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Es gab keine Krabbensandwiches

9. März 2009, 9:52 · 5 Kommentare

Es war weder mein erster Besuch in einem Fußballstadion - beileibe nicht - noch mein erster in der Allianz Arena. Aber das besondere am letzten Samstag war, dass ich zusammen mit einigen anderen Bloggern den grandiosen Sieg des FC Bayern aus den Logen von Deutscher Telekom und Microsoft beobachten durfte. Diese zwei Unternehmen hatten diverse Sportblogschreiber nach München eingeladen, um das IPTV von T-Home der Kernzielgruppe etwas näher zu bringen.

Daher gleich der disclaimer - T-Home/Microsoft bzw. deren PR-Agentur Weber Shandwick haben mir sowohl Transfer nach München wie auch eben den Eintritt zu dem Spiel bezahlt. Sollte jemand den Eindruck haben, meine Äußerungen zu diesem Thema seien daher womöglich gefärbt, so würde mich das zwar enttäuschen, da ich nicht diesen Eindruck habe, aber die Fairness und Transparenz gebieten es, dies einmal grundsätzlich erwähnt zu haben. Außerdem wird der Schwerpunkt dieses Blogeintrags sich auch nicht um das beworbene Produkt drehen, zumal die Veranstaltung generell sehr unaufdringlich in dieser Hinsicht ablief.

Wie läuft also so ein Logenbesuch ab? Treffpunkt für uns Blogger war draußen im Schneegestöber auf der Esplanade vor dem Eingang für Logen- und Business-Seats-Besucher. Ja, im Schneegestöber. Aber wir sind ja keine verzogenen VIPs, man steht auch gerne mal fünfzehn Minuten im Schnee. Richtige Fußballfans machen das über neunzig Minuten lang. Und Bastian Schweinsteiger an schlechten Tagen auch. Ok, der Kalauer musste sein.
Nachdem wir dann von Anatol Vetters von der PR-Agentur Weber Shandwick in Empfang genommen wurden, gingen wir in die sogenannte “Welcome Zone West” (irgendwelche DDR-Witzchen spare ich mir hier), wo man wenigstens vor dem Schnee sicher war. Dort konnten sich die Nicht-Bayern-Fans unter den Bloggerkollegen schon mal mit den Erfolgen des großen FCBs vertraut machen, die auf mehreren Ständern aufgeführt waren.
Als dann nach einer weiteren Wartezeit von einigen Minuten die Logen öffneten, ließen die Hostessen uns nach Kartenkontrolle auf die Rolltreppen nach oben. Es ist schon ein komischen Gefühl, wenn man immer weiter hoch ins Allerheiligste fahren darf, während viele andere Besucher vorher abbiegen müssen.

Zu diesem Event legten die Telekom und Microsoft ihre zwei Logen zusammen, damit mehr Blogger Platz fanden. Zudem lag es nahe, diese Veranstaltung zusammen zu betreiben, da das IPTV von T-Home mithilfe von Microsoft Mediaroom realisiert wurde. Begrüßt wurden wir unter anderem von Dr. Henning Stiegenroth, Leiter Sportmarketing Deutsche Telekom - nur um zu verdeutlichen, welchen Aufwand der ehemalige Staatskonzern gefahren hat. Man schickte wirklich nicht die B-Mannschaft, um die paar Blogger zu betreuen. Überhaupt, dies war einer der positivsten Aspekte des Tages, fühlte man sich mit seinen Fragen und Anmerkungen wirklich von allen anwesenden Mitarbeitern ernstgenommen.

Eine Killerapplikation von T-Home Entertain soll die Interaktivanwendung im Rahmen der Bundesligaübertragung sein, die uns in einer Beta-Version vorgeführt wurde. Etwaige Bugs und design flaws, und die gab es, sind damit erstmal entschuldigt.
Diese Interaktivanwendung ist für T-Home deshalb so wichtig, da man als Herausforderer für sein Produkt einen Mehrwert gegenüber der Bundesliga im normalen Fernsehen, etwa bei PREMIERE, bieten muss. Wirklich interessant hier war der Liveticker - alle strittigen, interessanten oder bemerkenswerten Szenen werden von der T-Home-Mannschaft vermerkt und aufbereitet und noch während des Spiels (in der Regel drei Minuten nach dem jeweiligen Vorkommnis) als Video On Demand zur Verfügung gestellt. In der Halbzeit ist man also nicht mehr auf die journalistische Hoheit von PREMIERE angewiesen, welche Spielszenen man sich noch mal zu Gemüte führen möchte.
Eine einblendbarer Liveticker, der etwa bei Einzelspiel-Schauern sehr praktisch wäre, ist leider (noch?) nicht eingebunden. Muss man also doch weiterhin den Laptop mit Liveticker neben dem Fernseher laufen lassen. Schade, da gerade hier die Konvergenz aus TV und Internet zu einem echten Mehrwert führen könnte. Die nicht optimale usability der Interaktivanwendung (nicht selbsterklärend, idiotensicher genug) will ich mal auf den Beta-Status schieben.

Grundsätzlich hat T-Home hier einen entscheidenden Vorteil, eine sogenannte unique selling proposition - echtes Video On Demand. Dies ist bei Satempfang nicht und bei Kabel nur schwer in diesem Ausmaß umsetzbar. Also findet sich ein Mehrwert, den IPTV dem Kunden bieten kann, hier.
Ein weiterer ist die schier unerschöpfliche Bandbreite, die das eigene Netz bietet. Hunderte HDTV-Sender wären damit weitaus leichter möglich als über andere Verbreitungswege. Hier muss man die Entwicklung in der Zukunft abwarten, sollte man sich hier einen enormen Vorteil sichern, wäre T-Home in einer guten Marktposition. Zudem hat man eine homogene Gerätepopulation inklusive Festplattenrecorder zur Verfügung, die ein einheitliches Look & Feel beim Nutzer erzeugt und für möglichst hohe Nutzung sorgt. Die Hausaufgaben hat man gemacht, PREMIERE hat dies im Sommer noch vor sich.

Die finanzielle Seite ist für mich persönlich weniger attraktiv, da ich mit Satempfang trotz bestehendem double play-Anschluss von T-Home mit einem PREMIERE-Abo bei vergleichbarer Leistung derzeit günstiger fahre. Zudem sehe ich den 24-Stunden-Reconnect, der auch bei IPTV-Nutzung beibehalten wird, als kleineren Minuspunkt (da man ihn auf die Nachtstunden legen kann, wenn das Angebot sowieso eher weniger genutzt wird).

Nach dieser Demontration des IPTV-Angebots gab es dann endlich lecker zu speisen. Aber keine Krabbensandwiches, wie in Roy Keanes bekannten Worten.

At the end of the day they need to get behind the team. Away from home our fans are fantastic, I’d call them the hardcore fans.

But at home they have a few drinks and probably the prawn sandwiches, and they don’t realise what’s going on out on the pitch.

Für das leibliche Wohl war also gesorgt, ein Lob an den Caterer des Münchner Stadions, ArenaOne. Zielgruppengerecht verzichtete man auf allzu abgehobenes Essen. Ein persönliches Highlight war der Kartoffelsalat mit Feldsalat und Blattpetersilie. Lecker!

Ach ja, Fußball wurde auch gespielt. Und man muss sagen, sehr viel besser - auch wenn mir überzeugte Stehplatzbesucher widersprechen möchten - kann man Fußball im Stadion nicht schauen. Plätze auf Höhe der Mittellinie, bessere Blickposition als im Fernsehen, bequeme Sitze. Eine schicke, warme Decke mit Sponsorhinweisen gab es auch. Besonders wichtig bei kaltem Münchner Wetter.
Einblendungen für die Freundschaftswerbung, die einem das halbe Sichtfeld verdecken, gab es aber nicht.

Eine Todsünde habe ich dann doch begangen. Ich kam nach der Halbzeit fast eine Minute zu spät zurück, weil ich in der Loge noch Tore von anderen Spielen geschaut hatte. Ich schäme mich noch heute dafür.

Zum sportlichen ist eigentlich alles gesagt. Der inzwischen fast typische Bayern-Rückstand, aber eine desaströse Hannoveraner Mannschaft, die aus der erkennbaren Verunsicherung und den vielen Stock- und Stellungsfehlern der Bayern - allen voran Demichelis und Oddo - nicht mehr machen konnten als bereitwillig Schlachtvieh spielen.
Und dass die Mannschaft mit den wohl schlechtesten Standards der Liga vier der fünf Tore nach Freistößen oder Ecken erzielt, sagt einiges über die Defensivleistung von 96.
Ein Stimmungsaufheller für Bayern, zur rechten Zeit.

Unter dem Strich war es ein einmaliges Erlebnis (ich weiß, hier geht den Telekom-Werbern das Herz auf, angesichts des Claims) und eine Freude, mal ein paar meiner Bloggerkollegen persönlich zu treffen.

Tags: Bundesliga · Fußball · Medien · Sport

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