Eine Woche war ich nun in London (offenbar der neueste Trend unter deutschen Bloggern, hehe), unter anderem mit dem Besuch des Spiels Tottenham - West Ham am letzten Samstag - hierzu später noch mehr. Daher herrschte hier etwas Funkstille, der Spamfilter hat aber funktioniert und bis auf zwei Kommentare richtig entschieden.
In dieser Woche gab es natürlich hier keinen Eintrag, aber es ist doch so einiges passiert, was der Aufarbeitung bedarf.
Das endgültige Ende von Klinsmann
Er ist nicht mehr zu retten, erst Recht nicht mehr, nachdem die SZ heute on the record gegangen ist und ihn laut internen Quellen als dead man walking bezeichnete (man verzeihe mir die Anglizismen). Die zwei üblen Auswärtsschlappen gegen Wolfsburg und Barca haben die Zweifel im Verein offenbar so dermaßen anwachsen lassen, dass man über die Saison hinaus dem ehemaligen Bundestrainer die Leitung des deutschen Branchenprimus’ nicht mehr anvertrauen möchte.
Obwohl, die komplette Leitung hatte Klinsmann sowieso noch nie. Und dazu passt auch folgender Punkt.
Klinsmanns verklausulierte Kader- und Vorstandsschelte
Ein Punkt, der sich wie ein roter Faden durch die erste (und wohl auch letzte) Klinsmann-Saison beim FC Bayern zog, war, wie auffällig sich der Trainer vor die Mannschaft und die Personalpolitik des Vorstands stellte. Kein Murren über die Ausdünnung des Kaders vor Saisonbeginn, kein Widerstand bei der Ausleihe von Kroos, keine öffentlich geäußerten Bedenken nach dem Scheitern des Tymoshchuk-Wechsels im letzten Sommer. Selbst als sein Wunschspieler Donovan trotz Sturmnot nach Hause geschickt wurde, ertrug er es mit Fassung, wenn der Vorstand mal wieder seiner Personalpolitik einen Strich durch die Rechnung machte.
Nun aber ging er Dienstag in die Offensive. Man brauche für die Champions League noch den einen oder anderen Hochkaräter. Zusätzlich zu Olic und Tymoshchuk, wohlgemerkt. Dies steht diametral entgegengesetzt den bisherigen Äußerungen, dass der Kader ja gut genug sei und besonders geht Klinsmann auf Konfrontationskurs mit Hoeneß Uli, der - auch Dank des Podolski-Theaters - einen schlanken Kader für die neue Saison anstrebt.
Klinsmann setzt somit den Vorstand öffentlich unter Druck - und man könnte fast Hoffnung auf eine Umkehr in der Kaderpolitik hoffen, wenn, ja wenn Klinsmann nicht eben jener dead man walking wäre. Klinsmanns Äußerungen zur neuen Saison haben leider derzeit nur begrenzten Wert.
Eine weitere Baustelle hat Klinsmann jedoch selbst aufgemacht.
Die Demontage des Michael Rensing
So mancher mag nun entgegnen, dass sich Rensing selbst demontierte, durch wenig sichere Auftritte, durch wacklige Ausstrahlung. Jedoch kehrte Klinsmann zum Barca-Spiel von der Linie ab, dass Rensing diese Saison Zeit gegeben werde, um sich einzuspielen, um den Rost, den die vielen Jahre auf der Bank verursacht haben, abzuschütteln - und stellte Hans-Jörg Butt ins Tor, der dort auch bisher blieb.
Es sollen sogar schon vereinzelt Wetten angenommen werden, wer von den zwei Edelreservisten Podolski und zukünftiger Nationaltorwart Michael Rensing (O-Ton Hoeneß) wohl in dieser Saison häufiger zum Einsatz kommt.
Angesichts seiner eigenen Perspektive scheint Klinsmann die Geduld vorerst verloren zu haben und ihm Hemd näher als Jacke zu sein - auch auf die Gefahr hin, dass Hoeneß’ Schützling die nächste Saison, sofern noch bei Bayern, stark beschädigt beginnen würde.
Die möglichen Nachfolger für Rensing werden sowieso schon von den Medien durch’s Dorf getrieben, wobei Robert Enke offenbar bei vielen als Favorit gelten dürfte.
Wichtig ist auf dem Platz
Fußball gespielt wurde am Wochenende auch noch. In der Bundesliga gewann Wolfsburg nach schlechter Leistung in Gladbach in den Schlussminuten, ein Spiel, was gemeinhin als Meisterprüfung wahrgenommen wird. Auch ich hatte vor dem Spieltag hier eine mögliche Überraschung gesehen. Es fällt vielen Mannschaften nicht einfach, nach Siegen gegen große Mannschaften die Motivation im Tagesgeschäft wiederzufinden. Wolfsburg holte trotzdem drei Punkte, hielt damit Bayern, mit drei Punkten im Pflichtprogramm gegen Frankfurt, auf Distanz.
Der HSV verlor auch buchstäblich in letzter Sekunde, konnte damit den zweiten Platz nicht gegen Bayern verteidigen. Abhängig vom Abschneiden in UEFA Cup und Pokal dürfte es im Kampf um die Meisterschaft daher auf einen Dreikampf dieser Vereine hinauslaufen.
Hertha BSC hat sich zumindest aus dieser Verlosung vorerst verabschiedet, ebenso die TSG Hoffenheim. Beide mit Niederlagen gegen Teams aus den Niederungen der Liga, dazu moralschädigende Platzverweise gegen wichtige Spieler, wobei die Sperre von Andrey Voronin bei den Berlinern größere Löcher reißen dürfte als die von Carlos Eduardo beim Aufsteiger aus dem Kraichgau. Voronin stellte nicht von ungefähr den Grund für den Höhenflug einer ansonsten eher sehr durchschnittlich besetzten Mannschaft dar.
Von hinten pirscht sich der VfB Stuttgart heran, und so mancher Fan der Schwaben fühlt sich an die Saison 2006/07 erinnert, als auch niemand den späteren Meister auf der Rechnung hatte.
Same old top four again
In der Premier League sind die Plätze zur Champions League seit letztem Wochenende wohl vergeben, nachdem sich die Verfolger Aston Villa und Everton mit einem Remis gegenseitig die Punkte abnahmen. Arsenal lachte sich am Sonntag vor dem Fernseher wohl scheckig.
Im Kampf um die Meisterschaft machte Liverpool den souveränsten Eindruck. Manchester United musste den kurzzeitigen Ausgleich in Sunderland verkraften, Arsenal rannte gar lange Zeit einem Rückstand hinterher. Chelsea dagegen warf beinahe eine 4-0 Führung noch daheim gegen Bolton weg.
Und von diesen drei kann sich nur Liverpool zu 100% auf die Liga konzentrieren. Der Rest der top four ist noch in Champions League und Pokal aktiv. Ein nicht zu unterschätzender Faktor, wenn man mal die Personalprobleme, mit denen sich jeder der vier derzeit herumschlagen muss, ansieht.
Die erste Meisterschaft seit Einführung der Premier League für Liverpool, noch dazu im Jahr des zwanzigjährigen Hillsborough-Jubiläums, das gestern begangen wurde? Man mag es, trotz der Qualität der Red Devils nicht wirklich ausschließen.
And now for something completely different…
Mein Lieblingsthema derzeit, der Relaunch bei PREMIERE. Gestern wurde bekannt, dass im Sommer mit Spiegel Geschichte ein neuer Kanal im Bouquet von PREMIERE starten werde. Sowohl über Kabel und Satellit.
Es ist in sofern verwunderlich, wo PREMIERE immer wieder die Bandbreite für neue Kanäle herbekommt, hier besonders im Kabel. Über Sat ist das Problem weitaus einfacher lösbar, da hier nur mit einem Anbieter - Astra - ein Vertrag über neue Kapazität geschlossen werden muss, und hier die Hauptprobleme finanzieller Natur sind. Im Kabel dagegen muss man als Anbieter sich mit drei großen und mehreren mittelgroßen bis kleinen Netzbetreibern einigen.
Daher steht hier - wie auch die Bezeichnung und Programmfarbe von Spiegel Geschichte vermuten lässt - zu befürchten, dass dieser neue Sender einen bestehenden ersetzen könnte: Discovery Geschichte.
Schon seit einigen Monate wabert durch die Branche, dass die Vorstellungen von PREMIEREs neuen Eigentümern und Discovery dermaßen weit auseinander liegen, dass eine kurz- bis mittelfristige Einigung über eine weitere Verbreitung - der alte Vertrag lief Ende März 2009 aus - utopisch erscheint. Der casus knaxus der causa liegt hier im Exklusivvertrag begründet, der noch aus Kirch-Zeiten rührt. Anders als bei News Corp (”exclusivity is not critical” - PREMIERE CEO Mark Williams, jedoch zur Bundesliga-Rechtevergabe) war Exklusivität ein absolutes Muss für das Kirch’sche Pay TV (was jedoch Konzernintern immer wieder untergraben wurde, aber das ist ein anderes Thema). Dies hatte entsprechend höhere Zahlungen an Discovery zur Folge. Nun werden andere Saiten aufgezogen in der Unterföhringer Medienallee. Discovery wird, so die unmissverständliche Äußerung, in Zukunft genauso behandelt wie andere vergleichbare Drittsender (meint: finanziell), darf sich dafür aber auch um Aufnahme bei anderen Plattformen bewerben. Problematisch ist aber, dass diese Pakete andere Betreiber pickepackevoll sind und wenig Spielraum für zwei bis drei (Discovery Geschichte war sowieso immer eher eine Behelfslösung, um auf den Markteintritt des History Channels trotz Exklusivitätsvereinbarung zu reagieren - und war nur durch Kooperation mit eben jenem Spiegel TV möglich) Sender haben. Dies musste man schon zuvor bei Discovery erfahren, als man vergeblich versuchte, andere Discovery-Marken in diversen Paketen unterzubringen.
Die Verdienstmöglichkeiten für Discovery abseits PREMIERE erscheinen daher trotz der wertvollen Marke sehr gering.
Daher erscheint es derzeit leider wahrscheinlich, dass Discovery im Laufe der nächsten Wochen und Monate vorerst aus dem PREMIERE-Bouquet verschwindet. PREMIERE dürfte diese dann durch die Kanäle von National Geographic ersetzen - praktisch, dass diese doch schon zum Konzern gehören.

Bisher 4 Kommentare ↓
1 dogfood // 16. Apr 2009 um 18:31
(wundere mich gerade, warum National Geographic nicht bei der KEK drin steht und für Fox Int. Channels Germany nur der FOX Channel steht…)
Ich könnte mir vorstellen, dass — wenn es die Verträge hergeben — einige Sender rausgeschmissen werden. Wieviele Kinderkanäle braucht es (Junior anyone?)? Wo ist der Mehrwert von e.clips? Wieviele Kanäle werden sich die neuen Konditionen leisten können – hat classica nicht schon bedenklich gewackelt?
2 RealityCheck // 16. Apr 2009 um 18:38
Ich glaube, Nat Geo operiert noch mit einer britischen Ofcom Lizenz. Aber müsste man nachschauen.
Grundsätzlich ist es natürlich schon denkbar, dass - besonders für das Kabel - ein runderes Basispaket gestrickt wird, das etwas anders als das jetzige Familienpaket aussieht. Es ist insgesamt ein wenig zu Doku- und Kindersender dominiert. Fraglich natürlich, wie da die Verträge aussehen, denn gerade am Fall Discovery sieht man, wie gefährlich es für einen ehemaligen exklusiven Drittsender von PREMIERE sein kann, wenn man, weil man etwas hard ball spielt, ganz aus dem Kabel fliegen könnte.
Aber es wird ja in Zukunft eher sogar noch mehr Kindersender geben, Nick Jr. steht ja auch (mindestens) vor der Tür, in so manchem Kabelnetz ist er schon gestartet.
Über Sat sieht die Chose natürlich etwas anders aus, da dürfte das Basispaket sowieso umfangreicher aussehen.
3 TK // 17. Apr 2009 um 0:07
Ist aber nicht der auslaufende Vertrag von Discovery nur die Kanäle von Discorvery Channel SD und Animal Planet betroffen?
Das heißt doch in meinen Augen das weiterhin Discovery History und Disvovery HD weiterlaufen würde. Zumal Discovery HD der 2te HD Sender ist und bis jetzt stehen ja nicht weitere HD Sender fest und mit wegfall diesen Sender das HD Paket sehr arm ist.
Vielleicht würd Spiegel Geschichte zwar über Kabel angeboten aber es kommt eben auf die Kabelgesellschaften an ob diese Platz schaffen für den Kanal. Zumindest klang dies bei der letzten Pressemitteilung so als ob man darauf keine Rücksicht mehr nehme. Das Basispaket muß von jeden Kunden gekauft werden, wenn er ein Premiumpaket möchte aber es ist nicht sicher gestellt ob jeder die gleiche Anzahl an Sender geliefert bekommt. Oder täusche ich mich in dieser Interprettation?
Das weiteren wundert es mich warum man nicht gleich noch einen Vertrag mit Spiegel TV gemacht hat dieser könnte doch dann eher Discovery ersetzen und würde einen weiteren Sender ergeben da es doch ab Sommer mehr Kanäle geben soll.
4 dogfood // 17. Apr 2009 um 2:10
Ich würde meine Gallenblase drauf verwetten, dass PREMIERE/SKY im Sommer eine Reihe von HD-Kanälen an den Start bringt, u.a. auch Sport.
DISCOVERY/DMAX ist ein richtig großes Unternehmen, weltweit agierend. Die haben Ressourcen und Archivmaterial, da kann SPIEGEL TV nicht mithalten. Ich kann mir aber vorstellen, dass SPIEGEL Geschichte nur ein Drucmittel ist und hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.
Was Kabel/Sat angeht: Hier verlagert PREMIERE/SKY zukünftig den Druck auf die Kabelnetzbetreiber. Sollen die doch mit den Kunden fertig werden, wenn sie nicht genügend Kapazitäten aufbringen können.
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