Vom Verlauf des Spiels der deutschen Mannschaft gegen Finnland her muss man äußerst zufrieden sein mit einem Remis. Zumal durch die drei Tore Kloses die Hoffnung besteht, dass er in Zukunft wieder konstanter gute Leistungen bringen könnte. Das tut dann Bayern und Deutschland gut.
Aber die Abwehrleistung war heute so erschreckend schwach, dass das Spiel einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.
Es ist unglaublich, dass eine Abwehr aus einem der weltbesten Linksverteidiger Lahm, Tasci, Westermann und Fritz - alles Stammspieler in der Bundesliga, alle mit Champions League Erfahrung - sich von Finnlands Angreifern dreimal so amateurhaft düpieren lässt. Und besonders bei den Gegentoren zwei und drei lies sich eines erkennen:
Es liegt nicht an der mangelnden Klasse.
Schon bei der EM zappelten die international respektierten und heute fehlenden Mertesacker und Metzelder zum Großteil hilflos bei gegnerischen Angriffen herum, überzeugten besonders durch chaotisches Stellungsspiel. Das ist es nämlich. Die deutschen Abwehrspieler verlieren nicht entscheidende Zweikämpfe, die dann zu Toren führen, nein. Sie kommen erst gar nicht in diese Zweikämpfe.
Und das ist ein Problem der taktischen Einstellung. Lahm ist zwar über jeden Zweifel erhaben, dem muss man taktisch sowieso nichts mehr beibringen, und auch ein Vollpfosten als Trainer könnte hier nichts falsch machen.
Aber ich muss, besonders nach der EM und den heutigen Eindrücken, es so deutlich sagen:
Löw hat in den vier Jahren, die er nun beim DFB arbeitet, es nur in einem einzigen Spiel hinbekommen, dass die deutsche Mannschaft wirklich dominant in der Defensive ein Spiel beinahe komplett vom eigenen Tor fernhält - im allseits zum besten Spiel der Löw-Ära erklärten Auswärtssieg in Tschechien. Ansonsten gab es, auch gegen deutlich schlechtere Gegner, immer Situationen, in denen die Abwehr richtig schlecht abgestimmt und schläfrig wirkte.
Und die taktische Einstellung und Abstimmung der Spieler ist die Hauptaufgabe eines Trainers. Aber gerade in der Defensive scheint Löw noch immer kein Mittel gefunden zu haben, mit dem ihm zur Verfügung stehenden Spielermaterials eine sichere Abwehr aufzubauen. Solange die Offensive weiterhin weitgehend so funktioniert wie in den letzten Jahren, wird die Mehrheit Löws Arbeit als Glas halb voll bewerten und somit seinen Job sichern. Titel werden aber ohne funktionierende Abwehr nicht dabei herausspringen. Denn enge Spiele, und dies sind zumeist Finals, werden durch wenige, schwere Fehler entschieden. Wie das EM-Finale. Und heftige Fehler haben auch heute zum Remis geführt.

Bisher 2 Kommentare ↓
1 Stefan (Weltsicht Südtribüne) // 12. Sep 2008 um 14:30
Ist aber die Frage, ob ein Nationaltrainer, der die Mannschaft im Jahr nur an ein paar Tagen trainiert, das richtige Ziel für die in der Sache korrekte Kritik ist.
Müssten da nicht eher die Bundesliga-Trainer kritisiert werden? Denn im täglichen Training im Verein muss ein derartig grundlegendes taktisches Verhalten erarbeitet werden und es ist ja nicht so, dass die Bundesligavereine international defensiv soviel besser auftreten wie die Nationalmannschaft. Remember Atletico?
2 Fussy // 12. Sep 2008 um 22:19
Selten einen größeren Unsinn gelesen. Vom Fernsehsessel aus lässt sich ja leicht Kritik üben. Elementare Unterschiede zwischen Individual-, Gruppen- und Mannschaftstaktik sollten schon bekannt sein, bevor man hier mit Dingen wie “vom Tor fernhalten” etc. argumentiert.
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