In der zweiten Hälfte des Jahres 2007 trat mit SPOX.com eine neue Internetsportseite - oder, wie es so schön heißt, ein Sportportal - auf den Plan, um die Platzhirsche kicker.de und Sport1 das Fürchten zu lehren.
Der Start wurde von reichlich Werbung auf den Sendern des Gesellschafters PREMIERE begleitet, und auch bis zu diesem Tag vergeht keine Livesendung auf dem Pay-Sender, ohne dass auf die Sportseite im Internet hingewiesen wird.
Das (meiner Meinung nach hübsche) Design stand von Anfang an auffällig im Vordergrund, so dass die Befürchtung herrschte, dass hier Style over Substance gelten könnte. Oh Junge, habe ich mich da geirrt. Denn ganz im Gegenteil ist SPOX.com derzeit sportjournalistisch so ziemlich das beste, was es im deutschsprachigem Internet an originärem Content gibt. Man ist aktueller als kicker.de, seriöser als Sport1, tiefgründiger und breiter aufgestellt als beide zusammen. Und nicht nur das, man zeigt auch, dass PREMIERE einige fähige Leute im Unternehmen hat, die ein seriöses, anspruchsvolles Sportangebot redaktionell begleiten können. Diese Leute sind dazu berufen, den Sportjournalismus bei PREMIERE SPORT wieder richtig auf die Beine zu stellen.
Das Sportprogramm von PREMIERE hat ein augenscheinliches Loch im Portfolio. Seit der Einstellung von PREMIERE SPORT - Das Magazin Anfang 2002 gibt es außer der Vor- und Nachberichterstattung zu Liveübertragungen genau null eigene journalistische Angebote. Gut, seit ein paar Monaten gibt es noch alle Schaltjahre den Speedtalk, aber regelmäßige Infoprogramme? Fehlanzeige.
Aber PREMIERE SPORT ist da ja kein Einzelfall. Bundesliga Aktuell im DSF ist der Marktführer. Das sagt ja leider einiges über den deutschen Sportjournalismus im Fernsehen.
Dabei hätte PREMIERE die Manpower, um abseits der Spieltage etwa ein tägliches Fußballmagazin anzubieten, eben Bundesliga Aktuell in seriös. Bei SPOX gibt es genug fähige Schreiberlinge. Ob nun der Artikel über Jugendarbeit und Scouting bei Leverkusen und Hoffenheim und über das Schicksal großer Fußball-Talente, die Interviews mit Gojko Kacar oder Mustafa Kucokovic, mit FSV Frankfurt-Manager Bernd Reisig - das sind nur wenige Beispiele von gutem journalistischen Handwerk bei SPOX, das eine größere Öffentlichkeit verdient hätte und dort tagtäglich zu finden ist. Und so manches Stück kann ich mir ohne weiteres auch im TV vorstellen. Dann nimmt man zu Interviews mal ‘ne Kamera mit, macht aus einem guten Artikel ein gutes Feature. Die neue Rubrik bei SPOX, der Fußballnachrichtenticker, ist eigentlich nichts anderes als ein Sportnachrichtenkanal in geschriebener Form.
Im Sportprogramm von PREMIERE fehlt eine Unverwechselbarkeit, eine persönliche, eigene Note, die einen von der Konkurrenz abhebt. Bundesliga übertragen kann jeder. Aber bei der Kür trennt sich die sprichwörtliche Spreu vom Weizen. Und die Kür sind die journalistischen Angebote, die über das Interview nach dem Spiel mit Fragen wie “Wie fühlen Sie sich?” hinausgehen.
HBO ist nicht wegen der aktuellen Hollywoodfilme weltweit berühmt, sondern wegen den eigenproduzierten Serien wie Die Sopranos. Das bekannteste Format von ESPN ist nicht irgend eine Sportliveübertragung, sondern das SportsCenter.
Außerdem haben diese eigenen Formate den Vorteil, dass sie niemals - wie so manches Sportrecht - von der Fahne gehen. Sie laden die Marke positiv auf, die betreiben Bindung an den Zuschauer.
PREMIERE möchte mit dem Geld aus der anstehenden Kapitalerhöhung die Programmqualität erhöhen. Dabei liegt ein erster, großer Schritt doch für kleines Geld vor der Haustür:
Holt die SPOX-Leute ins Fernsehen. Gebt ihnen eine tägliche Sportnachrichtensendung. Ein seriöses Bundesliga Aktuell.
Denn mit solch guten journalistischen Angeboten macht man sich unverzichtbar, macht man sich relevant. Dann nutzt man als Zuschauer sein Abo auch abseits der Liveübertragungen.
Und, das ist simple Logik, höhere Nutzung führt zu höherer Zufriedenheit und man zahlt seine Aboentgelte auch jeden Monat richtig gerne.

Bisher 6 Kommentare ↓
1 NoteMe // 13. Feb 2009 um 20:12
Auch für ein seriöses “Bundesliga Aktuell”, so schön das in der Theorie auch klingt, würde ich keinen Cent extra zahlen. Und wenn man plötzlich anfängt, über Sportarten regelmäßig zu berichten, die auf Grund der finanziellen Situation gestrichen wurden, kann ich mir vorstellen, dass das nicht nur von mir als besonderer Hohn verstanden würde.
(Frei nach dem Motto: Schauen sie, was sie gestern verpasst haben, weil wir zwar die Rechte halten, aber keinen Kommentator bzw. Redakteur bezahlen wollen.)
2 Reiner // 13. Feb 2009 um 20:57
Hallo - Du hast Recht mit deiner Meinung über Premiere außerhalb der Live-Übertragungen - aber daß Bundesliga aktuell beim DSF unseriös sein soll da kann ich deine Meinung absolut nicht verstehen.Ich schaue regelmäßig diese Sendung und finde sie sehr gut - man wird umfassend informiert und so wie gestern mit Matze Knop auch noch köstlich unterhalten - perfekte Sendung.
Gruß Reiner
3 chelsea // 14. Feb 2009 um 21:08
Wo du spox.com so lobst, fällt mir gerade wieder ein, dass die doch auch immer nochmal einen eigenen Podcast starten wollten. Hat da jemand Infos bezüglich des Standes, ob das noch geplant ist?
4 panke // 14. Feb 2009 um 22:43
Es ist wirklich schwierig ein Angebot zu finden, wo man über alle sportarten ausführlich informiert wird.
Mein Tipp: auf sueddeutsche.de der dpa-Ticker zum Sport.(Dies ist nicht der Kurznachrichtendienst, den die meisten Portale haben, sondern der Sportdienst des dpa-Basisdienstes)
Dieser berichter sachlich und vor allem auch über Sportarten, die für große Portale nicht so interessant sind, zudem auch über politische, wirtschaftliche und rechtliche Hintergründe des Sportgeschehens.
5 probek // 15. Feb 2009 um 15:53
@panke
Haste mal ’nen Link? Oder einen Tipp, wo man suchen muss?
@RealityCheck
Ich schenke dir ein
<6 RealityCheck // 15. Feb 2009 um 15:59
Ahhh, so ein Dreck.
Danke.
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