Die BBL, der telegene Basketball und Frank Buschmann

Frei nach John Miles: Basketball was my first love. Der erste Sport, der mich wirklich begeisterte, den ich selber eine zeitlang zumindest Hobbymäßig ausübte, wegen dem ich mir die Nächte um die Ohren schlug, war Basketball. Lange war die NBA meine absolute Lieblingsliga, anderer Sport fand bei mir selten statt, sowohl aktiv, wie auch passiv. Im Schulunterricht gab es oft Widerstand, wenn schon wieder blöder Fußball gespielt werden sollte. Und vielen anderen ging es auch so. Basketball wurde von den meisten Jugendlichen Anfang der 90er als beliebtester Sport genannt.

Wie sich die Zeiten doch ändern. Inzwischen ist Fußball bei mir wie auch der Mehrheit der Deutschen die absolute Nummer 1. Die Begeisterung für den Baskteball als passiver Zuschauer flammt nur ab und zu bei Highlights wie nun der Europameisterschaft kurz auf, um dann nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft wieder zu erlöschen.

Die Frage stellt sich doch, warum dies der Fall ist. Warum hat der Basketball – und hier besonders der deutsche Basketball – den Boom der 90er Jahre so wenig nutzen können? Warum passiert derzeit ähnliches erneut und man lässt die Jahrhundertchance Dirk Nowitzki beinahe ungenutzt vorbeiziehen?

In einem Interview mit SPOX äußert DSF-Basketball-Kommentator ein ähnliches Unverständnis.

SPOX: Ist Ihre ansonsten emotionale Art womöglich eine Reaktion darauf, dass die deutsche Öffentlichkeit kaum Notiz nimmt von Basketball?

Buschmann: Das Schlimmste ist, dass ich nicht verstehen kann, warum sich in einem Land mit vielen sportbegeisterten Menschen eine so telegene Sportart wie Basketball nicht durchsetzt. Was gibt es denn Spannenderes als die vier Spiele der Deutschen? Daher kann es sein, dass ich besonders mitfiebere, wenn in den zwei Wochen im Jahr, wenn die Nationalmannschaft spielt, zumindest ein bisschen das Interesse aufflackert.

Ich bin also nicht alleine. Viele sehen Basketball als sehr attraktiven Sport an, doch aus diversen Gründen kann die BBL dies nicht nutzen und hängt in punkto Bekanntheit, Popularität und Zuschauerzuspruch wohl hinter Fußball, Handball und Eishockey nur auf Platz 4 der Mannschaftssportarten.

Daher sollte man sich intensiv dem großen “Warum” widmen.

Zuerst einmal wäre da der Punkt der sportlichen Qualität des deutschen Basketballs. Dass grundsätzlich bei den deutschen Spielern eine gewisse Basis da ist, ist unbestreitbar. Denn sonst schlägt man nicht, wie gerade geschehen, den Europameister Russland, erreicht – nicht nur wegen Nowitzki – ein WM-Halbfinale.
Die Kritik eines Jan-Hendrik Jaglas, die dieser in der Sport Bild geäußert hat, verhallt aber dann doch nicht ungehört. Das Spielniveau sei simpel, auf Einzelkönner ausgerichtet und wenig auf Spielsysteme gemünzt. Dies soll nun erstmal dahin stehen, aber sein Ziel ist vielmehr ein weiterer Punkt, der offensichtlich ein Minuspunkt der BBL ist.

Die hohe Spielerfluktuation. In keiner anderen Mannschaftssport-Liga wechselt das Personal subjektiv gesehen so häufig wie in der BBL. Zum Teil werden ganze Mannschaften über den Sommer ausgewechselt. Selbst der spätere Deutsche Meister Oldenburg wechselte etwa vor der Meistersaison 2008/09 fast die halbe Mannschaft aus. Die Skyliners aus Frankfurt können zur Saison 2009/10 wieder mal sieben neue Spieler begrüßen. Bei einer Kaderstärke von zwölf Spielern sollte dies zu denken geben.
Dass dies weder dem Spielstil, den Automatismen noch der Fanidentifikation dient, sollte offensichtlich sein. Zumal es bei unbekannten Spielern sowieso schon schwierig ist, diese aufzubauen. Und dies ist der nächste Punkt.

Ein Mangel an Identifikationsfiguren. Fragt man in einer beliebigen deutschen Fußgängerzone sportinteressierte Menschen nach bekannten deutschen oder in Deutschland spielenden Basketballern, hört man oft außerhalb weniger Basketball-Hotspots nur die üblichen Verdächtigen und NBA-Stars Nowitzki und Schrempf.
Die BBL versäumt es, diese Figuren, über die sich ein Sport, eine Liga in der heutigen Mediengesellschaft vermarktet, zu schaffen, zu etablieren, bekannt zu machen, positiv aufzuladen – eben das übliche PR-Programm. Die Liga braucht Persönlichkeiten, wegen denen die Fans in die Hallen pilgern. Die Spiele prägen, deren Präsenz zu spüren ist. Das klappt nicht von heute auf morgen, aber es ist zwingend notwendig, hier in die Gesichter des Sports zu investieren.
In diesem Sinne ist es geradezu fahrlässig, dass die wenigen, ansatzweise bekannten Basketballer – die Spieler der deutschen Nationalmannschaft – wenige Wochen vor Saisonstart zu großen Teilen noch ohne Vertrag sind. Allein dies zeigt, in welchem Zustand sich der deutsche Vereinsbasketball befindet.
Es soll auch nicht so klingen, dass hier ein Deutschtümeln gefordert wird, dass einzig deutsche Spieler mit Nachnamen Müller, Schulz & Schmidt erfolgreiche Identifikationsfiguren darstellen können. Au contraire. Jahrelang identifizierten sich deutsche Basketball-Fans nur mit Ausländern – mit den Stars der NBA.
Ohne (regionale) Stars, ohne Identifikationsfiguren wird die BBL ein begrenzt erfolgreiches Phänomen bleiben. Hinzu kommt, dass die BBL bzw. deren Vereine oftmals selbst wenig Raum zur Identifikation bieten.

Die Sponsoren-Namen der Vereine sind allgegenwärtig, wechseln häufig und erschweren eine Identifikation mit der Mannschaft. EWE Oldenburg. Telekom Baskets Bonn. Ratiopharm Ulm. EnBW Ludwigsburg.
Will ich Fan einer Firma sein? Eines (gesichtslosen) Unternehmens?
Eigentlich will die BBL ja etwas verkaufen. Guten Sport, aber auch Emotionen, Träume, Identifikation. All dies wird durch von Sponsoren gekauften Vereinsnamen boykottiert. Die Chicago Bulls kennt jeder, kann sich etwas darunter vorstellen. Die starken Bullen. Aber EWE Oldenburg? Sei ein EWE? Was ist ein EWE? Wer will sich mit einem Stromanbieter identifizieren?
Kritisch wird es zudem, wenn dies kein langfristiges Engagement darstellt, sondern diese Sponsoren und damit auch der Vereinsname regelmäßig wechselt.
Es gibt nur wenige bekanntere Identifikationsfiguren unter den Spielern, es gibt kaum echte, tiefgehende Identifikation mit den Firmenvereinen. SAP in Hoffenheim und VW bei Wolfsburg halten sich im Fußball mit guten Gründen aus den Vereinsnamen raus.

Schließlich ist da noch der Punkt der TV-Präsenz. Natürlich kann man nicht erwarten, dass man Reichweiten und Programmflächen vergleichbar dem Fußball erhält. Das ist utopisch. Aber es gibt einen anderen Punkt, den die BBL beeinflussen kann – die Konstanz der Berichterstattung. Die BBL sucht derzeit ihren vierten TV-Partner in den letzten zehn Jahren. Nach dem DSF, PREMIERE und zuletzt sportdigital steht bis heute noch nicht fest, auf welchem Sender die neue Saison zu sehen sein wird.
Das ist nicht hilfreich für Fans, für potentielle Zuschauer, für die Sender, für die Sponsoren.

Die BBL muss ihr Produkt in den Griff bekommen. Auf dem Feld und abseits des Feldes. Es muss Konstanz und absolute Professionalität hinein, in die Mannschaften, in die Liga, in die TV-Situation, in die Vermarktung. ALBA Berlin darf da nicht eine Ausnahme sein, sondern muss die Regel werden.
Es müssen Spieler gefördert werden, die auch wirklich langfristig in der Liga, bei den deutschen Vereinen spielen wollen.

Die Konsequenz ist sonst klar. Eine Sportart, die bei vielen jungen Sportfans noch beliebter als Fußball ist, die telegener als das oftmals unübersichtliche Handball und Eishockey ist, droht trotz dieser optimalen Voraussetzungen Gefahr zu laufen, nicht vom vierten Platz der Mannschaftssportarten wegzukommen.

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