Mehr geht in der Bundesliga derzeit nicht. Meister gegen Vizemeister. Bayern gegen Bremen. Diesen Samstag ist es wieder soweit, das absolute Topspiel des deutschen Fußballs steht wieder an.
Letzte Saison blieb vor allem das Aufeinandertreffen der beiden am zweiten Spieltag in Erinnerung. Ein deutliches 0-4 nach einer Galavorstellung der Bayern in Frühform hat den Wegweiser für die Saison schon damals in den Boden gerammt. Spieler des Spiels damals: Franck Ribéry. Und genau dieser steht ausgerechnet nun vor seinem Comeback nach der Verletzung bei der EM.
Ob Ribéry aber schon in der Startaufstellung stehen wird, ist derzeit ungewiss. Aber allein die Aussicht auf einen Ribéry im Kader dürfte bei Bremen für ein paar zusätzliche Sorgenfalten sorgen, selbst wenn es nur zu einem Kurzeinsatz langen sollte. Einfach mal bei Stuttgart nachfragen.
Die Voraussetzungen vor dem Spiel sind klar. Die Bayern sind nun auch der veröffentlichten Meinung nach in der Saison angekommen, nachdem man - besonders vom Boulevard - versucht hat, Klinsmann nach zwei Remis und einem Ach-und-Krach-Sieg im Pokal einen Stotterstart anzudichten. Tabellenzweiter mit zwei Punkten Rückstand, dazu ein Sieg unter der Woche bei Steaua Bukarest.
Außerdem freut man sich über die geklügte Diversifizierung im taktischen Bereich, durch die erfolgreiche Etablierung des 3-5-2 hat man nun eine Option im Köcher, die schon Magath vergeblich ausprobiert hat (damals waren auch Verletzungen in der Innenverteidigung ein weiterer Stolperstein). Daniel van Buyten, bis vor kurzem noch Streichkandidat Nr. 1, ist auf einmal Stammspieler, wirkt in seinem Stellungsspiel sicher wie noch vor Wochen nicht. Bastian Schweinsteiger, Mr. Inkonstant, bietet auf einmal ein gewisses Grundniveau, mit dem man absolut zufrieden sein kann. Selbst schlechte Spiele stellen nicht so eklatante Ausreißer wie in der Vergangenheit dar. Einzig die zwei Sorgenkinder im Sturm, Miroslav Klose und Lukas Podolski, bilden einen Fleck auf der sonst recht weißen Weste. Klose bemüht sich immer, das kann man ihm nicht absprechen, wirkt aber weiterhin eher glücklos. Auch wenn ein Aufwärtstrend zu erkennen ist.
Was bei Podolski leider nur in der Einstellung der Fall ist. Man hat, angesichts der Kurzeinsätze nicht den Eindruck, dass Podolski sofort eine Steigerung zu Klose wäre, auch wenn dieser Schwächen zeigt. Aber eventuell löst sich diese Frage ja für Samstag durch die leichte Verletzung Kloses von alleine.
Derzeit ist die Welt in München in Ordnung (hier Herman van Veen mit Alfred Jodocus Kwak-Titelmelodie denken).
Ganz anders sieht die Welt in Bremen aus. Das war wirklich ein Fehlstart, für den ersten Liga-Sieg der Saison musste schon der Tabellenletzte Energie Cottbus ins Weserstadion kommen und Diego per Sonntagsschuss den Bann brechen. Und zudem kam auch noch das schmachvolle torlose Remis gegen Famagusta im ersten Gruppenspiel der Champions League. Der prominent besetzte Sturm stellt derzeit einen Totalausfall dar. Und erstaunliches ist passiert. Im sonst so - ganz dem Klischee des unterkühlten Nordens entsprechend - beschaulichen, ruhigen Bremen herrscht richtig dicke Luft. Kapitän Frank Baumann schlug Töne an, die man sonst so nicht von Werder allgemein und Baumann im speziellen gewohnt ist.
Es wird auf jeden Fall spannend, wie diese Spannung nun auf dem Platz umgesetzt wird. Wird das inzwischen fragil gewordene Mannschaftsgebilde nun noch poröser oder zeigt man nun die nötige Gegenreaktion? Der Boulevard freut sich zumindest, ob Draufhauen aber hier was bringt, bleibt abzuwarten. Zumal besonders die zwei Leistungsträger Diego und Frings in der Vergangenheit öfters gezeigt haben, dass sie leicht eingeschnappt reagieren können. Aber zumindest Frings zeigte am Dienstag Ansätze von Selbstkritik, so dass man zumindest bei ihm vielleicht erwarten kann, dass er nicht aus Trotz zumacht.
Bleibt die Frage, wie die beiden Mannschaften in dieses Spiel hineingehen werden. Bei Bayern erwarte ich das Verlangen, dass Klinsmanns Truppe nun eine erste Machtdemonstration abliefern will. Bremen dagegen kann sich vor allem eine deutliche Niederlage nicht erlauben, da sonst die Stimmung in Bremen entgültig danieder liegt. Bremen dürfte auf ein Remis aus sein.

Bisher 3 Kommentare ↓
1 M.Wiemer // 19. Sep 2008 um 11:20
Nun nicht nur der Boulevard wollte Klinsmann einen Stotterstart andichten. Auch der mittlerweile etwas in die Jahre gekommene Kicker aus Nürnberg schlug in die gleiche Kerbe ein. Das 4:0 von Bayern voriges Jahr in Bremen war grandios. Gab allen anderen Teams den Weg vor: Ihr spielt um Platz 2-18. Bayern zog dann auch unbehelligt bis zum 34. Spieltag seine Kreise. Bremen rappellte sich nochmals auf. Der 2. Platz dürfte speziell auf Schalke Fragen hinterlassen haben. Wieso war diese zeitweise Werder Rumpf Mannschaft in der Lage am Ende vor Schalke in der Tabelle zu stehen. Klinsmann macht einen guten Job. van Buyten hat mir in Hamburg sehr gut gefallen. Da war eine sichere Bank. In München scheint ihm jetzt wirklich die Systemumstellung und die Fürsprache vom Trainer zu gefallen. Er ist richtig aufgeblüht. Die rumänischen Mannschaften haben sich international ganz gut geschlagen. Frag nach beim AS Rom oder beim HSV. Daher ist der Sieg von Bayern in Bukarest bei dem Europapokalsieger der Landesmeister von 1986 sehr wertvoll. Deiner Einschätzung von Schweisteiger und Klose und Podolski stimme ich zu.
Ja Bremens Mannschaft scheint nicht mehr so zu funktionieren. Doch die Risse haben sich lange angekündigt. Der Abgang von Klose und seine Nebengeräusche 2007. Die Unzufriedenheit von Borowski im vergangenen Jahr. Häuptling Frings und sein “sensibler” Umgangston mit den Mitspielern. Wiese seine Patzer gerade auf internationaler Bühne. Das Theater mit Diego vor Peking. Das Kapitän Baumann sich jetzt deutlich zu Wort meldet läßt erahnen wie tief der Riss durch die Mannschaft geht.
Ja Bayern wird auf einen eindrucksvollen Sieg aus sein.
2 chelsea // 19. Sep 2008 um 11:28
Vielleicht ein paar Ergänzungen aus der Hansestadt:
Ich glaube, ich muss dieses Klischee mal ein bisschen modifizieren, wobei ich deiner Einschätzung über Norddeutsche nicht grundsätzlich widersprechen will. Auch in Bremen herrscht häufig dicke Luft, aber meist intern im Verein und nicht in den Zeitungen. Ich denke aber, dass man es sich zu einfach macht, wenn man sagt, dass die Kritik von Frank Baumann jetzt eine neue Dimension bei Werder erzeugt hat. Sie steht für etwas Ungewöhnliches. Es war überraschend, hat aber auch gezeigt, dass bei Werder im Moment einiges schief geht. Vielmehr ist es ein Versuch um zu zeigen, dass man sich der Kritik und den Problemen durchaus bewusst sei, quasi ein Feedback für die Öffentlichkeit.
Es ist halt so, dass mehrere Faktoren dafür sprechen, dass über Werder nicht immer die “negativen” Schlagzeilen und internen Streitigkeiten ans Tageslicht kommen.
1. Medienmarkt in Bremen: Hier bei uns gibt es eine große Tageszeitung, den Weser-Kurier. Da kann man schon mal froh sein, wenn man über Werder mal mehr liest als ein Spielbericht. Das heißt, Werder findet abseits der Spieltage in den Medien nur sehr wenig statt. Dementsprechend kommen negative Schlagzeilen eher wenig in die Zeitung, zumal der Weser-Kurier eher pro-Werder eigestellt ist. So, viele überregionale Sportjournalisten schauen dann für die Vorbereitung in den Medien gerne bei regionalen Zeitungen vorbei. Nur in Bremen kann man das vergessen. Bezeichnend, dass Frank Baumann spox.com in München das Interview gibt und nicht dem Weser-Kurier in München. Und Boulevard besitzen wir hier gar nicht.
2. Vereinsumfeld: Thomas Schaaf und Klaus Allofs sind sehr darauf bedacht, interne Streitigkeiten auch intern zu lösen und nicht via dem Weg über die Medien. Ich finde das außerordentlich gut, denn ich als Arbeitnehmer plaudere ja auch nicht aus dem Nähkästchen meines Arbeitgebers. Und hier in Bremen wird darau verstärkt geachtet.
3. Bisherige Erfahrungen: Es gab zwei Fälle, die gezeigt haben, was passiert, wenn in Bremen mal seitens Werder medial die Sau raus gelassen wird. Das war vor zwei Jahren die Personalie Klose, als es Gerüchte gab, dass seine Frau von einem Mannschaftskameraden ein Kind erwartet. Und das war die Klopperei zwischen Alberto und Sanogo im Training. Das hat Werder tagelang die Schlagzeilen in den Medien gebracht (auch mal überregional) - und man ist damit überhaupt nicht gut gefahren, wahrscheinlich auch, weil man es nicht gewohnt war. Bremen ist keine Medienstadt, man steht selten im Fokus, von daher ist es kontraproduktiv sich selbst unnötig mehr Medienpräsenz zu ergattern.
Von daher finde ich das Interview von Baumann sachlich richtig, die Vorgehensweise aber Käse, denn scheinbar hat es sich jetzt auch in Bremen eingebürgert, an die Öffentlichkeit mit Kritik zu gehen. Werder ist bis jetzt immer gut damit gefahen, dass alles intern zu lösen. Das Umfeld in Bremen macht das auch leichter als anderswo. Von daher sollte man diese Strategie jetzt nicht aufgeben.
Es könnte ein Anfang sein, vielleicht eine neue Dimension, aber dafür braucht es noch mehrere öffentliche Kritiken an der Mannschaft. Ich hoffe, es war die berühmt Ausnahme der Regel.
3 RealityCheck // 19. Sep 2008 um 16:54
@chelsea:
Deshalb schrieb ich auch das “Klischee des unterkühlten Nordens”.
Aber danke für Deine Anmerkungen.
Und heute morgen geschrieben, nun - zum Teil - überholt: Ribéry und Frings werden fehlen, beide mit muskulären Problemen.
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