Noch zwei Wochen, dann geht es endlich wieder los. Zeit für eine mehrteilige Saisonvorschau auf die neue Bundesliga-Saison. Zuerst nun der Blick auf das vermutete untere Drittel, den Abstiegskampf. Wie immer natürlich vollkommen subjektiv und spekulativ.
Die üblichen Verdächtigen dürfen da natürlich nicht fehlen - die Aufsteiger. Anders als in der vorherigen Saison mit den Hoffenheimern fällt es schwer, hier eine positive Überraschung zu finden. Weder dem Zweitligameister SC Freiburg, dem zweiten FSV Mainz 05 noch dem Relegationsaufsteiger 1. FC Nürnberg traut man auf den ersten Blick mehr als bloßen Abstiegskampf zu.
Die Badener aus Freiburg haben einen enormen Rückschlag in der Vorbereitung erlitten, als Topabwehrtalent Ömer Toprak sich bei einem Kart-Unfall schwere Verbrennungen zuzog. Der etwa von Jürgen Kohler als größte deutsche Abwehrhoffnung bezeichnete Innenverteidiger kämpft derzeit in einer Spezialklinik um seine Karriere, der SCF plant erwartungsgemäß vorher nicht mit ihm.
An Zugängen kann man bisher etwa mit Cedric Makiadi, Du-Ri Cha und Stefan Reisinger Spieler verzeichnen, die letzte Saison in der 2. Liga in ihren Mannschaften positiv herausstachen. Besonders auf den von Wolfsburg geholten, in der letzten Saison an Duisburg ausgeliehenen Makiadi darf man gespannt sein, der schon in so manchem Kurzeinsatz für den späteren Deutschen Meister sein Können hat aufblitzen lassen. Nun muss der kongolesische Nationalspieler, der dem DFB durch die Lappen gegangen ist, den nächsten Schritt machen und sich in der 1. Liga etablieren. Ob es die Mannen von Robin Dutt, der mit dem Aufstieg den ersten Schritt aus dem enormen Schatten von Volker Finke machen konnte, auch schaffen, bleibt abzuwarten. Die Mannschaft blieb - bis auf den Ausfall von Toprak - im Großen und Ganzen zusammen und wurde durch ein paar Zweitliga-Kräfte ergänzt. Enorme Qualitätssprünge zur Vorsaison im Kader sind aber nicht erkennbar.
Die Mainzer stiegen zum zweiten Mal in ihrer Vereinsgeschichte ins Oberhaus auf. Anders als bei der ersten Stippvisite, noch unter der lokalen, sakrosankten Kultfigur Jürgen Klopp, herrscht diesmal eine gestiegene Ernsthaftigkeit im Umfeld. Wollte man damals die Zeit “nur genießen”, möchte man in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt sich dauerhaft oben etablieren. Das neue Stadion, welches nach einigem Streit etwa mit Anwohnern und Stadt nun erst zur Rückrunde 2010/11 fertig wird, möchte man schließlich nicht im Liga 2 einweihen.
Doch man muss den Abgang des Herzens der Mannschaft und überdurchschnittlich viele Verletzungen verkraften.
Markus Feulner, Spielmacher und Ideengeber des Aufsteigers, folgt mit einem Jahr Verspätung dem Ex-Coach Klopp nach Dortmund.
Gute, bezahlbare Spielmacher sind spärlich gesät, daher sollen drei neue Spieler diese Lücke schließen. Der ehemalige Juniorennationalspieler Eugen Polanski kam vom spanischen Erstligisten Getafe, fällt aber für den Saisonstart verletzt aus. Ebenso ist der zweite Ersatzmann im Mittelfeld, Filip Trojan, nicht einsatzfähig. Der 26jährige Tscheche, der seine Deutschland-Karriere bei Schalke 04 startete, wird vor September kaum den Konkurrenzkampf im Mainzer Mittelfeld aufnehmen können.
Angesichts dieser Umstände war die Verpflichtung des ehemaligen österreichischen Nationalmannschaftskapitäns Andreas Ivanschitz doppelt wichtig. Bei Panathinaikos zuletzt nur Ersatz, bringt er eine offensive Qualität in den Karnevalsverein, die im Abstiegskampf so manchen überraschenden Punktgewinn sichern könnte. Der ägyptische Neuzugang im Sturm, Gamal Hamza, gehört in die Schublade “Wundertüte”, wird angesichts der Verletzungen von Srdjan Baljak, Felix Borja und Chadli Amri aber wohl früher als geplant seine Chance bekommen. The one to watch beim FSV ist Aristide Bancé. Bei Stuttgart auf dem Zettel erwarten viele Großes vom Stürmer aus Burkina Faso.
Der dritte Aufsteiger im Bunde schaffte dies erst im Nachsitzen. In der neu eingeführten Relegation setzte sich der ehemalige Rekordmeister Nürnberg klar gegen Energie Cottbus durch.
Trat man mit dem auf dem Papier stärksten Kader der zweiten Liga an, stellte sich die Saison der Franken alles andere als souverän dar. Erst auf den letzten Metern konnte man sich den Relegationsplatz sichern - trotz einer Mannschaft bestückt mit Nationalspielern. Entsprechend sind auch nach dieser Durchgangssaison nur wenige Verstärkungen in den Kader notwendig. Der ausgeliehene Angelos Charisteas kam aus Leverkusen zurück, Thomas Broich von der anderen Rheinseite aus Köln. Weh tut dagegen der Abgang von Innenverteidiger Stefan Reinartz, der von Leverkusen zurückbeordert wurde.
Vom Selbstverständnis, vom Umfeld und auch vom Kader gehören die Nürnberger von den drei Aufsteigern am wenigsten in die 2. Liga. Nach Jahren des Fahrstuhldaseins fühlte man sich endlich wieder in der Bundesliga etabliert, gekrönt vom Pokalsieg in der Saison 2006/07. Es folgte der “Betriebsunfall” Abstieg in der Folgesaison, den man nun vergessen machen möchte.
Verkraften muss man aber auch den Abschied des langjährigen Präsidenten und Gönners, Teppichhändler Michael Adolf Roth, der sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden will. Durch seine zuweilen verschrobene, manchmal unglückliche Art im Zusammenspiel mit Medien, Öffentlichkeit und Untergebenen sorgte Roth für viel Unterhaltung und leichte Schlagzeilen, aber auch oft für Unruhe und Umstürze im Verein.
Jahr Eins nach Roth sollte aller Voraussicht nach nicht mit einem Abstieg enden.
Richtig eng dürfte es dagegen für den VfL Bochum werden. Konnte man sich in der Vorsaison schon nur knapp vor dem Abstieg retten, gibt es nun keinerlei Signale, dass sich die Situation in und um den Verein sich signifikant verbessert hätte. Ganz im Gegenteil, das volatile Umfeld, das sich in weiten Teilen nicht mit Trainer Marcel Koller anfreunden kann oder will, stellt eine enorme Hypothek dar. An substantielle Verstärkungen der Mannschaft war nicht zu denken, in der Breite hat man den Kader etwas ausgedünnt. Zumindest blieb die Mannschaft von schwereren Verletzungen in der Vorbereitung bisher verschont.
Ein perfekter Saisonstart erscheint als einziges Mittel, wie man sich frühzeitig eine gute Ausgangsposition im Abstiegskampf verschaffen könnte. Problem: In den ersten fünf Spielen trifft man viermal auf Mannschaften, die sich selbst im oberen Drittel der Liga verorten. Und sollte der worst case eintreten und man nach dem fünten Spieltag mit maximal drei Punkten auf der Haben-Seite dastehen, könnte die angeheizte Stimmung in der Kurve ihr übriges tun.
Im Abstiegskampf wiederfinden wird sich wohl auch Hannover 96. Statt den erhofften Schritt nach vorne schaffen es die Niedersachsen ein ums andere mal nicht, die Mannschaft in der Sommerpause substanziell zu verstärken, verbessert den Kader statt dessen hauptsächlich in der Breite. Hoffte man, diesen Schritt mit der Verpflichtung von Jan Schlaudraff vollzogen zu haben, stellt sich der ehemalige Nationalspieler aufgrund seines Gesundheitszustands als konstante Unkonstante dar. Mit Michael Tarnat und Valerien Ismael verabschiedete man zwei alte, erfahrene Spieler. Karim Haggui und Constant Djakpa, beide von Leverkusen gekommen, vermögen nicht den Eindruck zu erwecken, die Qualität der Mannschaft deutlich anzuheben.
Der große Kader quilt vor Mittelmaß über. Nationaltorhüter Robert Enke verfügt als einziger über gehobenes Niveau, Spieler wie Mikael Forssell, Jacek Krzynowek oder Leon Andreasen kamen beladen mit großen Erwartungen, konnten diese aber durch die Bank nicht erfüllen. Bei all diesen Transferaktivitäten an der Leine hat man das Gefühl, dass man nicht mit dem glücklichsten Händchen agierte. Es bleibt abzuwarten, ob sich dies in Zukunft unter dem neuen Sportdirektor Jörg Schmadtke ändern kann. Oder ob es schon zu spät war und man sich, trotz einem alles andere als schlechten Kader, auf einmal in Liga 2 wieder findet.
Dieter Hecking hat einiges zu tun, nochmal wird man sich eine solch katastrophale Auswärtsbilanz wohl nicht erlauben können.
Als letzten im Bunde des unteren Drittels muss man Eintracht Frankfurt nennen. Ein ähnlich empfindliches Umfeld wie in Bochum, trennte sich die SGE im Sommer vom bei vielen Fans unbeliebten Friedhelm Funkel, dessen Leistung, eine maximal durchschnittliche Mannschaft dermaßen lange im Oberhaus gehalten zu haben, wenig Würdigung erfuhr. Nun verantwortet Michael Skibbe das sportliche Tagesgeschäft, ein Trainer, der auch nicht gerade als Sympathieträger durchgeht.
Der Abgang von Michael Fink wird nicht einfach zu kompensieren sein, das unerfüllte Versprechen Caio fiel in der Vorbereitung zum wiederholten Male durch den Laktattest. Neuzugang und Raubein Maik Franz muss seine dauerhafte Bundesliga-Tauglichkeit nach dem KSC-Abstieg noch nachweisen, Pirmin Schwegler machte bei seinem Ex-Klub Leverkusen auch nur selten auf sich aufmerksam. Ein weiterer Neuzugang ist Selim Teber, ehemaliger Kapitän der Hoffenheimer und schon letzte Saison nur Teilzeitspieler beim Überraschungsaufsteiger.
Die größte Hoffnung der Frankfurter könnte der Österreicher Ümit Korkmaz darstellen, der große Teile der letzten Saison verletzt war, jedoch bei der Europameisterschaft im eigenen Lande zeigte, dass er einiges zu vollbringen vermag. Auch bei Martin Fenin hofft man auf den endgültigen Druchbruch und auf konstante Leistungen. Kann Skibbe diese aus diesen beiden herauskitzeln, gewinnt der Kader der Frankfurter deutlich an Qualität.
Natürlich finden sich in dieser Runde die üblichen Verdächtigen. Wie immer - und das ist das schöne am Fußball - kann alles innerhalb weniger Spiele Makulatur sein und ein unterschätzter Aufsteiger auf einmal Herbstmeister.
In den nächsten Tagen folgen die weiteren Teile der Saisonvorschau.

Bisher 3 Kommentare ↓
1 Malte // 24. Jul 2009 um 17:03
Du siehst Köln oder Gladbach stärker als Frankfurt oder Hannover?
2 RealityCheck // 24. Jul 2009 um 19:04
Ja. Ausführliche Begründung folgt, aber schon mal soweit:
Köln hat sich meiner Meinung nach personell deutlich verbessert, sollte daher - trotz schwieriger zweiter Saison nach dem Aufstieg - nichts mit dem Abstieg zu tun haben.
Gladbach wirkt auf den ersten Blick nach den Abgängen von Marin und Baumjohann zwar schwächer aus dem Mittelfeld, hat aber mit Bobadilla und Arango zwei unterschätzte Spieler geholt.
Aber ich gebe zu, ich hätte auch genauso gut Gladbach hier bei diesen sechsen nennen können, das sind nur Millimeter, die sie von Frankfurt und Hannover unterscheiden - hauptsächlich in Punkte Bereitschaft, den Abstiegskampf anzunehmen. Oftmals erwischt es ja eher Mannschaften, die sich weiter oben verorten.
3 sunny2k1 // 27. Jul 2009 um 15:53
Zur Eintracht:
Sehe ich auf einem Level wie Köln und Gladbach. Wieso? Langzeitverletzte wie Korkmaz, Armanatidis oder Spycher sehe ich definitiv die Eintracht besser als im letzten Jahr. Mag sein, dass Köln sich besser verstärkt hat, aber Maniche ist IMO über seinen Zenit und bei Poldi weiß ich nicht, ob er dem Druck standhalten wird.
Wenn Caio, wie von Skibbe angekündigt die Freiheiten im Mittelfeld bekommt und Meier mit Teber/Schwegler Caio abischern kann, wird er einschlagen. Er ist technisch beschlagen und - wenn er unter FF gespielt - immer einer der besseren gewesen.
Vielleicht könnte die Eintracht dieses Jahr die Überraschungsmannschaft werden und die Saison 2007/2008, in der man fast in den UEFA-Cup eingezogen ist. Ich würde meine Hand ins Feuer legen, dass die Eintracht dies 07/08 auch geschafft, wenn FF nicht dauernd betont hätte, dass man nicht soweit ist. Statt die Erfolgswelle weiter zu reiten, wurde die Leistungen kleingeredet. Die letztjährige Misere lag zum Teil auch am schlechten Abschneiden gegen Ende der letzten Saison. In den letzten 41 Spielen (saisonübergreifend) wurden von 123 insgesamt nur 37 (4 in 07/08 + 33 08/09)Punkte geholt. Das liegt - nicht nur - an der Mannschaft.
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