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Handauflegen allein genügt nicht

3. Mai 2009, 10:49 · Kein Kommentar

2-1 gewann der FC Bayern also gegen Borussia Mönchengladbach in Jupp Heynckes’ erstem Spiel. Mund abputzen, weitermachen, würde ein Oliver Kahn hier sagen. Pflichtaufgabe erfüllt, wobei man die Chance verpasste im Torverhältnis mit den Wolfsburgern auch nur ansatzweise mitzuhalten.

Dies ist zumindest, wie das gestrige Spiel auf dem Papier aussieht. Entscheidend ist jedoch, wie sich die Mannschaft auf dem Platz präsentierte. Und dies ließ leider vermuten, dass es mit Handauflegen nicht getan ist, um die Bayern wieder in die Spur zu bekommen.

Zuerst die negativen Punkte, die einem immer wieder ins Auge springen. Die Defensive. Bei Standards stehen die Abwehrspieler zuweilen immer noch meilenweit von ihren zugeteilten Gegnern weg, dazu ungeschicktes Zweikampfverhalten. Beispiel gestern, beim Stand von 0-0, als bei der ersten Ecke ein Gladbacher (wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, war es Callsen-Bracker) vollkommen frei zum Kopfball kam, diesen aber über das Tor Richtung Mittelrang schickte. Da erinnerte man sich an das letzte Heimspiel, als der Schalker Halil Altintop ebenso frei zum Abschluss kam und mehr daraus machte. Fällt das Tor, gehen die Gladbacher in Führung - wer weiß, wie das Spiel läuft, zumal das Publikum gestern trotz Führung sehr schnell ungeduldig und unzufrieden wurde.
Und dies war nicht die einzige Situation, in der die Abwehr der Münchner weder organisiert noch konzentriert wirkte. Michael Bradley in der zweiten Hälfte mit der großen Chance zum Ausgleich sei da nur kurz genannt.

Der Sieg des FC Bayern geht trotzdem mit Sicherheit in Ordnung, dafür war der Spielverlauf doch zu einseitig. Dass es so kanpp war, lag an dem zweiten negativen Punkt, an dem sich - wie man erwarten konnte - innerhalb einer Woche nach Klinsmanns Abschied noch nicht viel geändert hat: Die Chancenverwertung.

Schon in der letzten Saison vergab der FC Bayern viele Großchancen, nur fiel dies damals nicht so auf wie nun, da man immer noch genug Chancen verwertete, um zu gewinnen. Nur in der jetzigen Situation, in der der FCB seine Spiele fast immer auf der Rasierklinge bestreitet und recht instabil wirkt, machen sich solche Abschlussschwächen bemerkbar. Ex-Torschützenkönig Luca Toni wirkt wie ausgewechselt, verfehlt glasklarste Torchancen - erst gestern scheiterte er nicht nur am exzellenten Belgier Tormann Bailly, sondern auch an sich selbst. Lukas Podolski machte zwar gestern sein bestes Spiel dieser Saison, was aber auch angesichts seiner bisherigen Leistung nicht wirklich erstaunte. Dahinter kommt einzig Thomas Müller, den Co-Trainer Hermann Gerland noch nicht für einen Starteinsatz bereit ansieht - und der dürfte es als Trainer der zweiten Mannschaft wissen. Kloses Rückkehr wird sehnsüchtig erwartet, auch wenn dieser, nach begonnenem Lauftraining in dieser Woche, kaum noch diese Saison zur Topform zurückkehren dürfte. Eine Steigerung zum jetzigen Personal stellt ein unfitter Klose trotzdem dar - was einiges über die Qualität und Form des derzeitigen Bayern-Sturms aussagt.

Aber es gab gestern auch positive Aspekte. Man merkte der Mannschaft eine deutlich höhere Laufbereitschaft an, was deutlich dafür spricht, dass die Spieler tatsächlich zuletzt auch gegen den Trainer spielten. Man erarbeitete sich mehr Chancen, versuchte schnell und flach zusammenspielen. Ein meilenweiter Fortschritt gegenüber dem Hoch und Weit auf Toni in der Vorwoche.

Philipp Lahm wirkte wieder mehr wie der alte Lahm, der gerne und sicher in den Strafraum zog. Mit einem motivierten Franck Ribéry zusammen (der diesmal gesperrt fehlte), der anders als Schweinsteiger auch über eine ähnliche Dribbelstärke und Antrittsgeschwindigkeit verfügt, könnte die linke Seite der Bayern in den letzten Spielen noch zu alter Stärke zurückfinden.
Podolski ist nicht mehr der Totalausfall der letzten Monate, auch wenn er immer noch nicht seinem Potential entsprechend spielt.

Das gestrige Spiel zeigte, dass es mit Handauflegen allein nicht getan ist, um den FC Bayern wieder in die Spur zu bekommen. Es ist nicht nur die mentale Blockade, die nach dem Trainerwechsel immer wieder genannt wurde. Neben den personellen Schwächen sind es auch weiterhin die eklatanten taktischen Mängel, die ein neuer Trainer im Sommer abstellen muss. Zum Glück hat dieser dann Zeit, sich mit großen Teilen der Mannschaft zu beschäftigen. Es gibt ja keine Europa- oder Weltmeisterschaft. Diese Zeit braucht er auch.

Tags: Bundesliga · Fußball · Sport

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