PREMIERE CEO Mark Williams verkündete schon kurz vor Weihnachten im Rahmen der Pressemitteilung zur neuen Finanzierungsstruktur, dass es auch im neuen Jahr einige Veränderungen bei PREMIERE geben würde. Ein Punkt betrifft die Abostruktur, die demnach innerhalb weniger Monate erneut umgeworfen wird.
Premiere will eine klare und einfache Preis- und Angebotsstruktur einführen, in die alle Abonnenten überführt werden sollen. Die geplante neue Preis- und Angebotsstruktur basiert auf einem „Buy-Through“-Modell, bei dem alle Abonnenten zuerst Zugang zu einem breiten und attraktiven Angebot mit einer Vielzahl von Programmfarben und Sendern erhalten und darauf aufbauend Premium-Angebote wie Filme oder Sport abonnieren können. Die Migration der Abonnenten in die neue Struktur soll im Vergleich zum Status Quo Komplexität und Kosten deutlich senken und Premiere eine erheblich einfachere Kommunikation mit den Kunden ermöglichen.
Dies kam nicht überraschend. Denn schaut man sich die Abostruktur bei anderen Pay-TV-Betreibern weltweit und hier besonders bei News Corporation-Töchtern an, war zu erwarten, dass ähnliches auch in Deutschland bei PREMIERE Einzug halten dürfte.
Was sind also die Konsequenzen? Die größte Auswirkung dürfte sicherlich bei den Kunden von einzelnen Premiumpaketen (also nur das Filmpaket oder nur Sport bzw. Bundesliga) zu spüren sein. Dies wird in Zukunft so nicht mehr abonnierbar sein.
Wirft man einen Blick auf Sky UK oder Sky Italia, so erkennt man deutlich einen roten Faden.
Es gibt mehrere, nach Themen gegliederte Basispakete, die man einzeln abonnieren kann. Zugriff auf die Premiuminhalte, die Film- und Sportpakete oder auch HDTV, hat man erst, wenn man mindestens eines dieser Basispakete abonniert hat.
Bei Sky UK sind diese Basispakete, genannt Mixes, auf die Themen Variety (Unterhaltungssender wie Sky One), Children (Kindersender wie Nickelodeon), Knowledge (Dokusender wie Discovery), Music (Musiksender wie MTV), Style (Lifestylesender wie etwa UKTV Style) und News & Events (Nachrichtensender wie Fox News, jedoch findet sich hier auch Eurosport).
Sky Italia bietet die Pakete Bambini (Kinder), Intrattenimento (Unterhaltung), Musica (Musik), Documentari (Dokus) und News (welches gratis in allen Paketen enthalten ist).
Für die zukünftige Struktur bei PREMIERE lassen sich daraus einige Rückschlüsse ziehen. Legt man dies zugrunde, erscheinen einem Basispakete etwa vom Einschlag Unterhaltung, Kinder, Dokumentationen und Musik wahrscheinlich. In diese Pakete würden die jetzigen Sender der Pakete FAMILIE und STAR eingeteilt. Weitere Sender könnten hier noch dazukommen, etwa der Murdoch-Sender National Geographic, dessen Aufschaltung auf der PREMIERE-Plattform nur eine Frage des Wanns sein dürfte.
Hierauf aufbauend gibt es dann Premiumpakete. Bei Sky UK gibt es derer zwei (Sport und Film), während Sky Italia den Sportbereich auf Sport und Fußball aufteilt und daher drei Premiumpakete anbietet. Letzteres ähnelt der jetzigen Aufteilung bei PREMIERE.
Hinzu gibt es die Option HDTV, wobei einem jeweils gegen Aufpreis die entsprechenden HD-Sender des abonnierten Grundpakets freigeschaltet werden.
Fragen bleiben noch einige offen. Zuerst wäre da die Preisgestaltung. Die obere Grenze ist sowohl bei Sky UK als auch bei Sky Italia - Währungseffekte des Pfunds außen vor gelassen - höher angesiedelt als bei PREMIERE. Ob dies aber in Deutschland durchsetzbar wäre, ist fraglich.
Ebenso wirft die wahrscheinliche Verschmelzung von FAMILIE und STAR Fragen bei der Kabelvermarktung auf. Zeigt man den Kabelkunden hier die kalte Schulter und bietet das volle Programm nur über Sat? Bietet man im Kabel andere Preise an? Gibt es gar eine Kooperation mit den Kabelnetzbetreibern?
Es bleibt zumindest spannend. Spätestens im Sommer (die neue Struktur kann es erst geben, wenn die 20-Euro-Hürde der DFL-Verträge nach dieser Saison fällt) wissen wir mehr.

Bisher 7 Kommentare ↓
1 NoteMe // 11. Jan 2009 um 15:07
Ich finde die Maximalpreise nicht so wichtig wie die untere Grenze beim Einstieg. Wenn man da mal konservativ rechnet, dürfte für die Bundesliga ab nächstem Jahr geschätzte 20 Euro für den Zugang (und irgendwelche mehr oder weniger gewollte Kanäle) + 10-20 Euro für den Fußball selbst zusammenkommen.
Unter solchen Umständen kann man von mir aus gern argumentieren, dass die Kunden bei geschätzten 35 Euro eher bereit sein würden, noch mal 15 oder 20 Euro drauf zu legen, um das volle Programm zu bekommen, aber wie viele bisherige Kunden sagen dann auch einfach tschüss?
Vielleicht weiß es Herr Williams auch einfach besser, und der Deutsche Kunde kann 2009 statt kleiner Preise plötzlich mehrstelligen Preiserhöhungen nicht mehr widerstehen.
2 RealityCheck // 11. Jan 2009 um 15:25
Im Endeffekt wären 35 Euro für die Bundesliga inkl. diversen anderen Sendern aber nichts anderes als die Rückkehr zum Preis vor dem Rechteverlust an arena. Und es gibt nicht wenige, die einen Preis von nur 20 Euro, den arena eingeführt hat, die ganze Chose nicht refinanzierbar macht.
3 sunny2k1 // 12. Jan 2009 um 17:11
Darf ich dir meine Tendenz zu dieser Frage geben? UM z.B. fängt ja schon an sämtliche Doppelbesetzungen im Kabel (z.B. Passion, FOX, 13th Street) zu beseitigen. Als UM-Kunde (derzeit ohne Premiere (Buli noch via UM)) wird auf den Sendeplätzen mit der Kennung “Kanalname (UnityMedia) eine Tafel gesendet, die auf die Premiere-Variante von FOX und Co. verweist.
Premiere (auch der eigenen Kunden wegen) braucht die Kabelnetzanbieter, die Kabelanbieter (auch der eigenen Kunden wegen) brauchen Premiere .
Zudem scheint die aktuelle Premiere Geschäftsführung sich kooperativer zu zeigen als die Vorgänger (v.a. Kofler hat ja sehr scharf gegen die KNBs geschossen). Kofler hat es sich nicht nur mit den Abonnenten und Aktionären verscherzt, sondern auch mit den KNBs.
Ich glaube sogar, dass die aktuelle Premiereführung so Sender wie z.B. NASN, sportsdigitalTV, Eurosport2 mit offenen Armen aufnimmt. Sie würden Premiere nicht kleiner machen, im Gegenteil, ergänzen das leere Sportportal. Premiere könnte sich als Premiumanbieter beim Fußball, Golf, Wrestling und deutsches Eishockey darstellen, perfekt ergänzt von NASN/ESPN America (vielleicht mit zukünfitg eigenem deutschen Ableger (je nach Erfolg)) für US Sport, sportsdigitalTV für Randsportarten wie BBL, Volleyball oder Handball, ESP ebenfalls für europäischen Basketball und Funsportarten.
Das Filmarsenal könnte man mit TMC, Silverline und Kinowelt ergänzen. Dokus mit NGC, etc.
4 RealityCheck // 12. Jan 2009 um 17:23
Wäre der deutsche TV-Markt nicht so vom Kabel abhängig (in UK und Italien hängen weitaus weniger Haushalte am Kabel), würde ich diese Theorie auch absolut vertreten - denn so läuft es auch in den anderen zwei angesprochenen Märkten.
So bin ich mir da nicht ganz sicher, ob es in Deutschland genauso abläuft bzw. ob das für PREMIERE Sinn macht.
Das ist auch der Punkt, den ich am spannendsten halte. Wie sieht das “neue PREMIERE” das Verhältnis zu den Kabelnetzern?
5 DonkeyMoon // 12. Jan 2009 um 18:46
Dass Star und Familie aufgeschnürt und neu zusammengestellt werden, hielte ich für eine ausgemachte Sache - wäre da nicht das Kabel. Wird wirklich spannend, wie das geregelt wird.
Ich denke nicht, dass viele abspringen, wenn es kein “BuLi nackt” mehr gibt. Wer einmal bereit ist, für Pay-TV Geld auszugeben, wird auch den ein oder anderen Zehner mehr ausgeben.
“Die obere Grenze ist sowohl bei Sky UK als auch bei Sky Italia - Währungseffekte des Pfunds außen vor gelassen - höher angesiedelt als bei PREMIERE.”
Wenn ich das richtig sehe, kostet “PREMIERE total” momentan €53,99. Das war auch schon mal mehr, von daher glaube ich nicht, dass sie in völlig neue Preisregionen vorstoßen werden.
Das Produkt muss stimmen. Daran muss PREMIERE arbeiten, weniger an Einstiegs- und Komplettpreis.
6 RealityCheck // 12. Jan 2009 um 18:58
Ich denke, da sind wir uns einig. Besonders im Sportbereich liegt da derzeit einiges im Argen. Wenn beinahe jedem Sportfan ein, zwei Sportrechte auf Anhieb einfallen, die das Programm für relativ wenig Geld deutlich aufbessern würden, sagt das doch einiges.
Nur muss man wohl da nun leider abwarten, bis das Geld aus der zweiten Tranche der Kapitalerhöhung in der Kriegskasse liegt.
7 NoteMe // 13. Jan 2009 um 0:25
Vielleicht kann man sich der Sache auch von einer anderen Richtung aus nähern: Wohin müsste Premiere den ARPU bringen, um profitabel arbeiten zu können? Reicht das sky-Modell dazu aus? Und welche Auswirkungen hätte es gleichzeitig auf die Abonnentenzahl?
Ich bin mir aus dem Bauch heraus recht sicher, dass der Dreisatz aus Kostenstruktur, ARPU und Kundenzahl unter den aktuellen Bedingungen keine Lösung hat, für die Premiere profitabel ist, und wäre entsprechend überrascht und beeindruckt, wenn Mr Williams dieses trotzdem schaffen würde.
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