Ok, zugegeben: Die Überschrift ist etwas arg boulevardesk. Aber dieses Thema liegt mir schon länger auf der Seele.
Vergraulen Uli Hoeneß und der restliche Vorstand Franck Ribéry durch ihre Einkaufspolitik mittelfristig aus München? Der Franzose hat noch einen Vertrag bis 2011. Aber bekanntlich muss man nach der nächsten Saison ihn entweder zu einer Vertragsverlängerung bewegen oder ihn verkaufen - wenn man ihn nicht ablösefrei ein Jahr später ziehen lassen will. Dies wäre natürlich auch eine Option, die man schon bei Ballack gewählt hat (wobei sich Franck schon nach vier Wochen mehr mit Bayern identifiziert hat als Ballack nach vier Jahren).
Trotzdem sollte man sich bei Bayern der Realität stellen: Man muss sich strecken, damit dieser Spieler seinen Vertrag in München verlängert und nicht spätestens mit 28 Jahren zu einem der europäischen Riesenklubs wechselt. Doch wie erreicht man das, dass Ribéry seine besten Jahre in München verbringt?
Bestimmt nicht durch die Einkaufspolitik der letzten Monate. Einzige Zugänge diesen Sommer: Tim Borowski, ablösefrei, und Massimo Oddo, ausgeliehen. Dafür Schlaudraff und Jansen abgegeben. Nun wird im Winter Landon Donovan ausgeliehen, weiter gibt es die Spekulationen um Zenits Anatoly Tymoschshuk, der vielleicht doch schon vor der neuen Saison in München seine Zelte aufschlägt.
Einen Spieler wie Franck Ribéry, bei Europas Wahl zum Fußballer des Jahres gerade auf Platz 16 gewählt, hält man in München nur mit einer Perspektive - die Champions League. Man hat zwar diese Saison schon eine recht souveräne Gruppenphase abgeliefert, aber - selbst wenn man OL im letzten Spiel überholen sollte - wird man nicht zum natürlichen Favoritenkreis auf den Titelgewinn gezählt werden. Dafür ist einfach die Klasse in der Mannschaft zu dünn. Die erste Mannschaft ist ja, das will man gar nicht bestreiten, auf den meisten Positionen sehr gut bis herausragend besetzt (Schwächen sehe ich etwa auf der Rechtsverteidigerposition und im defensiven Mittelfeld). Aber dahinter wirkt Bayern nicht so gut besetzt wie andere Topteams Europas. Das beste Beispiel hier ist die Linksverteidigerposition. Fehlt Lahm, muss schon ein Ze Roberto dort aushelfen, der dann in der Mitte das dort existierende Leistungsloch vergrößert. In Spielen gegen die europäische Creme de la Creme kann man sich solche Mängel nicht leisten. Auch im Sturm kommt hinter Toni und Klose derzeit nichts. Podolski ist mit den Gedanken schon in Köln, bei Donovan muss man abwarten, in wieweit er sich auf diesem Niveau durchsetzen kann (ich halte persönlich sehr viel von ihm und bin richtig gespannt auf die Rückrunde).
Auf den Außen kann man links Ribéry natürlich nicht ersetzen, was jedoch nicht so vermeidbar ist, wie die Schwäche auf Rechts. Schweinsteiger spielt zwar inzwischen auf einem deutlich höheren Niveau und konstanter als in den Jahren zuvor, aber trotzdem nimmt er sich auch diese Saison manchmal seine Pausen. Dahinter kommt ein Jose Ernesto Sosa, der den Sprung auf Bundesliga-Niveau immer noch nicht geschafft hat.
Auf jeden Fall haben die meisten Ersatzspieler der Bayern eines gemeinsam: Sie setzen die etablierten Stammspieler zu wenig unter Druck und - löbliche Ausnahmen Tim Borowski und van Buyten - zeigen bei (Kurz-)Einsätzen zu wenig Leistung, bringen zu wenig neuen Schwung in die Mannschaft.
Es fehlt ein weiterer Linksverteidiger (je nach Gesundheitsstand von Sagnol auch einer für Rechts), ein weiterer offensiver Außenspieler und ein weiterer Stürmer. Das Problem in der Mitte sollte ja durch den Ukrainer gelöst werden. Und es ist nicht damit getan, etwa Mehmet Ekici - bei allem Talent - als einen dieser Spieler zu sehen. Das hilft nicht kurz- sondern nur mittel- bis langfristig.
Ein solcher Kader kann gar nicht zum Favoritenkreis der Champions League zählen. Und es tut mir in der Seele weh, wenn ein so genialer Fußballer wie Franck Ribéry von der Vereinsführung nicht bessere Spielerqualität in der Breite zur Seite gestellt bekommt. Denn Ribéry kann sich inzwischen die Mannschaften, für die er spielt, aussuchen. Er dürfte sich bei seinem nächsten Vertrag für einen Favoriten auf den Champions League-Titel entscheiden. Und ich hoffe nicht, dass diese Mannschaft nach 2011 nicht mehr Bayern heißt.

Bisher 2 Kommentare ↓
1 jensen // 3. Dez 2008 um 23:40
Klingt zwar irgendwie komisch, dieses Wort mit Bayern München in Verbindung zu bringen, aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass Ribery den FCB als Sprungbrett nach ganz oben nutzt. Da stehen derzeit eben andere Vereine als die Bayern - nicht nur, was die sportliche Perspektive, sondern auch was die finanziellen Mittel angeht. Von daher sehe ich eine große Wahrscheinlichkeit, dass er 2010 die Biege macht.
2 Sebastian // 6. Dez 2008 um 23:47
Oh, ein Text über die Mannschaft der Bayern, ohne Toni Kroos zu erwähnen. Interessant. Es kommt darauf an, was Ribéry erreichen möchte. Titel sammeln, kann er bei den Bayern. Mehr Kohle gibt es sicherlich woanders.
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