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Bruchhagen schießt gegen den Falschen

10. August 2009, 16:35 · 5 Kommentare

Letzte Woche gab der Manager der Frankfurter Eintracht, Heribert Bruchhagen, der Franfurter Rundschau ein Interview. Überschrieben war es schon mit einem Kernpunkt des Interviews. “Gegen Pocher? Da höre ich lieber auf”, heißt es da. Nicht ganz einverstanden ist er mit dem Sommerpausen-Kick des FC Bayern gegen eine Promiauswahl, angeführt von Oliver Pocher.

Leider vertut sich Herr Bruchhagen da etwas mit seiner Kritik.

Ziel seiner Kritik ist der FC Bayern, natürlich, wie so oft, reduziert auf die Person des Managers, Uli Hoeneß. So heißt es:

Wenn wir die Chance hätten, vor 45.000 Zuschauer gegen eine Pocher-Elf zu spielen mit Calmund an der Linie, dann würde ich das ablehnen. Und selbst wenn der Eintracht da 300.000 Euro durch die Lappen gehen würden. Das wäre mit Eintracht Frankfurt nicht zu machen. Da höre ich lieber auf. Das ist eine Räuberpistole. Einfach nur peinlich. Und dass die Bayern sich für so etwas hergeben, das kann ich nicht verstehen. Das passt nicht zu Uli Hoeneß. Das werde ich ihm auch noch sagen.

Wenn Bruchhagen dies Hoeneß tatsächlich noch sagen wird, kann ich mir gut vorstellen, wie die Antwort lautet.
Das Pocher-Spiel wurde oft kritisiert, von (Bayern-)Fans, von Louis van Gaal, der mit seiner Bemängelung der überdehnten Vorbereitung wohl auch diesen Jux-Abstecher gen Gelsenkirchen meinte.

Doch dieses Spiel taugt gerade nicht als Beispiel für eine unverantwortliche Planung seitens Hoeneß, die nur Gewinnmaximierung in der Vorbereitung zum Ziel habe. Dazu muss man beachten, wie der Pocher-Kick überhaupt zustande kam. Das Spiel lief ja auch unter dem Namen “McFit Allstars gegen FC Bayern München”. McFit trat hierbei aber nicht als bloßer Sponsor des Spiels auf. Der Hintergrund ist ganz einfach, etwa auf der Internetseite der Veranstaltung stand vor dem Spiel (derzeit noch per Google Cache einsehbar, aber auch an anderen Stellen zu finden):

Während der großen ZDF-Spendengala “Ein Herz für Kinder” Anfang Dezember 2008 hat McFit den FC Bayern München für einen Tag ersteigert.

Der siegreiche Bieter hat dieses Spiel nun nicht so, wie sich Uli Hoeneß das wohl gedacht hat, genutzt und seine Theken- oder Dorfmannschaft antreten lassen. McFit strickte zusammen mit Sat 1 ein TV-Format darum.

Das einzige, was man Uli Hoeneß hier vorwerfen kann, ist, dass er in seiner vielleicht naiven Wohltätigkeit vergaß, dass im besten Guerilla-Marketingstil eine Firma aus Werbezwecken dieses Spiel ersteigern könnte und man dies nicht vertraglich ausschloss.
Aber nicht, dass Hoeneß aus Geldgier zu einem Blödelspiel angetreten sei. Denn gerade für den Pocher-Kick sah der FC Bayern keinen müden Euro.

Tags: Sport

Bisher 5 Kommentare ↓

  • 1 Stadtneurotiker // 10. Aug 2009 um 17:18

    Bruchhagen hat sich in den letzten Jahren zum legitimen Nachfolger von Willi Lemke aufgeschwungen.
    Ärgerlich ist auch, daß vonseiten der Fragesteller nicht nachgehakt wurde, wo doch ständig vom Geld die Rede war…

  • 2 zechbauer // 10. Aug 2009 um 22:27

    Bruchhagen…. ohmann… da hör ich gar nicht mehr zu.

  • 3 Enno // 11. Aug 2009 um 17:50

    Danke für die Hintergrund-Information. Mir war der ganze Event so zuwider, dass ich da gar nicht nachgehakt hätte.

    Und es ist schon interessant, dass der Uli (oder Rechtsabteilung des FCB) soetwas nicht hat ausschließen lassen.

  • 4 Chucky // 16. Aug 2009 um 3:03

    Rechtsabteilung hin oder her, man muß schon sagen, daß dort richtig viel Geld für “Ein Herz für Kinder” gesammelt wurde.

    Da es sich um eine “Springer-Stiftung” handelt, sei ausnahmsweise mal die BILD zitiert:

    “Die Fitnesskette „McFit“ hat den FC Bayern ersteigert. Für eine Million Euro zugunsten der BILD-Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“!”
    +
    “Der finanzielle Gewinn des Spiels im August (Ort noch offen) geht ebenfalls an „Ein Herz für Kinder“.”

    http://www.bild.de/BILD/news/einherzfuerkinder/2009/03/07/mcfit/ersteigert-fc-bayern.html

    Der Hoeneß lehnt sich ja oft weit aus dem Fenster, aber daraus kann man ihm nun wirklich keinen Strick drehen, wenn 1Mio+X als Spende heraus kommt.

  • 5 Dülp // 18. Aug 2009 um 23:54

    In dem Punkt kann man Bayern ja durchaus Sympathiepunkte geben. Aber den restlichen Testspielkran verstehe ich nicht. Einen Tag vorher ging es gegen Köln. Vier Tage vorher gegen Stuttagrter Kickers. Gestern gegen Görlitz. In einer Woche gegen Union Berlin. So sozial das insgesamt anmutet, für den sportlichen Erfolg ist das nicht förderlich und ich kann es nicht nachvollziehen, dass man für solche Spiele die systematische Vorbereitung unterbricht.

    Bruchhagen übrigens mag sich in der Aussage verrannt haben, aber das Interview insgesamt fand ich mal wieder großartig. Er ist einer der ganz wenigen, der unbequeme Wahrheiten konsequent ausspricht und dies mit Fakten belegt, die so kein anderer rauslässt.

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