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Nehmen wir James Murdoch beim Wort

30. Oktober 2008, 19:56 · Kein Kommentar

James Murdoch, Chairman und Chief Officer für Europa und Asien der News Corporation und damit mittelbar verantwortlich für PREMIERE, hielt gestern die Keynote bei den Medientagen München (Video hier unten, die Keynote ist in Teil 2 und 3 zu finden).

Dort sagte er - nicht explizit auf PREMIERE, sondern allgemein auf News Corp und seine europäischen Pay-TV-Investments BSkyB und Sky Italia bezogen - unter anderem folgendes:

Now my outlook is very different. I believe that anyone who wants to lead a successful business in the digital age needs to love change, and to fear incumbency. And the best way to ensure that happens is to see the bigger picture, to sacrifice little incremental gains because of your ability to see the longer terms strategical. To have a relationship with your customer that is a compact struck between equals, not a clever marketing ploy that tries to fool the buyer in order to make a quick buck.
To understand the values of the people that you’re dealing with, to share there concerns and speak their language.
That’s the philosophy that shapes the News’ approach.

Es schönes Bild, dass der Sohn von Rupert Murdoch da zeichnet. Es ist die Reinform von Der Kunde ist König, dem Kunden wird auf Augenhöhe begegnet. Nun darf man gespannt sein, wie sehr dieser Ansatz bei PREMIERE angewendet wird. Nehmen wir ihn beim Wort. Was erwarte ich mir als Kunde von dem zukünftigen PREMIERE unter News Corp-Flagge?

Mehr Verlässlichkeit

Als Kunde schließe ich einen Vertrag mit PREMIERE. Die Gründe für mein Abo kann PREMIERE nicht sicher wissen. Aber viel zu oft in der Vergangenheit kam es vor, dass Inhalte nur kurzfristig im Programm zu finden waren. Ob im Sport oder im Serienbereich. Da fliegt mal eine ganze Liga aus dem Sportprogramm, eine Serie wird nach der ersten Staffel nicht mehr fortgeführt, das Angebot wird mal kurzerhand zusammengestrichen.
Das mag im Einzelfall vielleicht wirtschaftlich sinnvoll erscheinen, aber es sendet ein falsches Signal.
Es nimmt die Wünsche des Kunden nicht ernst. Es marginalisiert eine Gruppe an Abonnenten, die auch gutes Geld für ihr Abo zahlen.

Mehr Auswahl

PREMIERE bietet weniger Senderauswahl als Sky in Großbritannien, weniger als CANAL+ in Frankreich, weniger als DIGITAL+ in Spanien, weniger als Sky Italia in Italien. Selbst in den Niederlanden bekommt man ein umfangreicheres Pay-Angebot als hier.

PREMIERE hat, aus Angst vor dem Wandel des Pay-Marktes, die Entwicklung der Drittanbieter verschlafen. Man hat aus der Furcht, dass man sich selbst Konkurrenz heranzüchten könnte, andere Anbieter in ihrer Entwicklung blockiert - und macht es noch heute (siehe Sportdigital.tv).
Anstatt an diesen Angeboten mitzuverdienen und frühzeitig auf dieses Boot aufzuspringen tut man alles in seiner Macht stehende, um diese klein zu halten. Und inzwischen haben diese sich andere Wege gesucht, zum Teil an PREMIERE vorbei.

Auch die eigene Programmauswahl wird klein gehalten. Es gibt wenige Pay Per View Kanäle, es gibt nur vier aktuelle Filmkanäle, es gibt nur drei Sportkanäle, es gibt nur zwei HDTV-Sender. Das ist äußerst mager. Und bestückt werden all diese Sender immer nur mit dem nötigsten.
Dem (möglichen) Kunden wird nur soviel an Leckerli hingereicht, dass dieser zu einem Abo verleitet wird. Aber, um bei dem Vergleich zu bleiben, wirklich satt wird man davon nicht.

Mehr Komfort

PREMIERE muss den technischen Bereich in Ordnung bringen. Das Sportportal ist für den Vielnutzer unbequem, die aktuelle Boxengeneration hat nicht den Kunden im Hinterkopf.
Der EPG ist bei vielen Geräten unausgegoren, es gibt keinen HDTV-Festplattenreceiver. Es gibt keine standardisierte Interaktivumgebung.
Und ich frage mich sowieso schon seit Jahren, wie ein Techniklaie sich in dem unendlichen Gewust an Digitalsendern zurechtfinden soll (die Lösung wäre etwa eine von der Plattform gepflegte Programmliste). Wenn sich ein Zuschauer nicht in 200 Sendern zurechtfindet, wieso sollte er dann ein Abo abschließen?

Es klingt zu gut, was James Murdoch da sagte. Auch erscheinen Sky UK und Sky Italia in manchen Aspekten wie ein Schlaraffenland - auch wenn, beileibe, nicht alles dort Gold ist, was glänzt. Bei PREMIERE hat man viel Arbeit vor sich, wenn man diese Geschichte wiederholen will.

Tags: Medien · Sport

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