auch noch die Zusammenfassungen für die direkt daran anschließende Sendung “Alle Spiele, alle Tore” zu produzieren – diese sind dann wieder vollständig in nativem HD zu sehen.

Man kann sich darüber streiten, ob man sich wegen weniger Minuten, in denen man sich mit einem SD-Bild zufrieden geben muss, aufregen soll. Zumal am Ende nicht alle, sondern nur einige Spiele nicht mehr natives HD bieten. Schließlich sieht man von über neunzig Minuten Konferenz nur vier, fünf Minuten hochskaliertes SD.

Doch was hängen bleibt:

Es ist und bleibt ein Etikettenschwindel. Die Sky-Konferenz ist nicht zu hundert Prozent in nativem HD.

Und es zeigt mal wieder, dass Sky im Sportbereich nicht nach der in einem schwierigen Markt unbedingt erforderlichen Perfektion, nach dem bestmöglichen Produkt strebt, sondern nach einem Produkt, was nach außen hin so gut wie möglich unter den finanziellen Begrenzungen wirkt, aber unter der Oberfläche doch immer noch nur die selbe Kirch/Plazamedia/Premiere-Suppe ist.

Sky steht international für ein Weltklasse-Produkt, besonders im Sportbereich. Ein Produkt von leidenschaftlichen Sportfans, für leidenschaftliche Sportfans. Eben dieses Streben nach Perfektion. Wie heißt der Werbeclaim von BSkyB in Großbritannien: Keine Kompromisse.

In Deutschland macht Sky nur Dienst nach Vorschrift und braucht sich dann nicht wundern, wenn man nicht als absolutes Premiumprodukt und damit als zu teuer wahrgenommen wird.

Das fängt dabei an, dass man auf eine Newssendung verzichtet, obwohl dieses dem Sky-Sportprogramm die bitter notwendige inhaltliche Klammer geben würde. Das geht weiter damit, dass man lieber die siebenundvierzigste Wiederholung der Bundesliga zeigt als Livesport, für den man außer den Produktionskosten nichts zahlen müsste, weil die Rechte sowieso de facto kostenlos auf dem Markt sind.

Dann, dass man zwar die Recht an der NBA in einer Nacht- & Nebel-Aktion erwirbt, dann aber nur ein technisch minderwertiges 4:3-Bild bieten kann. Und natürlich die spanische Fußball-Liga, die man erneut ignoriert – bei allen Vorbehalten, weil die Spiele auch kostenlos im Internet zu sehen sind – obwohl bei Real Madrid nunmehr zwei deutsche Nationalspieler aktiv sind und die Spiele zu einer perfekten Zeit angestoßen werden, die die Bundesliga- und England-Übertragungen ergänzen würden.
Sky in Italien bietet La Liga. Sky in Großbritannien bietet La Liga. Sky in Deutschland? Kein Bedarf.

Dazu kommen nicht zuletzt solche Aussetzer in der Produktion. In den letzten Wochen hat sich Plazamedia ziemlich regelmäßig technische Nachlässigkeiten geleistet. Asynchroner Ton. Trailer und Beiträge, die nicht rechtzeitig oder gar nicht eingespielt wurden.

Und eben auch dies. Diese Ignoranz gegenüber dem Zuschauer. Dass man denkt, der merkt das schon nicht, dass das Bild am Ende auf einmal nicht mehr natives HD ist.

Das ist eines Premiumprodukts unwürdig.

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