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Servus, Leichtfuß Lucio

16. Juli 2009, 13:05 · 4 Kommentare

Lucio ist weg vom FC Bayern, wechselt per sofort zu Inter. Nach den Entwicklungen der letzten Wochen war es absehbar, und - Emotionen außer Acht gelassen - kann man diesen Transfer mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen.
Die wenig intensive Bemühung des FCB, die Wechselgerüchte um seine Person zu zerstreuen, die der brasilianische Nationalmannschaftskapitän als persönliche Beleidigung aufgefasst haben muss oder will, musste man als solches Signal werten. Die dem Vernehmen nach feste Planung seitens des Neutrainers Louis van Gaal, nur mit einem rechtsfüßigen Innenverteidiger zu planen - mit Martin Demichelis, Daniel van Buyten, Breno und eben Lucio verfügte man hier über derer vier, als linksfüßige Innenverteidiger dagegen kann man nur den viel gelobten Nachwuchsmann Holger Badstuber und den Neuzugang Edson Braafheid verbuchen - all dies deutete auf einen Abschied des Weltmeisters hin.

Hinzu kommt, dass Lucio mit seinen 31 Jahren nicht mehr zu den jüngsten gehört und nur noch bis Sommer 2010 einen Vertrag beim Rekordmeister besaß - so konnte man zumindest eine Ablöse kassieren. Auch sportlich wuchsen die Zweifel am lange Zeit überaus beliebten Ex-Leverkusener.

Zu seinen zum Großteil kopflosen Offensivvorstößen verband viele Fans schon immer eine Hassliebe. Dieser unbändige Wille, ein Spiel zu gewinnen, aussichtslos erscheinende Situationen umbiegen zu wollen, das ist das Material, aus dem Vereinslegenden gestrickt werden. Die enorme Identifikation mit dem Klub, die beinahe bedingungungslose Aufopferung.
Auf der anderen Seite ließ sich Lucio mit seiner Spielweise selten bis gar nicht in ein festes Taktikkonzept pressen. Nicht selten folgten auf seine - man muss es so nennen - dummen, amateurhaften Ballverluste im Mittelfeld, die seiner mangelhaften Spielübersicht geschuldet waren, gefährliche Konter. Besonders bei Heimspielen vermochte es Lucio oft nicht, die richtige Balance und Dosierung in seinen Offensivbemühungen zu finden und trug damit sein Päckchen bei vermeidbaren Punktverlusten. Unbeherrschtheit in der Spielweise und im Auftreten gegenüber Schiedsrichtern und Gegenspielern, weshalb er zu oft am Rande eines Platzverweises tanzte, prägten seinen Stil.
Auch seine immer wieder öffentlich geäußerte Forderung nach einem unbestrittenen Stammplatz muss man Lucio auf der Minusseite anrechnen. Hier war es wohl tatsächlich besser, die Trennung angesichts des Überangebots zu vollziehen. Ein Lucio auf der Bank, das gehört wohl kaum zu seiner Karriereplanung.

In seinem eigentlichen Steckenpferd, der Abwehr, erfüllte er die Aufgaben bis zuletzt fast immer klar überdurchschnittlich. Man denke nur an so manche Strafraumgrätsche in letzter Sekunde, so manchen artistischen Klärungsversuch - sowas sieht man in der Bundesliga sowieso, selbst im Weltfußball nur noch ganz selten. Hier hat also der FC Bayern das größte Minus nun zu verzeichnen.

Auf die kopflosen Offensivverstöße des Leichtfuß Lucio kann der FC Bayern in Zukunft gut verzichten. Die Lücke, die aber der defensive Kämpfer Lucio hinterlässt, wird schon schwieriger zu stopfen sein. Mit Badstuber? Mit Braafheid? Es wird sehr spannend, wie die Münchner diese Baustelle beackern.

Tags: Bundesliga · Fußball · Sport

Bisher 4 Kommentare ↓

  • 1 nedfuller // 16. Jul 2009 um 14:10

    Und ich hörte es zwitschern, dass er zum HSV wechselt. Als Zé zu uns kam, war das Gerücht auch gleich da.

    Komisch, noch ein Brasilianer, der die deutsche Liga gen Italien verlässt.

  • 2 nona // 16. Jul 2009 um 14:21

    Das mit dem Auftreten und der Unbeherrschtheit fand ich jetzt spontan amüsant - Lucio ist ja sehr religiös und offenbar ein tief gottgläubiger Mensch. Witzigerweise stehen solche betreffenden Verhaltensweisen in komplettem Gegensatz zu sämtlichen christlichen Tugenden. Das hat mich immer an einen anderen Ex-Leverkusener erinnert, namentlich Heiko Herrlich, der ja ebenfalls bei vielen Gelegenheiten sein stark ausgeprägtes Christentum vor sich her trug, aber auf dem Platz häufig zum kompletten Gegenteil eines guten Christenmenschen mutierte und lieber üble Revanchefouls ritt und massig Schwalben hinlegte. Schon praktisch wenn man seine bigotten Sünden und unchristlichen Charakterschwächen einfach immer wieder neu wegbeichten kann…

  • 3 RealityCheck // 16. Jul 2009 um 15:34

    Ich möchte übrigens diesen Eintrag nicht als “Nachtreten” verstanden wissen. Ganz im Gegenteil. Ich habe Lucio immer eher gemocht, jedoch ist mir auch sein sportlicher Abstieg in den letzten drei Jahren nicht verborgen geblieben.

    Finde es im übrigen lustig, wie in so mancher Agenturmeldung nun “der Verlust des Abwehrchefs” der Bayern beklagt wird.

    Wenn man die Indizien richtig deutet, hätte er zwar einen Stammplatz gehabt - aber den eher auf den Lufthansa-Sitzen der Ersatzbank.

  • 4 Dale Cooper // 20. Jul 2009 um 15:00

    Sehr schön, dass Du den Weggang von Lucio hier thematisiert hast. Ich werde ihn vermissen. Ich halte ihn gerade auch nach den Leistungen der letzten Saison als kaum ersetzbaren Innenverteidiger und hätte einen Weggang von Demichelis vorgezogen. Dieser hat in meinen Augen deutlich zu viele Fehler in der Defensive gemacht, auch wenn er für einen Trainer universeller einsetzbar ist.
    Klar, die Vorstöße von Lucio waren teilweise echt zum Haare raufen, aber traurig, dass das Ende von ihm und Bayern den Anfang nahm, als er mit seinem Vorstoß die Brasilianer zum Confed-Cup-Sieg führte. Trotz seines Alters ein Verlust für die Bundesliga.

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