So titelt der Boulevard zumindest. Die DFL überlegt (prüft?) derzeit, wie man nach dem Aus des Kirch-Deals neue Einnahmen generieren kann.
Wie DFL-Geschäftsführer Christian Seifert in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung richtig erkannt hat, kann dieser Weg kurzfristig nur über eine deutliche Stärkung des Pay-TV-Partners gehen.
Seifert: Die Marktbedingungen für eine Rechtevergaben haben sich nicht verbessert. Nichts spricht für eine Umsatzexplosion. Wir dürfen uns nicht an Wachstumszahlen anderer Länder berauschen, wir müssen den Markt realistisch einschätzen. Fest steht: Die Bundesliga hat ein natürliches Interesse daran, dass es Nachfrage im Pay-Segment gibt. Und der einziger Anbieter in diesem Segment hat ein hohes Bewusstsein für die Anziehungskraft von Livesport.
Die Idee, die nun auf den Tisch kommt, ist ein noch stärker aufgesplitteter Spieltag als bisher mit Kirch geplant. An der ursprünglichen, neuen Aufteilung mit einem Freitagsspiel, fünf Samstagsspielen und drei Sonntagsspielen soll nicht gerüttelt werden. Jedoch sollen die drei Sonntagsspiele statt zu zwei Anstoßzeiten zu dreien angepfiffen werden. Sah die bisherige Planung vor, dass um 14.45 Uhr zwei und um 17 Uhr das dritte Spiel begänne, sollen diese nun auf 13.30 Uhr, 15.30 Uhr und 17.30 Uhr aufgeteilt werden.
Der Vorteil dieses Modells wäre, dass der Pay-Partner zwei Stunden Erstligafußball gewänne und damit Sonntags den ganzen Nachmittag, von 13 Uhr bis 20 Uhr durchgehend (inklusive Vor- und Nachberichten) 1. Bundesliga zeigen könnte. Wenn man dann (ob unter der Hand oder offiziell) noch seitens der DFL dafür sorgt, dass die Topteams häufig Sonntags spielen, erreicht man eine Steigerung der Werthaltigkeit der Pay-Rechte. Zwischen dem Abpfiff des ersten Spiels gegen 15.20 Uhr und der (vermutlichen) Ausstrahlung im Free TV um 22 Uhr lägen damit gut sechseinhalb Stunden. Eine Verdopplung des Abstandes im Vergleich zum derzeitigen Status Quo.
Ein Nachteil könnte jedoch in der TV-Präsenz der 2. Liga liegen. Derzeit ist ungeklärt, wie die sonntäglichen Anstoßzeiten des Unterhauses in diesem Modell aussähen. Mit Kirch war geplant, diese um 12.30 Uhr beginnen zu lassen, um der 1. Liga komplett aus dem Weg zu gehen. Nun spricht die Bild am Sonntag heute davon, dass eine Kollision der Spiele unvermeidlich sei.
Nicht nur, dass man die TV-Rechte an der 2. Liga damit etwas entwerten würde, man würde auch die Reichweite der Spiele einschränken. Derzeit schauen viele Bundesliga-Fans sozusagen als Vorprogramm auch bei der 2. Liga rein, wodurch denen die Sponsoren präsentiert werden. Nicht umsonst sind die Einnahmen der Zweitligisten auf Sponsorenseite auch europaweit in der Spitzengruppe.
Hier sollte man meiner Meinung nach eine Alternative suchen und die 2. Liga auch weiterhin nicht parallel zur 1. Liga antreten lassen. Eine Möglichkeit wäre, Sonntags zur Primetime zu spielen oder Samstags um 18.30 Uhr, ein Termin, der auch in England von der Football League Championship genutzt wird - wobei letzterer Termin mit Sicherheit der fanfreundlichere (im Sinne der Stadiongänger) der zwei wäre. Und auch deutlich angenehmer als der ursprünglich geplante 12.30 Uhr-Termin. Das könnte man dann auch als Entgegenkommen an die Fans verkaufen…
Nachtrag: Bei der dpa (via sueddeutsche.de) merkt man die Sonntags-Besetzung.
Die Wahrscheinlichkeit, dass das Rauball-Modell 1:1 umgesetzt wird, ist indes unwahrscheinlich. Vor allem die Kollision mit der am Sonntag um 14.00 Uhr spielenden 2. Liga ist ein Problem. Zudem dürften die Rechte, um den Verhandlungsdruck auf «Premiere» zu erhöhen, nicht nur für den Pay-TV-Bereich ausgeschrieben werden. Viel höhere Einnahmen wären zu erzielen, wenn die Live-Rechte von mindestens einem der Sonntags-Spiele an frei empfangbare Sender wie Sat.1, RTL oder die Öffentlich-Rechtlichen verkauft würden.
Nicht nur, dass das ein grausiges Deutsch im ersten Satz ist, ist es auch inhaltlich sehr grenzwertig. Wie schon erwähnt war der Anstoß der 2. Liga nicht mehr für 14 Uhr, sondern für 12.30 Uhr geplant. Und was die tatsächliche Vergabe mit der Umsetzung des Spielplanmodells zu tun haben soll, ist auch nicht nachvollziehbar. Warum sollten die drei Spiele nicht nacheinander angepfiffen werden, wenn ein Free-TV-Sender eines der drei Spiele erwirbt?
Und dass das kommerzielle Free TV im Lichte der Werbekrise ernsthaft in der Lage sein soll, ein Sonntags-Livespiel gegen die News Corp. zu erwerben, ist äußerst unwahrscheinlich. ARD und ZDF fallen aufgrund des Werbeverbots sowieso raus. Das Free TV kann nicht mehr zahlen für Liverechte als das Pay TV, das hat schon die letzte Ausschreibung gezeigt. Es taugt also nur als Drohgebärde gegenüber PREMIERE. Übrigens beruht die Ausschreibung auch für das Free TV auf den Vorschriften der EU.

Bisher 1 Kommentar ↓
1 ckwon // 6. Okt 2008 um 9:32
Vor allem weiß ich auch nicht, ob eine Dreiteilung dem Pay-TV wirklich zugute käme.
Ich galube, nämlich, dass die Deutschen Konferenzen mögen, wenn nicht ihr Lieblingsteam spielt. D.h. wenn nicht ständig einer der Großen sonntags spielt, dann ist es für Premiere evtl. besser, wenn die drei Spiele gleichzeitig angepfiffen werden.
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