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Rückennummernlotto [Update 2]

20. August 2008, 15:41 · 12 Kommentare

FIFA und DFB überraschen mal wieder mit einer einleuchtenden Neuerung. Die Reglementierung der Rückennummern bei Länderspielen. Demnach wird in dem FIFA-Reglement (PDF) zur WM 2010 in Regel 16 Nr. 3 festgelegt, dass die für ein Spiel gemeldeten Spieler von 1 bis 18 durchnummeriert werden müssen.

Damit wendet sich die FIFA gegen die Praxis diverser Länder (etwa auch Deutschland), für alle Länderspiele feste Rückennummern zu vergeben. So bekam etwa ein Serdar Tasci bisher die Nummer 40 zugeteilt (auch wenn er sie nie trug), ein Mario Gomez bis zur EM, wo er auf die 9 wechselte, die 32.

Grundsätzlich halte ich dies für richtig, da ich hohe Rückennummern im Fußball für ungewohnt halte und - solange es möglich ist - ein Spieler eine Nummer zwischen 1 und 23 tragen sollte. Hier sehe ich auch einen Kritikpunkt an der Regelung, man sollte es den Spielern gestatten, eine Nummer zwischen 1 und 23 zu wählen, wie es bei Welt- und Europameisterschaften möglich ist - auch wenn natürlich die Kadergrößen es nicht verlangen.

Jedoch schießt der DFB mal wieder über das Ziel hinaus.

Erstens hat keiner von ihnen verlangt, absolut feste Nummern zu vergeben. Wenn ein Hanke monatelang nicht nominiert wird, warum kann dann seine Nummer 9, die er bei der WM 2006 zugeteilt bekam, nicht vergeben werden? Oder ein David Odonkor, der zwischen WM und EM fast nie eingeladen wurde, blockierte “Kuranyis” Nummer 22, weshalb dieser die 31 trug.
Man hätte also schon bisher gewissen, wichtigen Spielern fest Nummern zwischen 1 und 23 geben können, die diese tragen, wenn sie nominiert sind. Die anderen Nummern würden frei verteilt. Nun, in Umsetzung dieser Regelung, gibt der DFB heute bekannt, dass man ab sofort die Trikots wieder durchnummerieren wird.

Aber nicht genug damit. Man verzichtet ab sofort auch wieder darauf, die Trikots mit dem Spielernamen zu versehen.
Der Service an die Fans und die Marketing- und Merchandisingmaßnahme ist dem DFB offenbar zu beschwerlich oder zu teuer. Es kann dem Zeugwart wohl nicht zugemutet werden, die Trikots erst am Spieltag zu beflocken.

Das ist ein Rückschritt, ein Zeichen für mangelnde Professionalisierung, mangelndes Gespür für Service und Vermarktung. Der DFB hat schon viel zu lange gebraucht, um überhaupt außerhalb von Turnieren den Spielernamen auf die Trikots anzubringen. Während die englische Nationalmannschaft schon seit etwa Mitte des letzten Jahrtausend regelmäßig Namen auf ihren Trikots trug, fing der DFB erst nach der WM 2002 damit an. Und nun lässt man es gleich wieder.

Update [21. August 2008, 15:20 Uhr] Ich bin eben sogar auf einen weiteren Beweis gestoßen, dass weder die Numerierung der Startelf von 1 bis 11 noch die Namenlosigkeit von der FIFA vorgeschrieben ist.

Die USA haben letzte Nacht gegen Guatemala ihr erstes WM-Qualifikationsspiel bestritten. Wenn man bei ESPN Soccernet oder auf der offiziellen Website des US-Fußballverbands den Spielbericht betrachtet, sieht man, dass etwa der Rostocker Heath Pearce mit der Rückennummer 15 in der Startelf stand. Auch bei Guatemala spielten diverse Spieler der Startelf mit Nummern über 11. Jedoch war die höchste vergebene Rückennummer tatsächlich die 18.

Was die Spielernamen angeht, findet man bei einer AFP-Meldung ein Bild aus diesem Spiel, welches Carlos Bocanegra zeigt. Von hinten. Mit Namen auf dem Trikot.

Update 2 [21. August 2008, 15:58 Uhr] Die ARD hat bei der FIFA nachgefragt.

“Das ist ein großes Missverständnis”, erklärt eine FIFA-Sprecherin auf Anfrage von sport.ARD.de. “Die Verbände können sich nach wie vor aussuchen, ob sie die Namen auf die Trikots schreiben möchten oder nicht.”

Vorgeschrieben sei allein, dass in der WM-Qualifikation jeder 18er- Kader einer Mannschaft auch die Nummern von 1 bis 18 tragen müsse, erklärt die FIFA.

Also, Ballack mit der 13 und Namen drauf in der Startelf wäre auch weiterhin gestattet. Wie vermutet. Nur eben Podolski mit der 20 nicht.

Das macht die Vorschrift mit der Begrenzung auf 18 statt 23 nicht viel besser, klärt aber die Missverständnisse gestern endgültig auf.

Tags: Fußball · Liveblogging · Olympia · Sport · Und noch was...

Bisher 12 Kommentare ↓

  • 1 Spielmacher // 20. Aug 2008 um 23:18

    Wer hat nun recht? Du mit “Man verzichtet ab sofort auch wieder darauf, die Trikots mit dem Spielernamen zu versehen” oder alle anderen mit “Namen auf dem Trikot sind von der FIFA verboten worden”?

  • 2 RealityCheck // 21. Aug 2008 um 9:40

    Für meine Auffassung spricht folgendes:

    Im verlinkten FIFA-Dokument ist von einem Verbot von Spielernamen keine Rede.

    Außerdem ist die DFB-Meldung ja in diese Richtung formuliert.

    Das bedeutet in der Praxis, dass bis zur WM 2010 nicht mehr der Name des jeweiligen Spielers auf dem Trikot stehen wird. Denn die internationalen Regeln besagen außerdem, dass der 18er-Kader für ein Länderspiel erst 90 Minuten vor Spielbeginn festgelegt werden muss.

    Da steht nicht, dass die FIFA die Namen untersagt habe, sondern das in der Konsequenz es zu kurzfristig sei, erst neunzig Minuten vor Anpfiff die Trikots zu beflocken.

    Was natürlich Blödsinn ist, da man nur in Ausnahmefällen mehr als zwei, drei Trikots erst kurz vorher beflocken müsste, da der Kern des Kaders schon vorher feststeht.

  • 3 Spielmacher // 21. Aug 2008 um 10:11

    So habe ich das nämlich auch interpretiert. Lustig ist nur, dass alle Medienwelt aufs Bierhoffs Sicht der Dinge hört und nicht einfach selbst in der Richtlinie liest.

  • 4 Wer verbot die Namen auf den DFB-Trikots? | Du Gehst Niemals Allein // 21. Aug 2008 um 12:47

    [...] Der erste Zweifler war im übrigen Reality Check vom Sportmedienblog. [...]

  • 5 RealityCheck // 21. Aug 2008 um 17:23

    Der DFB hat ohne großes Trara die oben verlinkte Meldung abgeändert. Dort steht nun:

    Das bedeutet in der Praxis, dass bis zur WM 2010 nicht mehr der Name des jeweiligen Spielers auf dem Trikot stehen wird, selbst wenn das formal von der FIFA nicht verboten ist. Da erfahrungsgemäß das Aufgebot der DFB-Auswahl für ein WM-Qualifikationsspiel mehr als 20 Spieler umfasst und der 18er-Kader erst 75 Minuten vor dem Anpfiff vom Bundestrainer dem Schiedsrichter gemeldet werden muss, ist eine kurzfristige Beflockung der Trikots mit den Namen der Spieler nicht mehr möglich.

    Das Trainerteam der deutschen Nationalmannschaft entschied in dieser Woche nicht nur die neue FIFA-Regel auf freiwilliger Basis künftig auch in Freundschaftsspielen wie gegen Belgien umzusetzen, sondern legte gleichzeitig fest, dass in allen Länderspielen für die Anfangsformation die Nummern eins bis elf vergeben werden. Die FIFA sieht diese Regelung in ihren Anweisungen an die Nationalverbände allerdings nicht vor und lässt auch die Möglichkeit offen, dass ein Spieler, der zur Startelf gehört auch eine Nummer von 12 bis 18 tragen kann.

    Also:

    Nummernverbot über 18 verdanken wir der FIFA, alles andere nur dem DFB.

  • 6 dogfood // 21. Aug 2008 um 17:25

    Bitter finde ich bei der Geschichte, dass anscheinend nicht ein einziges deutsches Medium (ich bitte um Entschuldigung falls ich mich irren sollte) die DFB-Auslegung hinterfragt hat und sich selbst mal die FIFA-Anweisung durchgelesen hat. Selbst der KICKER entblödet sich nicht, den DFB nachzuplappern.

  • 7 RealityCheck // 21. Aug 2008 um 17:38

    Durch die - ich behaupte es jetzt einfach mal - gezielte Desinformation, die FIFA habe dies verboten, hat man die erste Kritik vom DFB weggehalten.

    Denn es ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten zu behaupten, es wäre nicht möglich, innerhalb einer Stunde vor Anpfiff 18 Trikots zu beflocken. Zumal Torhüter wie Stammspieler zumeist ja fest stehen.

    In der Praxis würde es maximal drei, vier Trikots betreffen, die man kurzfristig beflocken müsste. Und das kann Deutschlands größter Sportverband wohl finanziell verkraften, zur Not (also besonders bei Auswärtsspielen) mal zehn Trikots falsch beflockt zu haben.

  • 8 Vetter Itt // 21. Aug 2008 um 20:21

    pssst… nicht weitersagen: wenn man geschätzte 2 Sekunden nachdenkt, könnte einem der clevere Gedanke kommen, das Pferd von der anderen Seite aufzuzäumen, man also nicht die ganzen Namen flocken müsste, sondern nur die Nummern…

    Unglaublich, dass sich der DFB nicht entblödet und tatsächlich mit dem Aufwand der Namensbeflockung argumentiert.

  • 9 spätburgunder // 21. Aug 2008 um 22:46

    Wenn ich das richtig verstehe, was der DFB da mitteilt, ist es so, dass alle Trikots schon vor Bekanntgabe des Kaders und der Aufstellung beflockt sind.
    Doch wie soll das bitte funktionieren, wenn man in einem Team Spieler wie Mertesacker und Lahm hat, die nie im Leben das Trikot des anderen tragen könnten, womit eine vorherigge Beflockung quasi unmöglich ist, da sich ja die Nummern und damit die Trikots einfach nach Jogis Lust und Laune ändern könnten, was im Umkehrschluss für mich zumindest bedeutet, dass die Trikots alleine schon aufgrund der unterschiedlichen Spielergrößen nach Bekanntgabe der Mannschaft beflockt werden müssen und man dann die Namen gleich auch mit raufmachen könnte, wenn sich der Zeugwart denn nicht überfordert fühlen würde.

  • 10 Jan! // 22. Aug 2008 um 8:13

    Als ob es nicht schon genug Regeln gibt, beschränkt man jetzt die Verbände noch weiter.

    Mir doch egal ob Podolski die Nummer 20 oder die 99 trägt. Muss doch jeder selber wissen.

  • 11 Thomas // 22. Aug 2008 um 10:08

    @spätburgnder: drum steht oben auch sinnvollerweise geschrieben: Namen drauf, Nummer später.
    Und überhaupt: Wenn der Schiri erst 75Min vorher erfährt - wer sagt daß es nicht zuvor schon klar ist? Vgl. EM-Aussortierung…

    Kurzer Blick in die Glaskugel (getrübt, da der Pekinger Dunst noch rumwschwabert): Da Nike aber sogar die Partie auf die Brust flockt könnte man einfach den Ausrüster wechseln und alles wäre wieder supi weil die das sicherlich als Serviceleistung machen. Aber mit sowas würder der Oli ja nie pokern :-)

  • 12 Trikotnummern-Rätsel « Kabinenpredigt // 29. Sep 2008 um 12:42

    [...] Kabinenpredigt Der Fußball-Blog « Kabinenpredigt - der Podcast #1 Trikotnummern-Rätsel September 29, 2008 Vor nicht allzu langer Zeit gab es (und gibt es ja auch immer noch) eine Debatte, um den Namensschriftzug der deutschen Nationalspieler auf ihren Trikots. Die FIFA hatte angeblich in ihrem Reglement einen Passus stehen, der besagte, dass die für ein Länderspiel gemeldeten Spieler von 1-18 duchnummerierte Trikots erhalten müssten. Im Sportmedienblog ist die Geschichte noch einmal in Gänze nachzulesen. [...]

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