Will man als Politik oder als Unternehmen die Öffentlichkeit bzw. die Kunden auf Grausamkeiten vorbereiten, wählt man oft das Instrument des Testballons. Man lanciert eine Geschichte an die Medien, um die Reaktionen auf diese Meldung auszutesten.
Dies hat zwei Vorteile - man kann einerseits den möglichen Fallout dieses Handelns vorab bewerten, andererseits kann man auch im Rahmen des Testballons etwas übertreiben und die geplanten Maßnahmen schlimmer darstellen, so dass schlussendlich die tatsächliche Umsetzung in Relation dazu als weniger schlimm erscheint.
So macht es etwa die DFL in den letzten Wochen und Monaten, indem man diverse Spielplanmodelle über die Medien platziert (etwa hier und hier bei allesaussersport.de nachzulesen).
Nun bedient sich offenbar auch die News Corp von Rupert Murdoch dieses Mittels, jedoch auch und primär, um der Konkurrenz zu drohen und die Bundesliga zu beruhigen.
Im aktuellen Focus wird in einer Meldung (via FTD, auch hier bei dogfood) verbreitet, dass möglicherweise, angesichts der finanziellen Schieflage bei PREMIERE, nicht die PREMIERE AG selber, sondern das Mutterunternehmen, die News Corp, die Bundesliga-Rechte erwerben könnte.
Ein Testballon funktioniert nur durch eine gezielte Indiskretion der informierten Kreise. Im Rahmen der Bundesliga-Versteigerung sind wohl nur zwei Parteien eingeweiht, ob News Corp sich direkt am Bieterprozess beteiligt. Auf der einen Seite PREMIERE bzw. News Corp selbst, auf der anderen die DFL. Da im selben Artikel auch ein möglicher Boxentausch für alle PREMIERE-Satkunden erwähnt wird (es dürfte sich dabei um diese Box handeln), steht zu vermuten, dass die Quelle des Focus bei PREMIERE/News Corp zu finden ist.
Die Gründe für dieses Handeln lägen auf der Hand. Der Börsenwert der PREMIERE AG pendelt derzeit mehr oder weniger hektisch um die potentiellen Rechtekosten für eine Bundesliga-Saison. Eine externe Finanzierung würde da, besonders im derzeitigen Umfeld, zumindest schwierig. Auch wenn der Börsenwert unmittelbar keine Auswirkungen auf das Tagesgeschäft haben sollte. Die strategische Manövrierbarkeit wird zumindest beeinflusst.
Außerdem verdichten sich die Marktgerüchte, dass eine Komplettübernahme der PREMIERE AG durch News Corp und ein darauf folgendes Delisting nur eine Frage der Zeit ist. Durch einen Erwerb der Bundesliga-Rechte direkt durch News Corp stiege der Wert der PREMIERE AG nicht unnötig vor der Komplettübernahme, was die Kosten natürlich in die Höhe treiben würde. Wenn der Börsenkurs drei Monate lang niedrig gehalten wurde und die Übernahme vollzogen ist, könnte man die Rechte immer noch rechtzeitig vor Saisonbeginn an die dann vollständige News Corp-Tochter übertragen.
Ein weiterer Grund ist, dass durch einen Erwerb der Rechte durch die News Corp der Partner, die DFL, beruhigt würde, da dann nicht mehr die PREMIERE AG mit einem derzeit negativen EBITDA direkter Vertragspartner wäre und für die Rechtezahlungen einspringen müsste, sondern die News Corp mit Quartalsgewinnen in Milliardenhöhe.
Aber ein weiterer Grund, und dies macht den Testballon zum Droh-Ballon, wäre, dass diese Meldung auch mögliche Interessenten an den Bundesliga-Rechten abschrecken solle, die in den letzten Tagen durch die Krise bei PREMIERE eventuell wieder verstärkt Interesse gezeigt haben könnten. Auch die ARD versuchte in den letzten Tagen auffällig, in ihren Berichten zur Finanzkrise im Fußball immer auch PREMIERE zu erwähnen, um im Gegensatz sich dann selbst als personifizierte Verlässlichkeit darzustellen.
Vulgo: Murdoch zeigt Präsenz, damit andere Bieter angesichts der Finanzkraft der News Corp sich ein Gebot zweimal überlegen und damit die Preise für das überlebenswichtige Gut Bundesliga nicht in die Höhe treiben.

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