Nach Meldungen auf diversen Sportseiten (etwa Fox Sports, ESPN) hat am Montagabend (Ortszeit) die weltweit zweitgrößte Mixed Martial Arts-Promotion EliteXC Insolvenz angemeldet und wird sämtliche Mitarbeiter entlassen und den Betrieb einstellen.
EliteXC ist die einzige Promotion, die nach dem Aus für die japanische Promotion Pride FC mit dem Marktführer UFC noch ansatzweise finanziell mithalten konnte. Nicht zuletzt, weil man mit dem Boxpromoter Gary Shaw einen markanten Eigentümer und mit dem Pay-Sender Showtime ein dickes Ass im Ärmel aufwies.
Diese Verbindung sorgte auch dafür, dass nicht die weltweit populäre und respektierte UFC als erste MMA-Promotion eine Show im amerikanischen Network-Fernsehen platzieren konnte, sondern eben jene EliteXC - gehören doch sowohl Showtime wie auch CBS zum Viacom-Konzern (dem ein oder anderen dürften etwa auch schon die Programmhinweise für die nun bei Showtime zu sehende Traditionssendung Inside the NFL im Rahmen der CBS-Übertragungen der NFL aufgefallen sein, aber das nur am Rande).
Doch gerade die letzte Sendung auf CBS, Anfang des Monats, die ein neues Zeitalter für MMA in den USA einleiten sollte, dürfte EliteXC mehr geschadet als geholfen haben und könnte mitverantwortlich für das Ende der Promotion gewesen sein.
Poster Boy der Promotion war Kevin Ferguson, besser bekannt unter seinem Künstler-/Straßennamen Kimbo Slice. Ein Mann, der - das sagt leider schon fast alles - bei seinem ersten MMA-Kampf als YouTube-Sensation angekündigt wurde. Der das Kämpfen, und das ist nicht bloß PR-Sprech, auf der Straße gelernt hat. Das hat sich dann bei jener CBS-Show auch gezeigt. Aber dazu später mehr.
EliteXC war näher dran am Boxen als die UFC. Man hatte eine B-Sendung für die Nachwuchskämpfer bei Showtime, ShoXC, korrespondierend zur Boxsendung ShoBox. Man hatte von Anfang an einen Deal mit einem der zwei größten Premium-Pay-Sender. Als Ringsprecher wählte man nicht wie die UFC einen Mann, der nur vom Namen seines Halbbruders her bekannt war, sondern griff zum Briten Jimmy Lennon Jr., der auch regelmäßig von Showtime für Boxkämpfe gebucht wird.
Der Grund für das alles war schlicht und ergreifend, dass der Gründer von EliteXC der Boxpromoter Gary Shaw war, der - so die Legende - von seinem Sohn zu MMA gebracht wurde. Seine Beziehungen zu Showtime sorgten dann auch für den TV-Deal.
Aber gerade dieses spät auf den fahrenden Zug aufspringen brachte ihm und der Promotion viel Kritik aus dem Geschäft ein. So ließ sich UFC-Präsident Dana White in Interviews mit dem US-Playboy und dem Boston Herald mehrmals zu abschätzigen Kommentaren zur Konkurrenz herab.
In Europa war man auch in den letzten Jahren aktiv. Man erwarb die größte europäische Promotion, die britische Cage Rage. Diese Übernahme wird von vielen als ein Grund für die hohe Verschuldung gesehen.
Ein anderer sollen die hohen Gagen sein. Die Topstars von EliteXC, wie Kimbo Slice und Andrei Arlovski, erhielten angeblich pro Kampf eine halbe Million Dollar. Summen, die die finanziell stabilere UFC nicht mal im entferntesten zu zahlen bereit ist (dort werden Summen in der Gegend von $130.000 für die Topstars genannt). Und wenn man sich dann die Leistung etwa des Aushängeschilds Kimbo Slice ansieht, wirkt diese Summe noch unverantwortlicher.
Kimbo Slice war in den Augen von Gary Shaw wohl perfekt. Denn während sich die UFC mit den unbestritten besten MMA-Kämpfern schmücken konnte, die - auch dank der Spike TV-Reality-Serie The Ultimate Fighter - landesweit zumindest über eine gewisse Bekanntheit verfügen, konnte sich der Neuankömmling nur aus dem Pool der vom Marktführer abgelegten Kämpfer bedienen. Aber damit, das war jedem klar, kommt man nicht in dem von Shaw gewünschtem Tempo in die selbe Liga wie die UFC. Also musste man kreativ sein - und die Wahl fiel, neben Eye Candy und Tochter des ehemaligen Cowboys-Quarterbacks Gina Carano, auf einen Straßenkämpfer, aus dessen Vita zwei Punkte herausragen:
Mehrere Millionen Views bei YouTube und ehemaliger Bodyguard einer Pornofirma.
Mit dieser Story hat er es aber zumindest schon mal in ESPNs Factual Entertainment-Magazin E:60 geschafft (wie auch Gina Carano).
Nun gut, bekannt war er nun zumindest mal. Aber konnte er auch kämpfen, wenn es feste Regeln gibt, wenn es gegen ausgebildete Gegner ging? Die Antwort gab es dann bei EliteXC: Heat am 4. Oktober 2008 in Sunrise, Florida: Nein.
Ursprünglich sollte Kimbo Slice gegen die MMA-Legende Ken Shamrock antreten, der aber aufgrund einer Verletzung am Tag der Veranstaltung absagen musste. Slice trat trotzdem an, ob freiwillig, ob aufgrund des Drucks der Promotion oder von CBS, dass der Star des Main Events zu sehen sein müsse. Sein Ersatzgegner war Seth Petruzelli, der weder aus der selben Gewichtsklasse kam (Halbschwergewicht versus Schwergewicht) noch mehr als ein paar Freaks bekannt war. Petruzellis bis dato größter Erfolg war eine Niederlage im Halbfinale der zweiten Staffel von The Ultimate Fighter.
Das Ergebnis des Kampfes:
Petruzelli schlug Slice nach vierzehn (!) Sekunden per TKO.
Der Millionen-Dollar-Posterboy der Promotion verliert gegen einen Ersatzmann, der dreizehn Kilo leichter und fünf Zentimeter kleiner ist. Und nicht irgendwie. Desaströs. De facto war das das Karriereende von Slice als ernsthafter Kampfsportler.
Viele hielten ihn vorher schon für eine Zirkusnummer, die mehr in die ersten UFCs gepasst hätte, die mehr eine Werbeveranstaltung für Gracie Jiu Jitsu werden sollten als ein ernsthafter sportlicher Wettkampf. Und nun bekam ein Millionenpublikum auf CBS den Beweis.
Aber damit nicht genug - obwohl schon das wohl für einen herben Rückschlag der Pläne gesorgt haben dürfte.
Zwei Tage später trat Petruzelli in einer Radio-Show auf, in der er folgendes sagte:
“The promoters kind of hinted to me, and they gave me the money to stand and trade with him,” he told “The Monsters in Orlando” radio show. “They didn’t want me to take him down, let’s just put it that way. It was worth my while to try to stand up and punch with him.”
Demnach hätten die Promoter, angesichts der offensichtlichen Schwäche Slices im Bodenkampf, Petruzelli Geld geboten, damit er es auf einen Faustkampf auf den Beinen ankommen ließe. Nun gut, der Kampf war schon vorbei, bevor es auf den Boden ging.
Der Fallout dieser Äußerungen war enorm. Der wichtigste Kämpfer ‘ne Zirkusnummer, und die Promoter beeinflussen den Kampfverlauf? Das erinnert einen sofort an die Fehler, die das Schwergewichtsboxen in den letzten zehn Jahren gemacht hat, die es beinahe in der Bedeutungslosigkeit hat versinken lassen.
Besonders CBS soll gar nicht begeistert gewesen sein und intern angedeutet haben, dass es in Zukunft keine EliteXC-Veranstaltungen mehr auf diesem Network geben würde.
Wie sich nun herausstellt, war dies wohl der letzte Sargnagel für die Promotion. Man bezahlte generell den Kämpfern zu viel, Geld, das man nie wieder reinholen würde können, noch dazu einen Großteil an alternde Exstars oder Kirmeskämpfer, die sportlich nur begrenzten Wert hatten. Und dann schoss man sich auch noch selbst ins Bein. Der große Vorteil von MMA ist, dass es (noch) nicht diesen negativen Beigeschmack des Boxens hat. Man sieht beim Boxen nie die besten Kämpfe, weil die Promoter und Sender sich nicht einig werden, und wenn die Megafights dann doch mal anstehen, dann hat man vier bis fünf Jahre darauf gewartet, weil vorher noch genug Fallobst im Weg stand. Das Boxgeschäft wird von Personen wie Don King dominiert (auch in Deutschland gibt es ähnliche Typen), die Verbindungen zu ehrbaren Geschäftsleuten aufweisen und denen man vieles zutraut - und da sind verschobene Kämpfe noch das harmloseste. EliteXC war auf dem besten Weg zu diesen Verhältnissen.
Es ist schade, dass ein großer Player, der MMA voranbringen hätte können, wohl vom Markt verschwindet. Aber man hat offenbar gedacht, man müsse nur das Boxbusiness kopieren und wollte vorallem zu viel zu schnell.
EliteXC existierte damit nicht mal zwei Jahre.

Bisher 2 Kommentare ↓
1 wrestling-freak // 9. Mrz 2009 um 17:31
gibts vielleicht auch bald mal wieder ein artikel von dir zum MMA bzw. zur UFC?
die ja letzten samstag erfogreich im DSF gestartet ist.
wäre echt super nett von dir.
Mfg.
2 CanDoggy The Bora(boxer) // 21. Mrz 2009 um 14:07
Es ist echt schade das so viel Geld in einen “fake fighter” wie Kimbo fließt.
Und wie man auch gesehen hat in dem Kampf ist er nicht der Boxer Typ, sondern nur ein Straßen- oder Showkämpfer.
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