Bisher ist es nur ein “Denkmodell” (so der Kicker), aber die DFL erwägt ernsthaft die Wiedereinführung des Ligapokals.
Und zwar nicht wie bis letzte Saison als Vorbereitungsturnier vor der Saison, sondern durchgehend während den regulären Saisonspielen. Denn durch die geplante Verkürzung der Winterpause hat man ja etwas Platz zur Verfügung. Und bevor der DFB diesen für die Nationalmannschaft einnimmt, belegt man ihn lieber selbst.
Dass der Ligapokal schon zuvor nur bedingt erfolgreich war, stört nicht. Die Manager der Bundesligisten sind mehrheitlich dafür. Jedoch müsste jeder neue Wettbewerb vom DFB abgesegnet werden, weshalb dieser alles andere als sicher kommt.
Man kann nur für die DFL hoffen, dass diese Pläne nicht verwirklicht werden. Denn es braucht keinen Propheten, um zu erkennen, dass die Fans sich nicht für einen sportlich bedeutungslosen Wettbewerb interessieren werden. Erst recht nicht, wenn er während der Saison stattfindet und wohl hauptsächlich von Reservespielern bestritten würde (siehe Entwicklung in England).
Geplant ist, dass alle 36 Bundesligisten an diesem neuen Ligapokal teilnehmen. Dabei starten die Teams, abhängig von ihrer Platzierung in der Abschlusstabelle der Vorsaison zu unterschiedlichen Zeitpunkten.
Die zwanzig schlechtesten Teams würden damit die erste Runde bestreiten, die zehn Sieger träfen dann in der zweiten Runde auf die zehn nächsten Teams der Rangliste, während in der dritten Runde (Achtelfinale) die Top 6 der 1. Bundesliga und die zehn Sieger der zweiten Runde stünden.
Damit hätte der neue Ligapokal inklusive Finale sechs Runden. Der Sieger bekäme jedoch nach jetzigem Stand nur Geld und einen Pokal, da die Liga verständlicherweise keinen UEFA Cup-Startplatz zu verteilen hat. Somit wird der minimale sportliche Wert, den die Ligapokal-Wettbewerbe etwa in Frankreich oder England haben, klar unterboten.
Gelost würde nicht, die Spielpaarungen bestimmen sich nach der jeweiligen Platzierung in der 1. und 2. Liga, ähnlich den Setzlisten beim Tennis.
Wie schon gesagt, der sportliche Wert dieses neuen Ligapokals wäre arg begrenzt. Schon der Vorgängerwettbewerb zog seinen Reiz allein daraus, dass man vor der Saison die Topteams der Liga mit ihren Neuverpflichtungen zum ersten mal gegeneinander sah. Das Ergebnis hat selbst die Fans der beteiligten Mannschaften kaum interessiert.
Ganz abenteuerlich wird es, wenn man seitens der DFL überlegt, auch noch einen Supercup zwischen Meister und Ligapokal-Sieger auszuspielen. Den Supercup kann man ja gerne wieder einführen, aber dann bitte zwischen Meister und DFB-Pokalsieger.
Es wird, wenn es um eine Aufstockung der Bundesligen geht, immer damit argumentiert, dass die Belastung so hoch sei, und dann kommt man mit einem sportlich wertlosen Wettbewerb an, der den Spielern maximal sechs weitere Spiele aufbürdet, auch wenn dies nur bei einem Finalteilnehmer aus der 2. Liga eintreten würde. Aber auch die Bundesligisten haben bis zu fünf weitere Spiele vor sich. Eine Aufstockung der beiden Ligen auf zwanzig Mannschaften würde dagegen nur vier weitere Spieltermine mit sich bringen.
Und weitere Ligaspiele wären mit Sicherheit sportlich interessanter als ein neuer Ligapokal.

Bisher 6 Kommentare ↓
1 ckwon // 15. Sep 2008 um 10:43
Stimme dir zu. Wenn es vor der Saison wäre (oder meinetwegen das Finale an einem schönen Sommertag nach einem der ersten paar Spieltage), dann könnte ich mir das noch halbwegs vorstellen.
Aber ansonsten: Uninteressant. Ich hatte eigentlich gehofft, sie nutzen die kürzere Winterpause um die ärgerlichen Dienstag/Mittwochspieltage im Winter wegzunehmen, die insbesondere für Fans von Zweitligavereinen reichlich bescheiden sind.
2 RealityCheck // 15. Sep 2008 um 14:45
Die DFL kommt laut aktueller Ausgabe des Kickers (Printausgabe) auf immer lustigere Ideen.
So könne der Ligapokal sportlich aufgewertet werden, indem der Ligapokal-Sieger gegen den Tabellenfünften um dessen UEFA-Cup-Platz spielt oder der Sieger für die Ligatabelle (!) einen Bonus von drei Punkten erhält.
Zum Glück bringen die Herren Bruchhagen und Strutz als Alternative wieder die Aufstockung ins Gespräch.
3 sunny2k1 // 15. Sep 2008 um 15:37
Stichwort Mehrbelastung:
Wieso maulen wieder nur deutsche Vereine? Wird den in allen großen Ligen (Spanien, England, Frankreich oder Italien) gemault, dass es so viele Spiele mehr sind!
Ansonsten mal wieder typisch deutsche Maulerei. Zwar mehr Geld haben wollen, aber wenige Spiele! *andenKopfgreif*
4 spoonman // 15. Sep 2008 um 16:32
Mir ist auch ziemlich schleierhaft, was dieser aufgeblähte Ligapokal soll. Vom nicht vorhandenen sportlichen Wert mal ganz abgsehen: Einen solchen Wettbewerb kann man doch nur starten, wenn man glaubt, damit signifikante Einnahmen generieren zu können.
Aber welcher TV-Sender sollte diese sechs Runden übertragen wollen? Wer will sich das im Fernsehen angucken? Wer geht dafür ins Stadion?
In der 1. Runde wären Zweitligisten und Erstliga-Absteiger unter sich. Das Ganze wäre also ein gefühlter zusätzlicher Zweitliga-Spieltag, mit Paarungen wie Ahlen - Koblenz oder Mainz - Oberhausen. Und sowas möchten die DFL-Verantwortlichen dann exklusiv an Premiere verhökern, live an einem nebligen Mittwochabend im November, mit Konferenzschaltung und allem Drum & Dran? Och nö.
Und in der 2. Runde dürfen dann Bielefeld und Bochum gegen Freiburg oder Fürth antreten - was ich irgendwie noch gruseliger finde als die möglichen Paarungen der 1. Runde.
Ich bin wahrlich kein Befürworter einer Bundesliga-Aufstockung auf 20 Clubs, aber wenn sie der einzige Weg wäre, diesen Ligapokal-Unsinn zu verhindern, dann von mir aus… Hätte immerhin den Vorteil, dass dadurch vielleicht noch ein paar Traditionsvereine aus der 4. in die 3. Liga aufrücken könnten. Was aber wiederum nicht im Interesse der DFL sein kann, denn eine erstarkte 3. Liga könnte zur unerwünschten Konkurrenz für die 2. BL werden…
5 Hirngabel // 17. Sep 2008 um 12:28
Habe jetzt auch länger über diesen Vorschlag nachgegrübelt, aber ich kann dieser Neufassung des Ligapokals absolut keinen positiven Aspekt abgewinnen.
Das sind sportlich relativ uninteressante Begegnungen, die lediglich als zusätzliches, belangloses Füllmaterial zwischen dem ohnehin schon reichhaltigen fußballerischen Angebot wirken würden.
Ich schaue gerne und oft Fußball, keine Frage, aber so eine Kopfgeburt macht wenig Spaß und -da schließe ich mich dem Tenor an- wenn es schon sein muss, dann bitte lieber eine Aufstockung auf 20 Teams.
6 RealityCheck // 23. Sep 2008 um 18:00
Laut Süddeutscher Zeitung bevorzugt die Mehrheit der 36 Bundesligisten inzwischen die Aufstockung gegenüber einem ausgedehnten Ligapokal.
Aber anhand eines Einwandes lässt sich leicht erkennen, welche Position die DFL einnimmt:
Es ist nicht nachvollziehbar, wie man nicht innerhalb kürzester Zeit das Thema Aufstockung noch vor der Ausschreibung der TV-Rechte abhandeln kann. Klar, damit macht man die Büchse Verteilungsschlüssel auf, aber das passiert sowieso wohl nächstes Jahr, wenn klar ist, wieviel Geld die DFL einnehmen konnte.
Merke: Peters (Schalke) vertritt offenbar die Sichtweise der international spielenden Klubs, die gegen weitere Pflichtspiele sind. Diesen würde ein Ligapokal, den man ohne sportliche Konsequenz abschenken kann, wohl besser in den Kram passen.
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