Im Juni kündigte Ex-CEO Michael Börnicke noch über seinen Unternehmenssprecher (via Süddeutsche Zeitung) einen Big Bang für den Herbst an. Mit dem stärksten Quartals-Abowachstum in der Geschichte von PREMIERE. Der Big Bang kam in mehreren Schritten. Börnicke ging mehr oder weniger freiwillig. Über die Motivation, warum Vertriebschef Müller das Unternehmen verließ, ist auch nichts genaues überliefert. Aber den größten Knaller gab es dann heute nach Börsenschluss:
PREMIERE bereinigt seine Abozahlen um 940.000 direkte Kunden, die keine eigenen regelmäßigen Abozahlungen leisten, steht damit nun bei 2,41 Mio Kunden inkl. gut 100.000 aktivierter Flex-Abos. Als Auswirkung verlässt Finanzvorstand Alexander Teschner das Unternehmen.
In den letzten Wochen gab es, etwa im Spiegel, schon Gerüchte, dass die kommunizierten Abonnementzahlen nicht internationalen Standards entsprächen, um es mal zurückhaltend zu formulieren. Dies wurde nun bestätigt.
Damit fällt PREMIERE auf das Abonnenten-Niveau von 2001 zurück. Sieben Jahre gelinde gesagt für die Katz.
Zwar kommen noch ca. 700.000 Wholesale-Abonnenten hinzu, jedoch dürfte ein Großteil dessen ARENA-Kunden, sowohl über Sat wie im Unitymedia-Kabel, sein, die wahrscheinlich Mitte 2009 wegfallen.
Interessant ist übrigens die Tabelle, die der offiziellen, oben verlinkten Pressemitteilung beigefügt ist. Demnach hat wohl der Verlust der Bundesliga, der im Q4/2005 feststand und sich schon da auf die Kundenzahlen auswirkte, bis heute fast eine Million (!) direkte Abonnenten gekostet.
Dies ist auf jeden Fall ein drastischer Schritt, wirft aber auch ein erschreckendes Bild auf die Zeit seit dem Verlust der Bundesliga-Rechte. Die schon im Frühjahr 2008 verbreitete Einschätzung aus Murdoch-Kreisen kann man da nur nachvollziehen - PREMIERE braucht nun eine Kernsanierung. Aber das kennt man bei News Corp ja aus Italien.
Und wie man beim Amtsantritt Koflers ihn mit den Erwartungen empfing, dass nur er noch das Pay TV in Deutschland retten könne, kommt diese Ehre nun Murdoch zuteil.

Bisher 4 Kommentare ↓
1 Entertainment-Life.de » Archiv » Premiere: Optimierungen im Bereich Personal und Zahlen // 3. Okt 2008 um 11:59
[...] Der Big Bang bei PREMIERE Tags: Konzern, Medien, Optimierung, Premiere, Premiere AG [...]
2 Der Teufel ist ein Optimist, wenn er glaubt, dass er die Menschen schlechter machen kann | F!XMBR // 4. Okt 2008 um 15:08
[...] Der Big Bang bei PREMIEREDas ist der pure Wahnsinn. Als Ergänzung dazu DWDL. Das kannste doch alles niemandem mehr da draußen erklären. Die schmeißen mit Millionen um sich, die Finanzkrise mal außen vor gelassen - und der arme Hartz IV-Empfänger, der 10,- Euro zu viel kassiert, landet auf Seite 1 der BILD… [...]
3 Franz // 7. Okt 2008 um 13:27
Den großen “Bang” hat es seit Deinem letzten Post auch wieder im Radsport gegeben. Schumacher ist positiv auf EPO getestet worden. Eine interessante VA beschäftigt sich dieser Tage(23.10.) übrigens mit der Frage, ob wir dieses Leistungssteigerungsspiel mitspielen sollen. Oder anders: Brauchen wir Goldmedaillen? http://www.kas.de/sportforum2008
4 RealityCheck // 7. Okt 2008 um 14:36
Ganz ehrlich, mich hat Radsport noch nie übermäßig interessiert.
Und die Dopinggeschichte tut ihr übriges.
Kommentar hinterlassen