sportmedienblog

Ein Blog für Sport, Medien und Sportmedien

sportmedienblog header image 2

Rangnicks zunehmende Dünnhäutigkeit

7. Januar 2009, 21:51 · 15 Kommentare

Nicht gerade die schlimmstdenkbare Beleidigung, die die Waldhof-Fans da beim Hallenturnier in Mannheim ausgestoßen haben. Nicht nur, dass sie die TSG Hoffenheim ständig ausbuhten und deren Gegner anfeuerten, nein es erklang auch folgendes:

“Ohne Dietmar wärt Ihr gar nicht hier.”

Darüber echauffierte sich Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick derart, dass er Journalisten in den Schreibblock diktierte, Dietmar Hopp solle seine finanzielle Unterstützung für den angeschlagenen Viertligisten aus der Nachbarschaft des Bundesliga-Aufsteigers überdenken.

Dabei hatten diese sogar eigentlich doppelt recht.

Erstens ist es schlicht und ergreifend die Wahrheit, dass die TSG Hoffenheim ohne Dietmar Hopp nicht dort stünde, wo sie nun steht. Nämlich in der Bundesliga und als gern gesehener Gast bei Hallenturnieren. Denn, diese Realitäten dürften dem Fußballprofessor nicht entgangen sein, ohne finanziellen Background ist Profifußball nicht haltbar. Daher der Name Profifußball. Normalerweise kommt das Startkapital für einen aufstrebenden Fußballverein aus dem direkten Umfeld. Aus den Ticketeinnahmen der Fans. Da ist es simple Mathematik, dass es ein Dorfclub schwerer als eine Mannschaft aus einer Metropole haben wird, auf eine finanziell achtbare Basis zählen zu können.
Rangnick dürfte also sehr wohl bewusst sein, dass ein Dorf mit gut 3000 Einwohnern nie und nimmer aus eigener Kraft Bundesliga-Fußball hätte aufbauen können.
Ergo muss ein Gönner, ein Mäzen, ein Investor her. Dietmar Hopp.
Dietmar Hopp zahlt die Mannschaft, Dietmar Hopp zahlt das Stadion, Dietmar Hopp zahlt das Trainingsgelände, Dietmar Hopp zahlt Ralf Rangnick. Das bestreitet niemand wirklich.
Ralf Rangnick hat selbst erst in einem Interview mit der Sport Bild erklärt, dass er aus reiner Höflichkeit Dietmar Hopp nicht schon am Telefon abgesagt habe, als dieser ihm den Posten als Trainer andiente. Sonst gab es keinen Grund, bei diesem Angebot in Jubelstürme auszubrechen. Aber dann habe ihn eben jene Person Dietmar Hopp davon überzeugt, den Job im Dorf Hoffenheim anzunehmen.
Ohne Dietmar wäre also Rangnick selbst nach eigener Aussage nicht hier. Und Rangnicks Selbstbewusstsein sollte doch mindestens so groß sein, dass er sich einen gehörigen Teil des Aufstiegs zuschreiben dürfte.

Zweitens fand das Hallenturnier in der Mannheimer SAP Arena statt. Finanziert, gebaut und betrieben von - genau, Dietmar Hopp. Ohne Dietmar wäre diese Multifunktionsarena also auch nicht hier.

Die Waldhof-Fans hatten also absolut Recht mit ihrem vermeintlichen Schmähgesang. Verwunderlich ist hier nur, dass Rangnick sich hierüber so heftig aufgeregt hat. Niederlage in einem sportlich unbedeutenden Wettbewerb hin oder her.
Auch, dass die jeweiligen Hoffenheimer Gegner angefeuert wurden, hätte ihn nicht verwundern dürfen. Dass die TSG besonders beim Waldhof-Anhang, aber auch - trotz positiver Presseresonanz, besonders des Boulevards - bundesweit nicht gerade einen Beliebtheitspreis einheimsen würde, ist ja nun auch keine Neuigkeit. Bei Bayern-Spielen ist es schon lange Usus, und Offizielle wie Fans des Rekordmeisters haben sich daran gewöhnt.

Rangnick dagegen kann damit nicht umgehen. Warum?

Eine Theorie wäre, dass er es nicht gewohnt ist, bei einem im Fokus stehenden Team, welches womöglich auch noch polarisiert, zu arbeiten. Hiergegen spräche aber sein Engagement bei Schalke 04, währenddessen er von BILD und Damals-Manager Assauer gehörig befeuert wurde.

Daher spricht einiges für eine andere Überlegung. Rangnick möchte mit Hoffenheim Deutscher Meister werden. Dieses Ziel mag er nicht offiziell formuliert haben, aber es passt zu seinem Charakter. Rangnick will nach ganz oben, er gibt sich nicht mit weniger zufrieden.
Nach dieser hervorragenden Hinrunde sieht er sich so nah wie noch nie an seinem großen Ziel. Aber er kennt auch aus eigener Erfahrung viele Mannschaften, die in der Rückserie eingebrochen sind. Aus den verschiedensten Gründen. Mentale Gründe sind ein nicht zu unterschätzender Faktor, mit dem sich der Herbstmeister befassen wird müssen.
Denn anders als in der Hinrunde ist es nun nicht mehr TSG Hoffenheim, sympathischer Dorfklub, Aufsteiger, sondern TSG Hoffenheim, Herbstmeister.
In der Rückrunde wird die Spieler eine ganz andere Athmosphäre erwarten. Man wird sie ernst nehmen, man wird sie schlagen wollen. Unbedingt. Man wird gegen den Herbstmeister seine Spielweise anpassen, sich hinten rein stellen. Die ersten siebzehn Spieltage waren dagegen ein Spaziergang. Das wird ganz lustig für die junge Truppe.

Und das weiß wohl Rangnick. Und es macht ihm Angst, es gefährdet seinen Traum. Und es personifizierte sich bei eben jenem Hallenturnier in den Gesängen, dem Verhalten des Waldhof-Anhangs.

Tags: Bundesliga · Fußball · Sport

Bisher 15 Kommentare ↓

  • 1 FAN ! // 7. Jan 2009 um 22:17

    Guter Artikel !! Was ganz anderes: Für mich unverständlich das BBC die Formel 1 nicht im Hochauflösendem Format HDTV überträgt. Und nochmal was anders: Die BBC wird bei Top Gear denn Sparstift ansetzen siehe hier:
    http://www.digitalspy.co.uk/tv/a139474/top-gear-to-face-budget-cuts.html

  • 2 RealityCheck // 7. Jan 2009 um 22:32

    Man glaubt es kaum, aber: Die F1 wird derzeit noch nicht in HDTV produziert, daher kann die BBC diese auch nicht in HD ausstrahlen.

    @Top Gear:

    Also keine Wohnmobil Destruction Derbies mehr… ;)

  • 3 mob // 8. Jan 2009 um 1:36

    ich hab keine ahnung, was rangnicks angesaeuertheit ueber die fangesaenge mit seinem saisonziel zu tun haben… vielleicht hatte er einfach einen schlechten tag. man sollte nicht alles ueberinterpretieren.

    imho ein ueberfluessiger artikel, aber dass hier kein hoffenheim-sympathisant schreibt, war ja schon oefter zu merken.

  • 4 Weeda // 8. Jan 2009 um 2:27

    Die Frage ist doch: Wo wäre Waldhof ohne Hopp?

  • 5 Stephen // 8. Jan 2009 um 9:30

    Ich empfehle Herrn Rangnick mal beim FCB anzurufen und zu fragen, wie man mit ständigen Schmähungen umgeht. Oder mal die Derbys BVB-So4 anzuschauen. Solche Sprüche gehören nun mal dazu und die Gesänge, über die sich Rangnick da so echauffiert sind ja noch vergleichsweise harmlos. Die Hoffenheimer hätten sich doch vorher ausmalen können, dass Hopp als Mäzen eine beliebte Zielscheibe abgeben würde. Ob das fair ist oder nicht, das ist den Fans doch egal. Daher verstehe ich nicht, dass andauernd rumgemault wird, sobald Hoppenheim mal aufs Korn genommen wird.

  • 6 RealityCheck // 8. Jan 2009 um 10:15

    ich hab keine ahnung, was rangnicks angesaeuertheit ueber die fangesaenge mit seinem saisonziel zu tun haben…

    Siehe oben, das habe ich dargelegt. Und Stephen hat es genau richtig erkannt.

    Solche Sprüche gehören nun mal dazu und die Gesänge, über die sich Rangnick da so echauffiert sind ja noch vergleichsweise harmlos.

    Es war an Harmlosigkeit fast nicht zu toppen. Und die Vehemenz, die Rangnick dann in Folge an den Tag legte, überraschte. Und da macht man sich eben seine Gedanken, warum er bei so lächerlich simplen Gesängen schon so aus der Haut fährt. Da muss also ein tieferer Grund liegen.

  • 7 links for 2009-01-08 | Du Gehst Niemals Allein // 8. Jan 2009 um 13:04

    [...] Rangnicks zunehmende Dünnhäutigkeit Ralf gibt den Hoeneß, und alle machen mit (tags: hoffenheim fans bundesliga rangnick) [...]

  • 8 forlan // 8. Jan 2009 um 16:06

    hmmm, ich kann mir nicht vorstellen, dass die dünnhäutigkeit nur in der angst um das ziel meisterschaft begründet liegt. denn rangnick hat ja schon im allerersten erstliga-spiel die krude etat-geschichte losgelassen. so á la “unser etat ist kaum größer las der von cottbus”.

    ich glaube er ist einfach generell ein dünnhätiger mensch, daher reagiert er auch immer so angesäuert. naja, so isser dann wohl eben. es erscheint dann irgendwann auch dünnhätig wenn man sich immer wieder über dünnhäutigkeit aufregt.

  • 9 Danny // 8. Jan 2009 um 20:44

    guter unterhaltsamer Artikel eigentlich. Aber es bleibt wieder der Eindruck übrig, dass hier gerne Stimmung gegen Hoffenheim gemacht wird.

    Eine “zunehmende Dünnhäutigkeit” kann man zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht in den Raum werfen. Dies müsste man ja langfristig beobachten.

    Dem Rangnick ist halt der Kragen geplatzt. Zwar sind seine Aussagen indiskutabel (Mannheim das Geld streichen), aber Herrschaften, macht nicht gleich immer eine große Nummer draus… (wie auch bei stern.de)

  • 10 RealityCheck // 8. Jan 2009 um 21:00

    Wenn ich mich auf Hoffenheim eingeschossen hätte, hätte ich heute noch was zur diskutablen Einordnung von Ibisevic in die “Weltklasse” durch den Kicker geschrieben. Ich hab’s aber dann nicht gemacht, auch wenn’s mich in den Fingern gejuckt hat… ;)

  • 11 Trainer Baade // 9. Jan 2009 um 5:28

    Oh, schade, ich hätte es sicher gerne gelesen.

  • 12 G. Egelseer // 10. Jan 2009 um 0:13

    Wird langsam lächerlich!

  • 13 Adonis // 10. Jan 2009 um 16:36

    @ RealityCheck:

    “Denn anders als in der Hinrunde ist es nun nicht mehr TSG Hoffenheim, sympathischer Dorfklub, Aufsteiger, sondern TSG Hoffenheim, Herbstmeister.
    In der Rückrunde wird die Spieler eine ganz andere Athmosphäre erwarten. Man wird sie ernst nehmen, man wird sie schlagen wollen. Unbedingt. Man wird gegen den Herbstmeister seine Spielweise anpassen, sich hinten rein stellen.”

    Verstehe ich nicht: Hat etwa Schalke am 17. Spieltag vor dem Spiel gedacht, ach, das ist ja nur ein Aufsteiger, die putzen wir weg. Nein, sicher nicht, denn es ging ja gegen den Tabellenführer nach 16 Spieltagen.

    Für Cottbus am 18. Spieltag geht es jetzt gegen den Tabellenführer nach 17 Spieltagen. Die werden mit ähnlichen Gefühlen rangehen.

    Deine Argumentation geht ja dahin, dass Mannschaften ihre Gegner nur zweimal im Jahr evaluieren . im Sommer und im Winter und alles was dazwischen passiert völlig ignorieren. Das kann ja wohl kaum sein.

    PS: Auch ich muss mich etwas dem in einigen Kommentaren angedeuteten Befremden anschließen, das hier ein gutes Blog für Sporthintergründe Gefahr läuft, zum Werkzeug einer persönlichen Vendetta gegen Hoffenheim gemacht zu werden. Das brauche ich zumindest nicht in Blogform - und ich kann mir nicht vorstellen, dass sowas sonst noch viele interessiert.
    Also, bitte wieder sachlicher interessantere Themen.

  • 14 RealityCheck // 10. Jan 2009 um 17:04

    Auch ich muss mich etwas dem in einigen Kommentaren angedeuteten Befremden anschließen, das hier ein gutes Blog für Sporthintergründe Gefahr läuft, zum Werkzeug einer persönlichen Vendetta gegen Hoffenheim gemacht zu werden.

    Ganz ehrlich:

    Das kann ich nicht nachvollziehen.

    Mit dem Thema Hoffenheim befassen sich hier seit Bestehen des Blogs ganze drei Einträge, einer davon kritisiert mehr die Medien und deren Umgang als Hoffenheim selbst. Zugegeben: Alle drei finden sich unter den letzten sieben Artikeln.

    Was aber auch daran liegt, dass ich über die Feiertage nichts geschrieben habe und generell die Nachrichtenlage derzeit etwas dünn erscheint. Winterpause eben.

    Nichtsdestotrotz mache ich aus meiner gewissen Ablehnung von Hoffenheim auch keinen Hehl. Warum auch. Es geht hier um Meinung. Und meine Meinung ist eben, dass das Projekt Hoffenheim ungerecht gegenüber anderen Klubs und deren Fans ist. Außerdem nervt mich persönlich auch der Kotau, den Fußball-Deutschland im letzten Halbjahr vor dem sicherlich diskutablen Projekt Hoffenheim gemacht hat.
    Denkverbote mag ich schon mal gar nicht.

    Trotzdem respektiere ich Hoffenheim und deren sportliche Erfolge und versuche sie soweit wie möglich unabhängig vom Geschehens abseits des Platzes zu beurteilen.
    Und nicht wegen, sondern unabhängig von dieser Meinung über die wirtschaftlichen Hintergründe halte ich die Spielweise von Hoffenheim für stark foulorientiert (siehe auch die Statistik) und die jetzigen Reaktionen von Rangnick für überzogen - um mal auf zwei der Einträge einzugehen.

    Aber, und das ist das Versprechen für das neue Jahr, Hoffenheim wird hier bestimmt nicht das zentrale Thema im neuen Jahr. Beileibe nicht. ;)

  • 15 Danny // 10. Jan 2009 um 18:43

    @ reality check: im Grunde bin ich ja froh darüber, dass nicht überall nur positiv über Hoffenheim berichtet wird. Aber objektiv sollte es sein.
    Das positive Image von Hoffenheim resultiert nicht überwiegend aus einer positiven Berichterstattung der Medien. Im Grunde wird jeder, der über Premiere regelmäßig Fussball guckt, von Spiel 1 an begeistert über Hoffenheims Spielkultur gewesen sein (und auch zuvor schon in Liga 2). Du hast deine Meinung über Hoffenheim auf Basis eines einzigen Spiels getroffen und überwiegende Härte kritisiert. Bevor und so etwas öffentlich kritisiere, erwarte ich, ob diese Beobachtung sich auch bei weiteren Spielen wiederholt und ob diese Härte überdurchschnittlich ist.
    Deine Ablehnung gegenüber Modell Hoffenheim beeinflusst meines Erachtens ganz klar die Berichterstattung über Hoffenheim. Und das hat mich in diesen Blog schön irritiert. Da erwarte ich mehr.

    Und gibt es einen Unterschied zwischen Hoffenheim und Wolfsburg sowie Leverkusen?

    Viele Grüße Danny

Kommentar hinterlassen