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Eurosport - Inhalte Top, Technik Flop

26. Juli 2009, 18:46 · 4 Kommentare

Es ist und bleibt ein Ärgernis. Der europäische Sportsender Eurosport bietet auf seinen inzwischen drei in Deutschland empfangbaren Sendern ein breites Sportprogramm, das in dieser Vielseitigkeit weder bei Sky Sport noch erst Recht nicht im Free TV zu finden ist. Ob Fußball aus der ganzen Welt, diverser Motorsport, aber auch Randsportarten wie Bowling, Lacrosse und gar Cheerleading - auf der Senderfamilie finden europäische Sportfans ein unglaubliches Angebot.

Leider jedoch hält die technische Seite schon seit Jahren nicht mit dem gebotenen Inhalt mit. Besonders über Satellit leistet man sich unnötige, vermeidbare Fehler. Auf wiederholte Anfragen per Mail reagiert man diesbezüglich auch nicht.

Das größte Ärgernis ist und bleibt die Sat-Zuführung des Hauptprogramms, Eurosport, über Astra 19.2° Ost. Seit dem Beginn des Jahres 2006 wurde Eurosport nicht mehr digital vom ZDF verbreitet, da dies gemäß Rundfunkstaatsvertrag nicht mehr zulässig war. Also musste Eurosport selbst für eine digitale Ausstrahlung sorgen. Das Ergebnis war eine Katastrophe.

Anstatt für eine professionelle, digitale direkte Zuführung aus dem Sendezentrum auf den Astra-Satelliten zu sorgen, wurde das analoge Signal von Eurosport abgegriffen, digitalisiert und dann auf den Satelliten geschickt.
Der deutsche Zuschauer bekam damit über Digitalsat ein verwaschenes, unscharfes Bild, das absolut nicht dem technischen Standard entspricht. In etwa als ob man für eine DVD eine VHS-Kasette als Masterband hätte. Gerade auf modernen Flachbildschirmen, die jedes schlechte Bildmaterial erbarmungslos offenlegen, kann man sich heutzutage das Eurosport-Hauptprogramm kaum ansehen.

Hinzu kommt, dass man die Vorteile des digitalen Empfangs damit vollkommen außer Acht lässt. Es gibt weder Sendeinformationen per EPG noch ein anamorphes Breitbildformat (obwohl Eurosport seit einiger Zeit in 16:9 produziert wird).

War man zu Anfang noch der Hoffnung, dass diese Ausstrahlungsvariante per analogem Abgriff nur eine Notlösung sei, muss man nach dreieinhalb Jahren leider davon ausgehen, dass sich hieran von alleine nichts ändern wird. Dass es anders geht, sieht man im digitalen Kabel, wo es sowohl eine digitale Zuführung wie auch einen EPG gibt.

Aber auch bei Eurosport 2 gibt es technische Mängel beim Satempfang, der den Genuss des hervorragenden Programms behindert. Alle drei, vier Minuten treten Störungen in Bild- und Ton auf, die offensichtlich vor oder bei der Zuführung zum Sat-Uplink (ORS) einfließen. Die Bild-Störungen erstrecken sich nämlich nicht auf die “schwarzen Balken” bei Pillarbox-Ausstrahlungen. Besonders nervend sind aber die Tonstörungen, wenn alle paar Minuten der Kommentar für eine Sekunde aussetzt.
Signalschwankungen sind hierfür nicht verantwortlich - dies erkennt man an den Signalstärke- und qualitätanzeigen des Receivers - ebenso können Fehler bei der Verschlüsselung ausgeschlossen werden, da die Aussetzer bei Nutzern aller drei Verschlüsselungssysteme Nagra, Videoguard (Sky) und Cryptoworks (arenaSAT) auftreten.
Im Kabel treten diese Störungen erneut nicht auf.

Leider weist auch das neueste “Kind” der Familie, Eurosport HD, technische Mängel auf. Allerdings sind diese im Vergleich zu den Problemen der normal aufgelösten Programme fast vernachlässigbar. Hierbei handelt es sich inzwischen nur noch um die fehlenden Programminfos per EPG, die auch hier nicht zur Verfügung gestellt werden. Dennoch, EPG-Informationen sind heutzutage eigentlich Standard.
Das Problem des extrem asynchronen Tons, als man etwa beim Turmspringen den Eintaucher des Springers fast eine Sekunde vorher schon gehört hat, wurde zum Glück vor etwa einer Woche behoben.

Es ist schade, dass einem inhaltlich so guten Programm wie Eurosport die technische Seite der Sendeabwicklung so dermaßen egal zu sein scheint, dass diese Mängel, die zum Teil schon seit über drei Jahren für jeden klar ersichtlich sind, nicht behoben werden. Offenbar gibt man sich damit zufrieden, das fertige Fernsehprogramm irgendwo abzuliefern und schaut nicht, was die jeweiligen technischen Dienstleister damit dann anstellen und wie das Programm dann beim Zuschauer letztlich ankommt. Man ist aus anderen Ländern wohl gewohnt, dass die Plattformbetreiber diese Arbeit selbstständig erledigen. In Großbritannien bei BSkyB gibt es eine digitale Zuführung von Eurosport, dieses Programm ebenso in 16:9, einen EPG für alle drei Programme. Aber dies übernimmt dort auch alles Sky.

Liebes Eurosport. Euer Programm ist Top, die technische Abwicklung über Sat ist aber leider ein Flop. Das habt Ihr und Eure Zuschauer nicht verdient. Das sollte den Entscheidern in Paris nicht egal sein.

Tags: Medien · Sport · TV

Bisher 4 Kommentare ↓

  • 1 nona // 26. Jul 2009 um 19:42

    Ich ergänze mal um meine Vergleichserfahrungen mit dem “dritten” Verbreitungsweg: IPTV, in meinem Fall via T-Entertain. Dort erhältlich sind Eurosport (im Basispaket) und Eurosport 2 (im Premiumpaket).

    IPTV in dieser Form hat technologisch das Grundproblem niedrige Datenrate, die ähnlich der von DVB-T ist (und es deswegen falsch ist, wenn sie mitunter mit DVD-Qualität verglichen wird), und erneute Rekomprimierung des Signals nach der Abgreifung und vor der Einspeisung. Besonders letzteres ist im Fall von Eurosport problematisch - das Bild ist mitunter so verwaschen und artefaktbelastet, dass man Vergleiche mit Youtube ziehen möchte. Eurosport gehört im IPTV-Bouquet zu den unansehnlichsten Sendern. Besonders Sportarten mit kleinen Objekten (Tennis, Golf) haben darunter zu leiden, denn der Ball verschwindet häufig komplett in schlierigen Kompressionsartefakten. Andere Sender haben dieses Problem nicht, da deren Signal wesentlich direkter angeliefert wird (DSF z.B., das im Vergleich geradezu brilliant aussieht).

    EPG-Probleme gibt es grundsätzlich keine, das Programm wird einigermassen genau gelistet. Probleme gibt es erst bei sehr kurzfristigen Änderungen bzw. Verschiebungen oder Verlängerungen, wenn sich dadurch die immer erstmal am EPG orientierende Aufnahmefunktion ins Knie schiesst.

    Asynchroner Ton ist ein grundsätzliches technisches Problem bei IPTV, das temporär auftritt (und verschwindet) und bei einigen Zehntelsekunden Unterschied natürlich spürbar und störend ist. Kann man aber Eurosport nicht anlasten, das gibt’s auf allen Sendern.

    Wie andernorts auch ist das IPTV-Eurosport nach wie vor komplett in 4:3 gehalten, ganz im Gegensatz zu Eurosport 2, das seit einigen Wochen komplett in 16:9 ausgestrahlt wird. Seitdem ist auch die Bildqualität deutlich besser als vorher, vermutlich hat sich die Signalanlieferung zum Besseren geändert.

  • 2 chieff // 26. Jul 2009 um 21:45

    Richtig guter Artikel !!!

    Eurosport ist der einzige Sender, der den Namen Sport noch verdient.

    Sie müssen an der Technik noch arbeiten, keine Frage. Es ist aber ein gutes Zeichen, dass es bei Sky nun Eurosport HD gibt…

    Ich blicke da positiv in die Zukunft.

  • 3 Chaos // 28. Jul 2009 um 0:40

    @nona stimmt Schwimmen ist wirklich nicht ertragbar über IP-TV, aber Europsort ist toll. ich guck seid Jahren, wenn ich die Wahl zwischen ARD/ZDF und Eurosport habe Eurosport :) (Tour de France, Olympia etc)

  • 4 Wolli // 5. Aug 2009 um 23:19

    Ich glaube,Eurosport wird da auch nichts machen,denn so treibt man ja die Zuschauer zum Bezahl HD Sender. Ausserdem ist Eurosport Deutschland so ziemlich der letzte frei empfangbare Eurosport Ableger in Europa,da kann man nun wirklich nicht in digitalem 16:9 rumsenden. Meine Meinung,alles Absicht von Eurosport. Man könnte ja schon in 16:9 machen,aber man will nicht. Dass es geht,zeigt Eurosport 2.

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