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Einmal Schnitzel, direkt auf die Hand

18. November 2008, 11:45 · 13 Kommentare

Nein, es soll hier nicht um Restauranttipps gehen, wo man ein prima Wiener Schnitzel bekommt. Das wissen wir ja bereits.
Es geht um etwas, was mich in letzter Zeit immer mehr an ein Schnitzel erinnert. Das Sportprogramm von PREMIERE, unser liebster Prügelknabe. Aber kein prima Wiener Schnitzel mit Pommes, Beilagensalat und Garnitur. Einmal Schnitzel, direkte auf die Hand. Kein Teller, kein Besteck, nix dabei.

Das Schnitzel selbst ist, nicht schwer zu erraten, die Bundesliga, die Champions League und die Formel 1. Das Schnitzel schmeckt auch. Man hat Hunger, und das Schnitzel verschafft etwas Linderung.

Aber satt? Gar zufrieden? Ein kulinarischer Hochgenuss?

Nein, dazu fehlt erstmal schon der Teller. Die unbestreitbar hochwertigen Inhalte, die Bundesliga, die Champions League, die Formel 1, werden einem derzeit bei PREMIERE lieblos in die Hand gedrückt.

Beispiel Bundesliga:

Es gibt Samstags eine halbe Stunde Vorberichte, die sich nur selten wirklich das Prädikat tiefgängig verdienen würden. Leider ist es zu oft so, dass der interessierte Leser von Kicker, Sport Bild und diversen Internetseiten in dieser halben Stunde - außer den Aufstellungen - nichts neues erfährt. Die üblichen Themen werden nach Schema F durchgekaut, interessante Features Fehlanzeige. Und selbst der Grundstock wird zu oft vernachlässigt. Wie oft muss man als Fan eines weniger profilierten Teams (darunter leide ich zum Glück ja nicht) mit einem Satz zu seiner Mannschaft auskommen? Nicht einmal die Aufstellung wird oftmals von Hellmann & Co. erwähnt. Da muss man dann auf die zwei, drei Minuten vor dem Anpfiff warten.

Der Fan von Energie Cottbus kann sich eigentlich diese halbe Stunde auch sparen.

Was spricht dagegen, mit der Vorberichterstattung schon früher zu beginnen? Würde die halbe Stunde, die man das Studio früher anschmeißt, so viel Geld kosten, dass man es nicht - etwa durch eine weitere Werbepause - kompensieren könnte?

Bei der Champions League fällt einem ähnliches auf. Ich will gar nicht verlangen, dass PREMIERE alle Spiele mit einem deutschen Kommentar versieht (auch wenn dies bei Sky Sports UK etwa usus ist). Aber auch hier wird Dienst nach Vorschrift abgeliefert. Eenn ich Tags zuvor in den Kicker geschaut habe, erfahre ich auch hier nichts neues. Hinzu kommt das technische Ärgernis, das aber auch zum Teil von der UEFA verschuldet ist. Die Spiele der Champions League werden nicht alle in 16:9 produziert, weshalb man sich - und dies ist nun PREMIERE anzukreiden - auch bei nur einem Spiel, was nur in 4:3 vorliegt, auf den kleinsten gemeinsamen Nenner verständigt und Vor- und Nachberichterstattung sowie Konferenzschaltung in diesem altertümlichen Format produziert.
Von der Behelfslösung Pillarbox, wie sie etwa auch ESPN HD oder ITV einsetzen, hat man wohl noch nichts gehört. Damit würden zumindest die Spiele, die in 16:9 vorliegen, auch in der Zusammenfassung und Konferenz so gezeigt (und das ist inzwischen an jedem Spieltag die klare Mehrheit).

So hat man den Eindruck, dass einem die Livespiele etwas lieblos hingeklatscht werden. Eben ohne Teller.

Aber es fehlt auch das Besteck. Das PREMIERE Sportprogramm hangelt sich von Livespiel zu Livespiel, von Rennen zu Rennen. Wenn weder Bundesliga noch Champions League spielt, wenn die Formel 1 pausiert, passiert bei PREMIERE: Nichts. Gähnende Leere. Stattdessen Wiederholungen von anno Tobak. Bestes Beispiel ist diese Woche. Aufgrund der Länderspielpause wurde gestern nach der Montagspartie der 2. Liga der Bürgersteig hochgeklappt und erst Donnerstag zu Golf und DEL wieder heruntergelassen.
Dabei wäre es so einfach, etwa ein tägliches Sportmagazin unter der Woche zu senden. Es kann ja nicht sein, dass Bundesliga Aktuell im DSF das Nonplusultra sein soll.
Wie kann man bei PREMIERE nur der Meinung sein, es genüge, den Zuschauer mit den entsprechenden Livespielen zu versorgen? Ich will umfassend informiert sein, damit ich auch mit den Livespielen etwas anfangen kann.
Ohne die Geschichten neben dem Platz fehlt einem das Verständnis für auf dem Platz. So gewinnt man keine neuen Fans, so verprellt man die hardcore user.

Derzeit muss man sich das Handwerkszeug woanders holen, nicht bei PREMIERE. PREMIERE gibt einem derzeit zum Schnitzel kein Besteck.

Und natürlich fehlen die Beilagen. Keine Pommes, kein Salat. Von Nachtisch gar nicht zu sprechen.
PREMIERE zeigt derzeit neben den schon erwähnten drei Leuchttürmen noch Golf, die DEL, ein paar Brosamen aus den Fußballligen aus England und Spanien und etwas Wrestling. Das war’s mehr oder weniger. US-Sport ist gestrichen, Boxen Fehlanzeige, MMA Fehlanzeige, Tennis bis auf Wimbledon ebenso. Länderspiele? Pustekuchen. Und die Dinge, die man noch sendet, hat man erheblich zurückgefahren.
Für dieses umfassende Programm zahlt man derzeit regulär ca. 35 Euro im Monat. Ein recht teures Schnitzel. So ganz ohne Beilagen. Nun gut, vielleicht gibt es einen Salat dazu. Aber einen kleinen. Und ohne Dressing.

Es ist etwas schade. Ich möchte wirklich, dass PREMIERE bzw. Pay TV ganz allgemein in Deutschland Erfolg hat, denn ich denke, dass das Free TV mir meine Bedürfnisse, die ich an Sport-TV stelle, noch weniger wird erfüllen können.
Aber so, wie PREMIERE es derzeit anstellt, kann man einfach nicht den Daumen heben.

Ja, ich habe Hunger. Deswegen esse ich auch das Schnitzel ohne Beilage, direkt aus der Hand. Weil es sein muss. Aber zufrieden bin ich nicht. Da fehlt was. Da fehlt der Teller. Da fehlt das Besteck. Da fehlen die Beilagen. Und ohne das schmeckt auch das beste Schnitzel nicht so wirklich.
Klar, das kostet etwas Geld. Aber erstens bezahle ich ja auch nun schon seit Jahren für ein Luxusschnitzel, zweitens kosten Beilagen nur einen Bruchteil des Schnitzels.

PREMIERE, bitte in Zukunft weniger Fast Food-Bude, mehr Schlemmerparadies. Mit guter Auswahl statt liebloser Schnellabfertigung.

Tags: Medien · Sport

Bisher 13 Kommentare ↓

  • 1 NoteMe // 18. Nov 2008 um 15:14

    Die Beilagen fehlen, weil das Schnitzel zu teuer ist, oder weil selbst die Kunden, die das teuere Schnitzel noch kaufen, ablehnen, wenn sie für die Beilagen noch extra berappen sollen.

    Im Zweifel schmeckt der 1-€-Burger den meisten sowieso gut genug, als dass sie sich überhaupt über Schnitzel Gedanken machen würden.

    Der Schnitzelbude hilft auch nicht, dass an gleicher Stelle zuvor schon ein Italiener und ein Nobelheini grandios gescheitert sind. Die nächste Idee ist wohl wieder Pasta. Mit Salz gekocht. Aber ohne Öl oder Gewürze. Und am Stiel.

    Am Ende ist klar: Die Kalkulation stimmt hinten und vorne nicht. Und das kann auf Dauer nicht gut gehen.

  • 2 dogfood // 18. Nov 2008 um 16:56

    Die Kalkulation hat mal gestimmt, aber dann hat die Imbißbude von nebenan ein exklusives Abkommen für drei Jahre für deutsches Kalbsfleisch abgeschlossen. Daraufhin hat das Restaurant versucht alles zu sein: Drei-Sterne-Restaurant, Pizzeria, Kroketten für den kleinen Mann, Lieferservice, Asia-Food. Und weil man einen vollen Speisesall vorzeigen wollte, lud man auch noch Passanten von der Straße ein, für lau mit zu essen.

    Irgendwann wusste niemand mehr was dieses Restaurant macht — Kroketten oder 3-Sterne-Küche — und verlor binnen zwei Jahre ein Viertel seiner Kundschaft.

    Damit ist aber nicht zwangsweise das Konzept von “Restaurants” in Deutschland gescheitert.

  • 3 Vetter Itt // 18. Nov 2008 um 18:16

    Bleibt für den neuen Chef de Cousine zu hoffen, dass genügend von denen, die seit Anfang letzter Woche wieder bei den Tafeln anstehen sich in Anlehnung an den alten Tenacious D Klassiker fragen “Where’s my fucking Schnitzel?”

    zur CL: die 4:3 Konferenz ist mir auch seit langem ein Dorn im Auge (ich hab, glaub ich, vor mehreren Wochen schonmal bei dogfood über aus dem Bild laufende Spieler dank pan&scan rumgemosert). Es besteht aber die berechtigte Hoffnung, dass Premiere das Pillarboxing als Optimalvariante noch entdeckt: Am vergangenen Mittwochs-Spieltag hat man ja schon guten Willen gezeigt und Vor- und Nachberichterstattung sowie die Konferenz in 16:9 gesendet. Leider in der geht-gar-nicht Variante: flip-and-scan (zugegeben, auch grad erst per wiki gelernt), will heißen: die 4:3 Spiele oben und unten auf 1,78 gecropped.

    Wie von dir schon geschrieben: Hier liegt sicher die Hauptschuld bei der UEFA und fehlenden Broadcasting-Standards/Host-Broadcaster Prinzip. Was mich zu der Frage bringt: Gibt es gesicherte Informationen, ob die UEFA ab der neuen Rechteperiode ein einheitliches Basissignal produzieren lässt? auf die schhnelle hab ich nur das hier gefunden: http://www.uefa.com/multimediafiles/download/competitions/ucl_/67/58/71/675871_download.pdf
    wonach sich anhand der “Qualified Content Distributor”-Definition nur spekulieren lässt, dass es ein Basissignal geben wird (nur distribution, nicht production)

  • 4 ckwon // 19. Nov 2008 um 9:14

    Um mal bei der Analogie zu bleiben:

    Der Gast hat für ein kulinarisches Büfett bezahlt, je nach Paket in verschiedenen Küchenrichtungen.

    Nun wollte man unterbinden, dass ein anderes Restaurant am ganz anderen Ende der Stadt Tiefkühlware aufwärmen darf, bzw. erst nach 22 Uhr, wenn der Durchschnittsdeutsche bereits gegessen hat, wodurch ein Konkurrent die Hauptspeise weggeschnappt hat.

    Nun hat man das versucht durch ein reichhaltiges Büffet an Vor- und Nachspeisen auszugleichen. Hat nicht funktioniert. Zur Zeit gibt es dafür nur Hauptspeisen.
    Da kochen die Leute dann halt lieber zu Hause…

  • 5 dogfood // 19. Nov 2008 um 11:02

    @ckwon: um weiter auf die leblose Metapher einzuprügeln:

    Nach dem Verlust der Hauptspeise hat man es *nur* mit Vor-, Nach- und Nebenspeisen versucht. Ohne Erfolg. Ein Viertel aller Gäste sind binnen zwei Jahre abgewandert.

    Nachdem man die Hauptspeise wieder bekommen hat, versucht man es nun ohne Vor- & Nachspeise. Resultat: Stagnation. Nichts deutet daraufhin dass die Zahl der Gäste signifikant steigen wird und die Zahlen aus der Buchhaltung geben es auch nicht her, dass mit dieser Schmalspur-Küche substantieller Gewinn eingefahren werden kann, trotz Kostensenkung.

    Es gibt nur noch einen Versuch: Vor-, Haupt- und Nachspeise zusammen, dargeboten in einem kulinarisch runden Konzept, in ästhetischen Räumlichkeiten und mit sinniger Speisekarte & Preisen. Das hat selbst der Vorbesitzer, Maitre Kirch, nicht hinbekommen.

    Um die Analogie mal kurz zu verlassen:

    ich habe gestern abend mir noch einmal Gedanken über die Zahlen und die Handlungsweisen der Akteure gemacht. Ich habe mich gefragt: was ist im Oktober/November 2007 passiert, dass Börnicke die Kehrtwende machte? Noch Anfang September wurde das 120 Spiele umfassende Lateinamerika-Fußball-Paket gekauft, obwohl der Deal mit ARENA längst eingetütet war. Der ARENA-Deal scheint also nicht der direkte Auslöser für die Sparaktionen gewesen zu sein.

    Die Sparerei ging ungefähr Oktober/November los, als man anfing bei den NASCAR -Verhandlungen zögerlich aufzutreten. Ende Dezember/Anfang Januar schließlich die Vollbremsung mit der Quasi-Einstellung der europ. Ligafußball-Spiele und Golden League.

    Warum zwischen Oktober und November die Kehrtwende? Hat man sich beim ARENA-Deal verrechnet und es erst beim Durchrechnen von Q3 bemerkt?

  • 6 chelsea // 19. Nov 2008 um 12:41

    Mir schmeckt mittlerweile nicht mal mehr das Schnitzel.

  • 7 DonkeyMoon // 20. Nov 2008 um 3:04

    Zum Bildformat:

    Das Optimum wäre nicht Pillarbox, sondern Originalformat. Sprich: Vorberichte und die meisten Spiele in 16:9. In der Konferenz muss dann halt laufend zwischen 4:3 und 16:9 umgeschaltet werden. Geht nicht? Oh doch! PREMIERE selbst macht es (ausgerechnet) mit der Werbung so. 4:3-Spots werden nicht etwa als Pillarbox gesendet oder 16:9-Spots letterboxed, hier wird ständig umgeschaltet. Pillarbox ist für HDTV - denn das sieht 4:3 nicht vor - und da sollte es bleiben. In SD ist das weder Fisch noch Fleisch, höchstens ein Tofu-Schnitzel.

  • 8 RealityCheck // 20. Nov 2008 um 9:52

    Die Werbung ist aber im Voraus planbar, das Umschalten in der Konferenz nicht.

  • 9 NoteMe // 20. Nov 2008 um 11:49

    @dogfood

    Ich würde ja einfach vermuten, dass man bei Premiere mit mehr als 2.000 neuen Abonnenten nach der Rückkehr der Bundesliga gerechnet hatte, immerhin waren ja seit Dez ‘05 900.000 und seit Q2/2006 700.000 Abonnenten von Bord gegangen.

    Rückblickend hat Premiere seit der Subliziensierung der Bundesliga-Rechte sogar noch mal an Kundschaft verloren.

    Unter diesen Umständen - massiv gestiegene Kosten durch die Bundesliga, dafür aber nur 600.000 Wholesaleabos bekommen - muss man sich nicht wundern, dass an allen Ecken und Enden gespart wird.

  • 10 FAN ! // 20. Nov 2008 um 18:39

    Rückblickend kann man sagen das sich Premiere bezüglich Rückholung der Bundesliga übernommen hatte oder es nocht immer tut. Rückwirkend währe es aus sicht von Premiere besser gewessen wenn Premiere gesagt hätte “Arena (UnityMedia) wird kaufen euch die Bundesliga ab aber ihr dürft keine Abos mehr über Arena verkaufen” Kurz gesagt wer die Bundesliga abonniern will muß es über die Premiere Plattform tun und nicht über die Arena. Aber am Schluss ist man immer gescheiter.

  • 11 forlan // 20. Nov 2008 um 23:40

    @FAN
    rückwirkend wäre es wohl besser gewesen, man hätte arena vor die wand fahren lassen. das hätte vielleicht ein halbes jahr länger gedauert wäre aber um einiges billiger geworden,,,

  • 12 RealityCheck // 21. Nov 2008 um 9:47

    So steht man nun aber als “Retter” der Bundesliga da, denn eine Pleite von arena wäre für die DFL wohl teuer geworden. Zumindest wäre es mit Unbehagen und Einnahmeverlusten verbunden gewesen.

    Vielleicht führt diese - zugegebenermaßen teure - Aktion nun zu einem kleinen “Bonus” bei Seifert & Co., nachdem man 2005 soviel Vertrauen verspielte.

    Ob es sich unter dem Strich auszahlt, kann man jetzt noch nicht sagen. Vielleicht war dieses neue Vertrauen auch (zu) teuer erkauft.

  • 13 DonkeyMoon // 21. Nov 2008 um 16:28

    @RealityCheck:

    “Die Werbung ist aber im Voraus planbar, das Umschalten in der Konferenz nicht.”

    Klar, aber sollte es nicht möglich sein, dass sobald der Konferenz-Regisseur auf ein anderes Spiel schaltet, automatisch auch das das richtige Seitenverhältnis im Stream gesetzt wird? Und auch wenn die Werbung vorher feststeht, enkodiert wird immer live.

    Ohne Fachmann zu sein, ich kann mir nicht vorstellen, dass sowas technisch unmöglich ist. Zumal PREMIERE technisch immer einwandfrei ist. Außer vielleicht bei der Bildqualität, aber gegen die Mathematik kommen auch sie nicht an. Wenn zu viele Sender auf einem Transponder sind, ist auch die beste Technik machtlos.

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