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Warum eine Aufstockung gut für die Fünfjahreswertung wäre

26. September 2008, 18:41 · 3 Kommentare

Da hat das Kartellamt was angerichtet. Durch das Ende des Kirch-Vertrags muss sich die DFL Gedanken machen, wie mehr Geld auch ohne ein Wettbieten zwischen Free- und Pay-TV einzufahren wäre. Eine Option: Die Aufstockung der Bundesligen auf je zwanzig Vereine.

Von Seiten der international spielenden Mannschaften kommt hier besonders energischer Widerstand. Laut Kicker vom Donnerstag sind bis auf Schalke und Stuttgart alle in Champions League oder UEFA Cup vertretenen Mannschaften kategorisch gegen eine Aufstockung. Dazu gesellt sich aus der 1. Liga noch Bayer Leverkusen, deren Abwesenheit im Europapokal aber wohl vorerst als Ausrutscher angesehen werden kann.

Diese Vereine erwidern, dass mehr Pflichtspiele für sie eine unnötige und unzumutbare Zusatzbelastung darstellen würde. Impliziert wird dadurch auch immer, dass eine Aufstockung auch schlecht für das Abschneiden der deutschen Klubs im europäischem Wettbewerb wäre.
Dabei kann man auch vermuten, dass genau das Gegenteil der Fall wäre.

Und dafür braucht man nicht mal das billige Argument, dass alle vor Deutschland in der UEFA-Fünfjahreswertung stehenden Ligen zwanzig Vereine umfassen, anzuführen.
Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen erwähnt in einem Interview mit WELT ONLINE einen wichtigen Punkt:

WELT ONLINE: Die meisten Klubs, die international spielen, sind nicht begeistert.

Bruchhagen: Ich halte das trotzdem für angebracht, weil die Leute gern Fußball gucken und dadurch mehr Spiele sehen könnten. Außerdem räumt man Traditionsvereinen wie 1860 München, Dynamo Dresden oder Preußen Münster bessere Chancen ein, höherklassig zu spielen. Dazu kommt, dass die Spieler, die nicht international eingesetzt werden, eindeutig unterbeschäftigt sind.

Dies ist ein Argument, das immer gerne unterschlagen wird. Ein Profispieler ist allein mit einer regulären Bundesliga-Saison von 34 Spielen (plus/minus vier, fünf wegen Pokal und Länderspielen) nicht ausgelastet. Aber was passiert, wenn eine Mannschaft, vielleicht überraschend, wie etwa der VfL Bochum, in den Europapokal einzieht? Ein Spieler hat nur eine begrenzte Anzahl an Spielen auf hohem Niveau in sich, sowohl physisch wie psychisch. Kommt dann die Zusatzbelastung Europacup dazu, kann diese auf einmal zu hoch für einen Kader sein, der auf 34 Spiele ausgelegt ist. Ergebnis dieser Mangelverwaltung sind schlechte Leistungen, besonders in Spielen, die nicht hoch in der Prioritätenliste stehen. In denen es nicht um Existenzielles geht, wie etwa Abstieg oder Europacup-Qualifikation.
Eine Aufstockung des Kaders kommt für diese Mannschaften kurzfristig nicht in Frage, da man für womöglich ein einziges Jahr Europapokal nicht langfristige Verpflichtungen eingehen will oder kann, die sich dann ein Jahr später bei wieder nur 34 Spielen nicht lohnen. Also streckt man das Spielermaterial ein wenig und lässt die Spieler mehr arbeiten. Das kennt man so auch aus der Wirtschaft. Zuerst werden Überstunden angeordnet, erst wenn es gar nicht mehr anders geht, greift man zu Neueinstellungen.

Würde man nun die Saison auf 38 Spiele verlängern, kämen viele Vereine nicht darum herum, ihre Kader zu erweitern, zum Teil auch durch hochtalentierte Nachwuchskräfte (bei Bayern etwa denkt man da unweigerlich an die Herren Hummels, Görlitz und Celozzi, die wegen Unterbeschäftigung abgegeben bzw. ausgeliehen wurden). Denn durch zusätzliche Pflichtspiele im wichtigen Butter und Brot-Wettbewerb Bundesliga wäre es nicht mehr möglich, sich mit einem Rumpfkader gerade so durch die Saison zu schummeln. Die Gefahr, durch einen zu dünn besetzten Kader die Saison komplett wegzuschmeißen, wäre weitaus größer als die finanzielle Ersparnis.
Mit größeren Kadern würde auch zwangsläufig die durchschnittliche Qualität der Leistung steigen. Denn ein frischer Spieler, der sich eventuell als Ersatzspieler unter der Woche in die Mannschaft spielen will, spielt nun mal besser als ein überlasteter, der fitgespritzt werden muss.

Man hat manchmal den Eindruck, dass einige Teams, einige Spieler den Europapokal irgendwann abschenken, ihren Schwerpunkt ganz klar auf die Liga setzen (da gibt es ja auch am meisten Geld zu verdienen).
Ein Mittel dagegen wäre die Rotation. Dadurch werden Spieler nicht überlastet und es entsteht ein gewisser Druck in der Mannschaft, da die Ersatzspieler in die Mannschaft drängen.
Aber in Deutschland können nur ganz wenige Mannschaften rotieren, ohne einen erheblichen Qualitätsabfall zu erleiden. Ein Grund dafür ist meiner Meinung nach, weil sich größere Kader bei 18er Ligen nicht lohnen. Bei vier zusätzlichen Spielen sähe das schon anders aus.

Durch die Aufstockung würde es sich für die Bundesligisten lohnen, langfristig größere Kader zu unterhalten. Dadurch würden auch die Leistungen im Europapokal besser, da nicht mehr immer dieselben Spieler im Dreitagesrythmus antreten müssten, wie es jetzt bei so manchen Schwellenmannschaften oft der Fall ist.

Tags: Bundesliga · Fußball · Sport

Bisher 3 Kommentare ↓

  • 1 Daniel // 30. Sep 2008 um 17:40

    Ein interessanter Aspekt. Die Frage ist, meiner Ansicht nach, allerdings, ob vier Spiele in der Saison drei oder vier neue Spieler finanzieren können und wie sich diese Umstellung zum neuen Ligapokal verhielte.

    Und es ist dann wieder die Frage, ob die Vereine statt jungen, talentierten Spielern, nicht doch wieder auf billige Osteuropäer zurückgreifen würden. Nicht, dass das kein legitimer Vorgang wäre, aber der Ansatz mit den jungen Spielern würde damit nicht mehr zum Ziel führen.

    Zumal man ja abwarten muss, ob der neue Ligapokal kommt oder nicht. Ich meine, die leeren Stadien im DFB-Pokal haben gezeigt, dass die Fans einen weiteren Pokal nicht brauchen, in dem Erst- und Zweitligisten gegeneinander spielen. Egal, ob da am Ende ein weiterer Platz im Uefa-Cup rausspringen würde oder nicht (der ja dann in der Liga wieder fehlen würde).

    Deshalb: Wenn 20 Mannschaften, dann kein Ligapokal. Damit könnten dann denke ich alle ganz gut leben. Außer die Nationalspieler, die bei Champions League-Klubs spielen und die nächsten 10 Jahre keinen Urlaub haben.

  • 2 Andi // 1. Okt 2008 um 0:19

    Du hast noch nie selbst gespielt und beziehst die “Fachkenntnisse” aus dem TV. Anders kann ich mir einen solchen Unsinn nicht erklären!

  • 3 bruno // 4. Dez 2008 um 23:14

    Kann Andi nur zustimmen, selten so einen Schmarrn gelesen.

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