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Die DFL setzt einen Anreiz für Europacup-Erfolg

30. Januar 2009, 10:36 · 3 Kommentare

Endlich, mag man meinen. Zu oft in der Vergangenheit hatte man bei so manchem Bundesligisten, als stufe er seine Europacup-Auftritte als Kür, wenn nicht gar als lästige Pflicht ein. Das Ergebnis waren zum Teil weitaus schlechtere Auftritte gegen bescheidene Gegner, als die Leistung in der Liga hätte vermuten lassen können.

Da wird in der Liga mit allem Herzblut-Einsatz der große FC Bayern nach großem Kampf bezwungen, und im UEFA Cup die Woche drauf geht man gegen ein No Name aus dem Ostblock unter. Hat man in der Vergangenheit oft erlebt. Da kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es da an der Einstellung zum Europacup bei manch weniger ambitioniertem Klub haperte.

Nun hat die DFL ein gute Entscheidung getroffen und im Rahmen des neuen Verteilungsschlüssels der TV-Gelder einen kleinen Anreiz gesetzt.

Es ist zwar nur ein kleiner Anreiz, aber es ist ein lange notwendiger Schritt in die richtige Richtung.

Schaut man sich das Abschneiden der deutschen Teams im Europacup abseits des FC Bayern an, offenbart sich einem ein trauriges Bild. Erstrundenaus, unnötige Heimniederlagen gegen Unbekannte, Punktverluste gegen B-Mannschaften. Und das oftmals, obwohl viele dieser Gegner über einen geringeren Etat verfügen als der jeweilige Bundesligist.
Das wirklich Aberwitzige stellt sich aber erst dann ins Rampenlicht, wenn man später dann die Erfolge gegen große internationale Teams mit Rang und Namen sieht, oder eben am Wochenende in der Bundesliga.
Da sieht man dann, dass das Potential dagewesen wäre, um auch mit der Laufkundschaft im Europapokal fertig zu werden.

Denkt man über die Gründe für dieses Phänomen nach, kommt man immer wieder zu einem Punkt:

Viele Bundesligisten nehmen den Europacup nicht ernst genug.

Im Europacup gibt es oftmals Zugang zu den wirklichen Geldtöpfen erst in späteren Runden, besonders im UEFA Cup ist dies der Fall. Bis und ob überhaupt man diese Runden dann erreicht, erscheint manchmal fraglich. Oftmals sind die ersten Runden sogar für so manchen Bundesligisten ein Zuschussgeschäft, wenn man das große Stadion gegen kleine Gegner nicht voll bekommt, aber trotzdem volle Miete zahlen muss.

Und für die Spieler? Wirklich wichtig ist auch hier, was in der Bundesliga passiert. Die Kader vieler Bundesligisten sind recht dünn besetzt, wirkliche Rotation kann sich kaum einer ohne deutlichen Leistungsabfall leisten. Ergo spielen die selben Spieler im Europapokal und auch am Wochenende in der Liga. Dass dann so mancher - auch angesichts mangelnder Konkurrenz von der Bank - sich seine Kräfte einteilt, ist da fast logisch. Nur warum setzt so mancher Spieler dann den Fokus auf die Bundesliga? Ganz einfach. Die Bundesliga ist Butter und Brot. Die Bundesliga dominiert die Presse auch in Europacup-Wochen an den meisten Tagen. Die Bundesliga-Sportschau bringt mehr Einschaltquoten als so manches UEFA Cup Livespiel. Die Bundesliga bezahlt den Arbeitsplatz des Profis.

Kein Wunder, dass dann das Hauptaugenmerk von Klubführung und Spielern auf das Tagesgeschäft Bundesliga gelegt wird. Es gibt für viele Bundesligisten zu wenige Anreize, im Europacup erfolgreich zu sein. Nur ganz wenige definieren sich qua DNA auch über das Abschneiden unter Europas Besten.

Ein Einschreiten war hier dringend geboten, und die DFL hat - natürlich auch etwas gedrängt von den Spitzenklubs - sich zu einer Lösung durchgerungen, die ein Schritt in die richtige Richtung ist.

Ein Großteil der TV-Einnahmen der Bundesliga aus der Auslandsvermarktung werden in Zukunft, neben einem Sockelbetrag nach Tabellenplatz, leistungsabhängig vergeben. Aber hierzu wird nicht die Leistung in der Bundesliga, sondern nach UEFA-Fünfjahreswertung herangezogen. Wer also selten im UEFA Cup vertreten ist und dort auch noch häufig früh die Segel streicht, sieht deutlich weniger als die Stammgäste in der Champions League KO-Runde.

Vielleicht führt dies nun zu einem gewissen Umdenken bei Klubverantwortlichen, dass man das schlechte Abschneiden der Bundesliga im Europacup nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Denn dies schadet dem Image der Liga, schadet der Einnahmesituation und erschwert die Verpflichtung von gutem Personal. Und vielleicht kommt es dann auch bei dem ein oder anderen Spieler an, dass sein Arbeitsplatz auch vom Europapokal abhängt. Man möchte es für die Zukunft der Bundesliga hoffen, die ja anstrebt, mittelfristig wieder unter die Top 3 von Europas Ligen zu kommen.

Tags: 2. Liga · Bundesliga · Fußball · Sport

Bisher 3 Kommentare ↓

  • 1 deion // 10. Feb 2009 um 17:18

    Ich kann Deiner Argumentation hinsichtlich der Erfolge im Europapokal zwar folgen, teile Sie aber nicht. Ganz im Gegenteil: Die Entwicklung der Verteilung der Fernsehgelder wird der Liga mittel- und langfristig großen Schaden zufügen. Der von dir beschriebene Verteilungsschlüssel folgt dem Prinzip: “Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.” Das heißt, wer oben steht oder auch noch international spielt bekommt am meisten Geld. Damit werden die besten Spieler gekauft, die für sportlichen Erfolg (sprich internationales Geschäft, oberer Tabellenplatz) sorgen. Also wieder mehr Geld usw. usw. usw. Die Schere geht immer weiter auseinander und am Ende haben wir in 8 von 10 Jahren Bayern als Meister, wobei der sportliche Wert dieser Meisterschaften angesichts der riesigen Unterschiede bei den wirtschaftlichen Voraussetzungen sinkt. Ich empfehle das Interview von Heribert Bruchhagen bei welt-online (http://www.welt.de/sport/fussball/article3134543/Klage-ueber-verheerendes-Ungleichgewicht-der-Liga.html).
    Das Problem ist doch, das selbst mit größter Seriösität und Anstrengung die wirtschaftlichen Nachteile nicht mehr aufszuholen sind.

  • 2 RealityCheck // 10. Feb 2009 um 17:55

    Die Schere geht immer weiter auseinander und am Ende haben wir in 8 von 10 Jahren Bayern als Meister, wobei der sportliche Wert dieser Meisterschaften angesichts der riesigen Unterschiede bei den wirtschaftlichen Voraussetzungen sinkt.

    Sorry, aber das ist doch auch jetzt schon der Fall. Auch ohne stärkere Belohnung von Europapokal-Erfolgen.

    Der Grund für die Bayern-Dominanz liegt nicht im TV-Geld, sondern in den vergangenen Erfolgen, den Merchandising-, Stadion- und Sponsoringeinnahmen, die durch die Bank in einer komplett anderen Liga als der Rest der Bundesliga liegen. Wobei letzteres auf der Beliebtheit/Bekanntheit der Bayern beruht, die ursächlich mit den Erfolgen in den 70ern zusammenhängt.

  • 3 deion // 10. Feb 2009 um 20:02

    Gebe ich Dir Recht. Nur wird diese Dominanz durch die Verteilung der Fernsehgelder noch verstärkt. Etwas was sowieso schon in die falsche Richtung läuft, muss man es ja nicht fortsetzen. Und irgendwo sollte man endlich mal ansetzen, um wieder ein bisschen mehr Balance herzustellen. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich eher für die radikale Lösung wäre, d. h. gleiche Fernsehgelder für alle und einen Salary Cap (vergleichbar mit der NFL).

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