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Das Konzept der Skybox

28. Juli 2009, 11:13 · 15 Kommentare

Für viele ist der Gedanke an einen sogenannten Zwangsreceiver eines Pay TV Anbieters ein Albtraum. In kaum einem europäischen Land nutzen so viele Kunden für die Entschlüsselung CI-Module und eine breite Auswahl an Receivern wie in Deutschland. Entsprechend dürfte der deutsche Markt nun vor einem kleinen Kulturschock stehen. Denn was schon lange unter der Hand bekannt war, ist nun offiziell. Sky führt in Zusammenarbeit mit Pace auch in Deutschland die in Großbritannien und Italien bekannten Skyboxen ein.

Hierzu Auszüge der Pressemitteilung von Pace:

German payTV operator Sky has selected Pace plc’s high definition (HD) technology for its set-top box deployments in Germany and Austria. This deployment of Pace set-top boxes, rolling out from August 2009, will support Sky’s HD expansion plans across its territories.

Designed by the Pace Industrial Design team to reflect today’s trends in consumer electronics equipment, the DS830 was built to meet Sky’s requirements and to deliver maximum functionality.

At the front-end, the fully DVB compliant DS830NP includes one DVB-S2 tuner and one demodulator. It incorporates NDS conditional access and Fusion middleware and has an external power supply unit to reduce box size.

Bei dem Pace DS830NP handelt es sich um einen HD-Receiver ohne Festplatte, einen sogenannten HD-Zapper. Die Festplattenvariante, der TDS865NSD, wird voraussichtlich ab Ende des Jahres verfügbar sein (letzteres ist aber noch nicht offiziell).
Mittelfristig werden diese zwei Receiver allen (Neu-)Kunden ins Wohnzimmer gestellt, auch wenn man andere, offiziell zertifizierte Receiver auch weiterhin akzeptiert. Im Rahmen des Subventions- und Leihprogramms von Sky wird es aber allem Anschein nach nur noch diese zwei Geräte geben.

Was macht nun das Konzept der Skybox aus?

Da ich einige Zeit einen Vorgänger dieser Box, den Pace DS430N, besitze, den man für Sky UK nutzen kann, möchte ich nun in der Folge ein paar Merkmale darstellen, die weltweit bei allen Skyboxen vorzufinden sind.

Das offensichtlichste ist zunächst die feste Kanalliste. Auf Kanalplatz 101 ist BBC1, auf Kanalplatz 106 ist Sky One, auf 401 Sky Sports 1 - und zwar ausnahmslos bei allen britischen Kunden. Dies beschränkt die Individualität des Kunden, der seine Favoriten möglicherweise gerne alle zusammen und weit vorne anordnen möchte. Der die nicht abonnierten Kanäle ganz verbannen möchte.
Es hat aber auch Vorteile, sowohl für den Zuschauer wie auch den Pay-Anbieter.

Zunächst ist da mal der Vorteil für Sky selbst. Beim Zappen kommt der Kunde unweigerlich an Kanälen vorbei, die er nicht abonniert hat. Dabei wird ihm dann direkt eingeblendet, was er dort jetzt sehen könnte - und eine Telefonnummer, um sein Abo zu erweitern. Ein weiterer Vorteil ist, dass die populärsten Sender über das ganze Spektrum der Kanalliste verteilt werden, somit werden auch kleinere Sender eher wahrgenommen. Unzählige wissenschaftliche Unterschungen haben ergeben, dass Sender, für die man nur einen Druck auf der Fernbedienung braucht, häufiger eingeschaltet werden. Dies umgeht die Skybox, da man allen Sendern eine dreistellige Nummer verpasst. Der Vorteil der ARD, von fast allen auf die Eins gelegt zu werden, ist bei Skyboxen dahin, auch wenn man hier ebenso den ersten Platz erhält - jedoch eben die 101.

Aber auch für die Kunden hat diese feste Kanalliste Vorteile. Die Box ist eine Plug & Play Geschichte, einstecken, fernsehen. Die Zeit, die vom Anschluss bis zur Betriebsbereitschaft vergeht, ist auf ein Minimales reduziert. Vergeht bei anderen Boxen mal gerne eine Viertelstunde, bis der Kanalsuchlauf abgeschlossen ist, und dann noch mal locker soviel, bis die Kanalliste fertig sortiert ist, ist all dies bei der Skybox nach einer Minute beendet. Und diese Minute wird sogar nur dafür verwendet, um die EPG-Daten zu laden.
Ein weiterer Vorteil ist die automatische Aktualisierung bei Frequenzwechseln und Programmaufschaltungen. Nie mehr Programmsuchlauf, nie mehr den neuen Transponder des Lieblingsprogramms suchen. Die notwendige Wartung und Pflege des Geräts durch den Zuschauer geht bei der Skybox gen Null. Gerade für technische Laien ist dies ein enormer Schritt nach vorne.

Die feste Kanalliste hat auch Vorteile in der Programmbewerbung. Heißt es bisher etwa “Formel 1 auf Sky Sport 2″, so wird dies in Zukunft anders aussehen - “Formel 1 auf Sky Sport 2, Programmplatz 402″. Die Suche nach dem Sender in der langen Programmliste wird damit umgangen.

Aber nicht nur die feste Programmliste macht die Skybox aus. Wichtig ist auch die eingesetzte Middleware. Alle Boxen, auch wenn sie von verschiedenen Herstellern produziert werden, verfügen über eine einheitliche Software, auf der die von Sky bereitgestellte Oberfläche läuft. Bei den deutschen Boxen kommt NDS Fusion zum Einsatz, eine Neuentwicklung der News Corp Tochter und Nachfolger von Media Highway.
Alle von Sky eingesetzte Boxen sehen damit für den Kunden absolut gleich aus, bedienen sich identisch und funktionieren sehr ähnlich. Eine enorme Vereinfachung für Kunden und Kundenservice. Die Schulung des - oftmals überforderten - Hotlinepersonals kann damit auf wenige Boxen reduziert werden.

Der elektronische Programmführer, der EPG, wird bei den Skyboxen nicht von den einzelnen Sendern, sondern zentral von Sky mit Programminfos versorgt. Ein mühsames Laden der Daten auf jedem einzelnen Transponder ist damit nicht mehr nötig. Die Box aktualisiert sich automatisch mit den aktuellen Programmzeiten, somit sind die Informationen für alle Sender immer mit dem Einschalten direkt verfügbar.

Interaktive Spielereien dürfen dann natürlich auch nicht fehlen. Als da wäre der Red Button. Die Skybox verfügt, anders als die bisherigen Premiere-Boxen, nicht über eine Options-Taste für Videooptionen, etwa für die Einzelspiele im Fußball. Dies wird hier über interaktive Anwendungen realisiert, die über den roten Knopf auf der Fernbedienung gestartet werden.
Die ist etwa vergleichbar mit der Formel-1-Anwendung, die es mal auf der alten dbox gegeben hat.

Ein gutes weiteres Feature ist die Timer-Setzung bei Trailern. Im Programm tauchen oftmals Trailer mit Programmhinweisen auf, in der oberen Ecke blendet sich dann die Aufforderung ein, per grünem Knopf einen Timer zu setzen, womit kein Umweg mehr über den EPG nötig ist.

Andere in der Skybox realisierte Anwendungen, etwa der Push-VOD-Service (in UK heißt dieser Sky Anytime) oder Serienlink, mit dem man mit einem Knopfdruck alle Folgen einer Serie programmiert und die auch automatisch Verschiebungen registriert, werden erst mit dem Festplattenrekorder relevant.

Unter dem Strich erleichtert die Skybox besonders dem Techniklaien die Nutzung des Pay-TV-Angebots enorm. Diese Vorteile wiegen die Nachteile der festen Kanalliste wohl für die breite Masse auf.

Tags: Medien · TV

Bisher 15 Kommentare ↓

  • 1 sotr // 28. Jul 2009 um 11:58

    Und was macht man dann wenn man ab Ende 2009 auch die HD+ Programme: RTL, Sat.1, ProSieben, VOX und kabel eins über eine SKYBOX empfangen will??? CI oder CI+ Slots für eine weitere Karten haben die BOXEN dann eher nicht oder irre ich mich? sotr_

  • 2 RealityCheck // 28. Jul 2009 um 14:23

    Sky hat offiziell erklärt, dass man ein Interesse daran habe, dass die Sender von HD+ ihren Kunden freigeschaltet werden könnten.

    Dies wird aber - wenn - mit Sicherheit nicht über CI-Module oder ähnliches passieren. Die Missachtung von CI-Slots, -Modulen und ähnlichem gehört bei Sky weltweit zur Strategie.

  • 3 Chucky // 29. Jul 2009 um 16:24

    Sehr interessanter Beitrag.
    Kann es sein, daß die meisten Vorteile/Features der skybox auch mal auf das System der d-box eines Herrn Kirch zugetroffen haben bzw. zutreffen hätten sollen.

    Auch wenn man die Aufteilung beim Filmpaket sieht (action, Comedy…), denke ich oft, vielleicht war der Kirch doch nicht so auf der falschen Spur, nur die Zeit war noch weniger Reif dafür, als Heute.

  • 4 Thomas // 29. Jul 2009 um 17:17

    Kann denn deine Box DiseqC? Wieviele “non-Sky”-Kanäle kann man hinzufügen?

    Nein, ich plane noch immer nicht, mit ein Sky-Abo zuzulegen, aber in deinem Werbetext fehlen Fakten ;-)

  • 5 Paddie // 31. Jul 2009 um 15:24

    sag mal, stimmt es, dass du Geld von Sky bekommst. Wenn man diesen Text liest, kommt man dann auf andere Gedanken, denn die Argumentation mit festen Programmplätzen so etwas von einseitig und an den Haaren herbeigezogen. Dies hat Null-Komma-Null Vorteil für jeden normalen Kunden.

  • 6 RealityCheck // 31. Jul 2009 um 16:31

    @Thomas:

    Ich hab’ wie gesagt nur ‘ne alte, und die konnte noch kein Diseqc. Wie es mit den aktuellen aussieht, weiß ich nicht.

    @Paddie:

    Leider nein. ;)

  • 7 chieff // 1. Aug 2009 um 11:40

    Also ich bekomme warscheinlich eh keine neue Box, da ich meinen Vertrag vor etwas mehr als einem Monat noch bei “Premiere” verlängert habe.

    Ich bin mit meiner Humax Box zufrieden. HD ist für mich eh noch nicht so wichtig, da ich nicht auf eine Festplatte verzichten will…

    Und Kabelboxen mit HD und Platte gibts nicht oft… wenn überhaupt. Daher bleibe ich bei der alten.

  • 8 Cesc41 // 2. Aug 2009 um 15:06

    Und wie sieht es bei den sky Boxen mit verschiedenen Sat-Orbitationen aus (Astra 28,5, …). Ich meine es gibt noch einige nicht besetzte Programmpläzte. Oder geht da bei der sky Box nix?! ICH WILL auch SkySports :-D btw: Ist ja ein cooles feature, dass man hier Kommentare noch ändern kann. Sollte dogfood auch mal einführen.

  • 9 RealityCheck // 3. Aug 2009 um 9:05

    Grundsätzlich gibt es zu den Fragen nach Diseqc, freien Programmplätzen, CI-Modulen & Co. ‘ne einfache Antwort:

    Wer mehr als einen Satelliten oder andere Pay-Angebote als Sky Deutschland empfangen will, sollte die Finger bloß von ‘ner deutschen Skybox lassen. Dafür ist die nicht gedacht.

  • 10 Snorre1 // 3. Aug 2009 um 17:45

    ja wie…? kann ich dann überhaupt keine Sender merh nach meinem Gusto anlegen? Ich kenn das noch von Premiere so dass ich trotzdem meine Sender ordnen konnte nur ab Sender 101 haben dann die von Premiere begonnen

  • 11 RealityCheck // 3. Aug 2009 um 20:47

    Wenn es so wie in UK und Italien gemacht wird, dann nein, dann kannst Du in der regulären Programmliste keine eigenen Sender mehr anlegen.

  • 12 DonkeyMoon // 4. Aug 2009 um 8:49

    Die feste Programmliste wäre wirklich ein Kulturschock. Mal sehen, ob sky das durchdrückt. Spricht ja nichts dagegen, automatisch die hinteren Plätze ständig zu aktualisieren, aber gar keine eigene Liste? Keine Favoriten? Gar nichts? Die genannten Vorteile für sky ergäben es ja auch, wenn (wenigstens) die ersten 99 frei zur Verfügung stünden. Ähnliches kennt der sky-Zuschauer heute schon.

    Der “Luxus-EPG” dagegen klingt doch gut.

    Mal etwas off-topic:

    Die BBC bietet ebenfalls den “Red Button”. Welche Plattform nutzen die eigentlich? Auch NDS?

  • 13 RealityCheck // 4. Aug 2009 um 11:11

    Die Chose ist etwas kompliziert. ;) Man muss zwischen der Middleware und der Software für interaktive Anwendungen unterscheiden.

    Die UK-Skybox läuft für die interaktiven Anwendungen auf Open TV. Dies nutzt dann (zwangsläufig) auch die BBC.

    Freesat und Freeview dagegen nutzen hierfür MHEG. Deswegen muss über Sat inzwischen BBCi in beiden Varianten bereit gestellt werden.

    http://www.bbc.co.uk/blogs/bbcinternet/2008/05/bbci_on_freesat.html

  • 14 DonkeyMoon // 13. Aug 2009 um 9:05

    Ehe ich es komplett verschwitze: Danke für die Infos. Interessanter Link, demnach muss die BBC sogar drei Varianten erstellen. (”technical differences between Freeview and Freesat”) Auf die Sky-Basis kann sie über Sat wohl kaum verzichten, obwohl die sicher gern würde.

    Zurück zum Thema:
    Sollte es sich bei der Box um die “Sky HD 1″ handeln, beherrscht die tatächlich DiSEqC.

    http://www.sky.de/web/cms/de/kundencenter-infos-receiver-sat-sky-hd-1.jsp

    Außerdem gibt es 99 Favoritenplätze.

  • 15 RealityCheck // 13. Aug 2009 um 10:26

    Japp, das ist sie.

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