Was gab es im Dezember für Schlagzeilen. Bundesliga statt Anne Will? Bundesliga direkt nach dem Tatort? Der ARD-Super-Sonntag - Tatort, Bundesliga, Tagesthemen?
Groß war der Aufruhr bei Sponsoren und Fußball-Funktionären, als sich nun so langsam etwas doch eher Überaschendes herauskristallisierte:
Die Bundesliga-Erstverwertung im Free TV findet ab der nächsten Saison in den Dritten Programmen der ARD statt, nicht im Hauptprogramm Das Erste.
Dabei ist der Ärger doch eher unbegründet, wenn man sich die Zahlen einmal anschaut.
Seit der Verschiebung der Bundesliga-Zusammenfassungen am Sonntag auf nach 22 Uhr sind die Einschaltquoten im DSF rapide gefallen. Als Erfolg gelten daher schon Werte in der Gegend von 2 Mio Zuschauern in der Spitze, wie etwa im April 2008 geschehen, mit gut 6% Marktanteil - natürlich bei einer Übertragung eines Spiels mit Beteiligung der Bayern. Im (nicht ganz fairen) Vergleich zum Schnitt der Bundesliga in der ARD-Sportschau am Samstag-Vorabend (in der Saison 2004/05 etwa im Schnitt fast 6 Mio Zuschauer und fast 30% Marktanteil) wirkt das doch eher kümmerlich.
Der Sonntag war also schon bisher quotentechnisch ein Problem für die Liga und die Sponsoren. Zum Teil war es natürlich selbstverschuldet, da man, um dem Pay TV größere Exklusivität einzuräumen, seit der Saison 2006/07 auf einer Sendezeit nach 22 Uhr beharrte, andererseits lag es aber auch an der Reichweite des DSF. Das Deutsche Sportfernsehen krebst nun schon seit Jahren um die 1% Marktanteil herum. Dass dort dann keine Zahlen wie bei einem der großen Vollprogramme eingefahren werden können, auch mit einem Topprogramm, ist dann nicht überraschend. Das Erste konnte bei den Zuschauern ab 3 Jahren in der Saison 2007/08 immerhin einen Marktanteil einfahren, der das dreizehnfache (!) des DSF darstellt.
Nun wechselt die Bundesliga am Sonntag also vom DSF zur ARD. Aber nicht zum Schlachtross Das Erste, sondern zu den Dritten. Was von Teilen der Liga und Sponsoren kritisiert wird und in der Forderung kulminiert, eine Sportschau am Sonntag in der ARD nach dem Tatort einzurichten.
Dabei ist der Wechsel zu den Dritten auch schon ein Schritt nach vorne. Zusammengerechnet kommen die Dritten in der letzten Saison nämlich auf einen Marktanteil von 13.3 % - die selbe Liga wie die ARD.
Natürlich kommt man dabei - fernab von den Quoten - zu einem anderen Problem. Man hat es dann nächste Saison nicht mehr mit einer Bundesliga-Sendung am Sonntag zu tun, sondern gleich mit derer mindestens sieben (sofern man die Regionalvarianten wie Radio Bremen oder die drei SWR-Versionen nicht mitzählt). Die Streuung der Zuschauerschaft ist also vorprogrammiert, der Zuschauer muss sich seine Spiele zusammensuchen, ein fester Senderplatz für alle Spiele ist da wohl eher Wunschdenken. Denn was interessiert den SWR etwa Wolfsburg - Hannover? Dass so manches Dritte derzeit gar kein Sportmagazin am Sonntagabend hat, steht noch auf einem anderen Blatt.
Ein weiteres Problem stellt der regionale Einschlag der Sportsendungen der Dritten dar. Diese als regional gefärbt zu bezeichnen, wäre noch euphemistisch. Bei so mancher Testspiel- oder Europacup-Übertragung in den Regionalprogrammen in der Vergangenheit war schwer ein Unterschied zwischen unparteiischer Berichterstattung der Dritten und Klub-TV zu erkennen. In Zukunft muss man sich also besonders bei unglücklichen Schiedsrichterentscheidungen noch mehr bewusst sein, auf welchem Sender man das Spiel gerade sieht.
Jedoch war es mit der Ausgewogenheit auch bei so manchem DSF-Reporter nicht sehr weit her…
Dies mag man alles anführen, wenn man nicht mit der Entscheidung der ARD glücklich ist. Die Hauptkritik von Teilen der Liga und Sponsoren richtet sich aber fast ausschließlich dagegen, dass die Abschiebung in die als quotenmäßig kleiner empfundenen Dritten Programme geschieht. Und genau hier zeichnen die Zahlen ein anderes Bild. Einzig die Dritten von hr und rbb verzeichnen einen Marktanteil, der unter oder gleich dem des DSF liegt. Und rechnet man alle diese zusammen, kommt man sogar auf einen Marktanteil, der sich vor dem des ARD-Hauptprogramms nicht verstecken muss.
einzig in der werberelevanten Zielgruppe liegen viele Dritte etwas schlechter als das DSF im Einzelvergleich. Eventuell liegt auch hier der Hund begraben - besonders auf Seiten der Sponsoren.
Die Zahlen sprechen aber eine recht eindeutige Sprache: Es kann Liga wie Sponsoren eigentlich egal sein, ob die Bundesliga im Ersten oder den Dritten läuft. Bessere Quoten als das DSF wird man allemal einfahren. Und das ist sicher. Simple Mathematik.



Bisher 8 Kommentare ↓
1 Adonis // 6. Feb 2009 um 9:28
Wie schon gesagt: Es ist weniger die geringere absolute Rechtweite, als die Zersplitterung. Das wirkt eben so umpremiumprodukthaft.
Zumal durch die regionale Aufteilung die einzelne Lokalsendung in den Quotenlisten noch weiter hinten landen dürfte als es das DSF schon tut.
2 Vetter Itt // 6. Feb 2009 um 11:41
schöne faktische Aufdröselung des Balkausky-Interviews. Ohne mir bislang ein wirliches Urteil über die zerstückelte Berichterstattung gebildet zu haben (Wettbewerb der Anstalten vs. tendenziöse Berichterstattung), ist es mir nach wie vor schleierhaft, warum die Sponsoren derart gegen das aktuell geplante Modell wettern. Verabscheidet man sich von dem Gedanken der einheitlihen Produktvermarktung, bleiben eigentlich nur Vorteile: höhere Reichweite, möglicherweise sogar bessere Zielgruppenansprache dank besagter tendenziöser Berichterstattung, seriöses Umfeld statt fragwürdiger Assoziation mit dem eher für sein Nachtprogramm denn sein Sportprogramm bekannten Sender DSF.
Äußerst interessant am Balkausky-Interview finde ich im übrigen die starke Betonung der Aufwertung der Tagesthemen, verbunden mit der positiven Anmerkung der Öffnung des Zeitfensters von 22 Uhr auf 21:45.
Meine Interpretation: Eine Verbindung mit Boudgousts Großprojekt “einheitliche Tagesthemen”. Auch angesichts des restlichen ARD-Programms würde eine einheitliche Startzeit 21:45 Sinn machen. Der Rest (um im Bild zu bleiben): do the maths
3 enrasen // 9. Feb 2009 um 13:25
kurze Anmerkung:
Wer macht denn bisher die Zusammenfassungen der Sportschau Spiele? Etwa die regionalen Angestellten der Dritten Programme? Meint tatsächlich jemand, dass die Zusammenfassung am Sonntag nun auf einmal anders werden würde, nur weil sie im Dritten versendet wird? Das macht doch keinen Sinn.
4 RealityCheck // 9. Feb 2009 um 17:55
Ich denke schon, dass ein und derselbe Sportjournalist mit anderer Zielgruppe im Hinterkopf anders arbeitet. Da fallen mir auf Anhieb genug Beispiele ein, wenn etwa zugleich für eine überregionale Tageszeitung und ein Klubmagazin geschrieben wird. Da fällt schon mal das ein oder andere kritische Wort unter den Tisch…
5 Thomas // 10. Feb 2009 um 13:16
Warum denn die 3 SWR-Versionen nicht getrennt betrachten? “Sport Arena”, “Flutlicht” & “Sport im Dritten” haben nicht wirklich Gemeinsamkeiten und werden wohl auch nicht fusioniert.
Was mir in deiner Analyse fehlt ist der Sportkanal-Zapper, der sich halt die Bundesliga anschaut. Meinst du der bleibt in der Sport Arena hängen und wartet bis das Spiel kommt? Dem ein oder anderen täte das sicherlich gut, ja - aber ich kanns mir nicht vorstellen.
Aber genau diese Leute wollen die Sponsoren doch ansprechen. Was juckt es denn den Durchschnittsdrinnenzuschauer, daß Krombacher jetzt Partner der Bundesliga ist? Rotwein weglegen, Bierchen kaufen oder wie? Und nein, ich glaube nicht an 14-49.
Ich selbst werde nächstes Jahr, falls arena nicht noch das ein oder andere Häschen aus dem Hut zieht, auf diese Berichte “angewiesen” sein und verlasse mich einfach mal darauf, daß dogfood mir den Weg zeigt
6 ckwon // 11. Feb 2009 um 10:28
Wenn man mit den Gebührengeldern sinnvoll umgehen will, dann macht man es doch folgendermaßen: Ein Sender produziert einen Beitrag im Stile der Sportschau für alle Dritten und die , die sneden wollen tun das.
Anschließend kann ja dann der Lokalsender noch einen Nachbericht machen, ähnlich dem, wie sie es oft bei den Sonntag/Montagsendungen eh machen. Dann stellt man sicher, dass die DSF-Reichweite erreicht wird, indem zumindest WDR, SWR und mdr die Berichte senden im Rahmen einer Sportsendung um 21.45 Uhr. Ich denke, dass würde auch die allseits beliebte Sport Arena eher aufwerten als abwerten, die Sendung kann man dann ja um 15 Minuten verlängern und hat ein schönes Lead-In für den Regionalsport. Aber nachher wird dann doch wohl jeder Sender für sich seinen eigenen Bericht nehmen oder nur den Kurzbericht wie er dann in den Tagesthemen kommen soll. Naja, abwarten und Tee trinken…
7 RealityCheck // 11. Feb 2009 um 10:38
Du weißt, dass das qua Selbstverständnis der ARD-Anstalten nicht geht.
Die sehen sich eben als unabhängig, und dann schickt eben jede Anstalt seine Mannschaft zu den Spielen. Ist ja auch heute schon der Fall, obwohl jedes Regionalprogramm auch auf die Arbeit der Sportschau-Redaktion zurückgreifen könnte. Außerdem ist das ja auch immer ein netter Ausflug. Wer lässt sich schon gerne ‘nen Bundesliga-Besuch nehmen?
Ich erinnere in diesem Zusammenhang auch an die Anfangsjahre des Privatfernsehens, als die ARD noch parallel zu RTL in regionalen Fenstern gegen 18.40 Uhr in einer regionalisierten Sportschau von den Spielen im Sendegebiet berichtete.
Hier bei mir (Sendegebiet des damaligen SWF) etwa gab es damals immer als erstes Spiel den FCK. Und das musste dann auch natürlich der SWF machen.
8 ckwon // 12. Feb 2009 um 10:35
Der FCK sollte sowieso immer der 1. Bericht in der Sportschau über die 1.Bundesliga sein…;-)
Du hast natürlich recht, es steht zu befürchten, dass die Sender, die es senden wollen, da es für sie ja auch ein Prestigeobjekt ist, sich gegenseitig übertrumpfen wollen. Ich nehme mal an, die benutzen wenigstens denselben Ü-Wagen. Nur den Reporter austauschen und den Bericht anders zusammenschneiden ist ja auch gar nicht ganz so teuer…Billiger, als Herrn Kerner einmal von Peking nach D und zurück zu fliege, um ein Freundschaftsspiel anzusagen…
Zumindest der SWR erweckte auf mich teilweise den EIndruck, dass u.U. die drei Sportsendungen gleiche Beiträge benutzen, wenn sie übers gleiche Thema berichten (zumindest vor ein paar Jahren als sie in ihren Sendungen die Zweitberichterstattung über die Bundesliga machten) Da könnte aber meine Erinnerung auch falsch sein.
Naja, ich behaupte mal dreist: Jeder der DSF empfangen kann, kann in D auch den WDR empfangen, von daher reicht es ja, wenn dieser eine Sportsendung mit allen BL-Spielen macht.
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