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Kinderfreundliche Anstoßzeiten?

28. März 2009, 15:25 · 5 Kommentare

Die Diskussion gibt es nun wahrlich schon seit einigen Jahren. Oft wird dem DFB und den öffentlich-rechtlichen Fersehanstalten ARD und ZDF vorgeworfen, man vergrätze mit den späten Anstoßzeiten bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft die Zielgruppe der Zukunft, den Nachwuchs: Die Kinder.

Besonderer Kritik sieht sich der Deutsche Fußball-Bund bei Heimspielen ausgesetzt, wäre man doch hier als Veranstalter des Spiels in der Lage, die Spiele früher stattfinden zu lassen. Doch sieht man sich, etwa bei Fußballdaten, die Anstoßzeiten der Pflicht-Heimspiele im Jahre 2008 und 2007 an, sieht man: dreimal 20.45 Uhr, zweimal 20.30 Uhr, einmal 20.15 Uhr und einmal 19 Uhr. Hat man nun im Hinterkopf, dass für viele Kinder 18 Uhr, spätestens aber 20 Uhr Schlafenszeit ist, haben Kinder von Spielen mit Wert der Nationalmannschaft in diesen zwei Jahren genau eine Halbzeit gesehen (hinzu kommt das Spiel bei der EM gegen Kroatien, das um 18 Uhr angepfiffen wurde, welches aber nicht unter der Regie des DFB stand). Bei Freundschaftsspielen schafft man es ein wenig besser, hier ein Gleichgewicht zu finden.

Da fragt man sich doch - besonders mit einem Spiel gegen den Giganten Liechtenstein vor der Brust - warum der DFB nicht wenigstens solche Begegnungen zu früheren Zeiten ansetzt.

Die Gründe, die der DFB anführt, sind vielschichtig, zum Teil auch absolut berechtigt.

Geht es etwa um Spiele unter der Woche, wäre es für viele Fans, die bis spät in den Nachmittag arbeiten müssen, unmöglich, bis 18 Uhr im Stadion zu stehen, selbst der Weg vor den Fernseher wird dann für einige, etwa Pendler, zu lang. Man kennt die Diskussion, auch von den Freitagsspielen der 2. Liga, die um 18 Uhr angepfiffen werden und bei denen sich Stadionbesucher ähnlichen Problemen gegenübersehen, die an einem Mittwochsspieltag noch verstärkt würden.
Ein Anpfiff unter der Woche vor 20 Uhr ist damit für viele Fans ungeschickt, und man würde wohl mehr Zuschauer vor den Kopf stoßen als man junge Fans hinzuholen würde. Nicht zu vergessen die dann wohl leereren Stadien und damit geringeren Ticketeinnahmen.

Dieses Problem gibt es aber an Samstagen, wie etwa heute, nicht. Der Samstag ist bei der Mehrheit der Fans kein Arbeitstag (auch hier gibt es natürlich Ausnahmen), aber die frühere, traditionelle Anstoßzeit der Bundesliga an diesem Tag ist etabliert und beliebt. Da stellt sich unweigerlich die Frage, warum der DFB Heimspiele, gerade gegen unattraktivere Gegner, nicht Samstags zu früheren Zeiten ansetzt, um zu diesen Gelegenheiten auch mal jüngere Fans in den Genuss von Pflichtheimspielen kommen zu lassen.

Hier entgegnet der DFB oftmals, dass man sich dem Diktat der Rechtepartner, also der Fernsehsender ARD und ZDF, beugen müsse. Diese sind natürlich an hohen Einschaltquoten interessiert (die Diskussion um die Quotenfixierung der gebührenfinanzierten Sender spare ich mir hier), und die höchsten Einschaltquoten gibt es natürlich zur Prime Time.
Daher halte ich es für akzeptabel und sogar richtig, wenn man wichtige Spiele gegen attraktive Gegner auch am Samstag in die Prime Time legt. Die TV-Sender zahlen viel Geld und wollen eine entsprechende Gegenleistung. Weniger Verständnis aber habe ich dafür, wenn ein Spiel wie etwa eben heute gegen Liechtenstein unbedingt zur besten Sendezeit stattfinden muss. Solch ein Spiel schaut sich selbst der hardcore fan nicht intensiv an, da es früh entschieden sein wird und es nur eine Frage des “wie hoch” sein wird.
Das ist ein Spiel wie gemalt für eine Anstoßzeit in der Nachmittagszeit, mit dem man den Kindern und Jugendlichen es einfacher machen würde, auch mal ein ganzes Spiel der Nationalmannschaft zu verfolgen. Das könnte man dann im und am Stadion mit einem Fan Fest garnieren oder ähnliche Aktionen zur - ich sage jetzt nicht Kundenbindung - Fanpflege organisieren. So überragend werden die Einschaltquoten dieses Spiels sowieso nicht sein. Dafür ist der sportliche Wert zu gering.
In anderen Ländern ist dies offenbar ein geringeres Problem. Wales’ Heimspiel gegen Finnland wird heute um 15 Uhr Ortszeit angepfiffen, Nordirland spielt um 17.15 Uhr (ebenfalls Ortszeit) sein Topspiel gegen Polen.

Auch wenn es das Grundproblem nicht lösen würde, aber als Geste, als Zeichen des guten Willen, würde es den jüngsten Fans das Signal geben, dass der DFB immer nach Kompromissen sucht und ihm auch bei den TV-Übertragungen des Aushängeschilds Nationalmannschaft die Kinder im Sinn sind.
Und nicht mit obskuren Freundschaftsspielen gegen Weißrussland am Dienstag Vorabend.

Tags: Fußball · Nationalmannschaft · Sport · TV

Bisher 5 Kommentare ↓

  • 1 marcus // 28. Mrz 2009 um 19:09

    Volle Zustimmung! Das ganze kann man auch auf das DFB-Pokal-Finale übertagen. Die Finalspiele waren für mich als kleines Kind die ersten Spiele, die ich live gesehen habe. Kann mich noch sehr gut an HSV-Stuttgarter Kickers erinnern, obwohl ich da selber erst gerade dem Ball geordnet hinterherlaufen konnte. Aber so habe ich den Kontakt zum Profifussball bekommen. Heute ist da gar nicht mehr daran zu denken.

  • 2 spoonman // 30. Mrz 2009 um 1:52

    Ich seh’s im Prinzip ähnlich. Bei Heim-Länderspielen am Samstag gegen nicht-so-namhafte Gegner könnte man irgendwas zwischen 17:00 und 18:00 Uhr als feste Anstoßzeit etablieren. Also quasi zur gewohnten Sportschau-Zeit. Was ja für ARD+ZDF auch noch den Vorteil hätte, dass sie ordentlich Werbung reinballern könnten. Übrigens haben die Sender auch bei vielen Auswärts-Länderspielen maßgeblichen Einfluss auf die Anstoßzeit.

    Einziger Nachteil von frühen Anstoßzeiten: Man käme den Amateurligen und insbesondere der 3. Liga in die Quere.

    Davon abgesehen, wird es dieses Jahr allerdings wg. Zeitverschiebung sowieso noch ungewöhnlich viele (Auswärts-) Länderspiele mit frühen Startzeiten geben:

    29.05. ARD China - Deutschland (14:00)
    02.06. ZDF V.A.Emirate - Deutschland (wohl nicht später als 17:00 Uhr)
    12.08. ARD Aserbaidschan - Deutschland (wohl nicht später als 17:00 Uhr)
    10.10. ZDF Russland - Deutschland (ca. 19:00 Uhr)

  • 3 mob // 30. Mrz 2009 um 1:53

    ich denke die lieben kleinen werden es wohl ueberleben, wenn sie das eine oder andere laenderspiel verpassen… den kindern in dem alter, in welchem sie um 20uhr ins bett muessen, gehts auch so ganz gut.

    man kann sich auch zuviel gedanken um nichts machen…

  • 4 ckwon // 30. Mrz 2009 um 12:36

    Ich nehme an, dass die meisten Kinder die alt genug sind, bewusst Fußball zu schauen, wahrscheinlich ohne Probleme bis 20 Uhr aufbleiben dürfen. Daher wäre Samstags um 18 Uhr eigentlich eine gute Zeit, die wegen Werbung eigentlich auch ARD/ZDF gefallen sollte.

  • 5 Hendrik // 31. Mrz 2009 um 1:27

    Da fällt mir gerade eine Idee ein: Sofern die Rechte es zulassen, könnte man doch mal ein solches Spiel auf einen (späten) Nachmittag legen und zeitgleich mit kindgerechter Moderation und entsprechendem Kommentar auf KIKA zeigen. Um Kinder für die DFB-Auswahl zu begeistern wäre das doch eine nette Geschichte…

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