Dem Franzl ist niemand böse. Niemals. Der kann den größten Mist erzählen, aber Kaiser Franz ist sakrosankt. Und besonders: Franz Beckenbauer darf viermal am Tag die Meinung ändern, ohne dass es jemanden stört.
Bekanntlich will Uli Hoeneß demnächst Beckenbauers Posten als Präsident des FC Bayern. Für die Position übt er schon fleißig. Das Fähnchen im Wind drehen hat er schon drauf.
Uli Hoeneß gegenüber BILD anno September 2005 (via Focus Online) zum Thema TV-Rechte:
„Das wird der FC Bayern niemals akzeptieren”, warnte Hoeneß in der „Bild“-Zeitung vom Donnerstag. „Unsere Fans werden unsere Spiele im Free-TV im angemessenen Anteil zu sehen bekommen”, verspricht er. Und dann fügt er noch drohend hinzu: „Ich glaube nicht, dass sich Herr Kofler mit uns anlegen will und die Macht des FC Bayern unterschätzt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es zur großen Konfrontation kommt.“
Tja, dass es drei Monate später doch zum Knall kam, wissen wir inzwischen.
Und auch Rummenigge bot damals im Zusammenhang mit der Champions League eine Argumentation, die wir heute exakt so vom Kartellamt kennen:
Rummenigge sagte: „Wir müssen aufpassen, dass wir die Seele des Fußballs nicht verkaufen.“ Wenn das Top-Spiel des Spieltags nur im Pay-TV zu sehen sei, würden die Fans „in erpresserischer Weise zu Abonnements gezwungen“. Der FC Bayern werde dieses Spiel nicht mitspielen.
Und heute, gegenüber Focus Money?
Hoeneß will künftig die ARD-„Sportschau“ umgehen und fordert, die TV-Berichterstattung auf den Bezahlsender Premiere zu verlegen. „Wer sagt denn, dass wir mit der ARD weiter zusammenarbeiten müssen?“, so der FC Bayern-Manager. „Wir müssen das Pay-TV, und damit Premiere, wie noch nie pushen.“ Hoeneß setzt sich für direkte Verhandlungen mit dem US-amerikanischen Medienmogul und Premiere-Großaktionär Rupert Murdoch ein. „Nichts darf mehr tabu sein“, sagte Hoeneß.
Soviel zur Bedeutung des Wortes “Niemals”. Und von den anderen Vorwürfen seitens Hoeneß und DFL gegenüber PREMIERE (Stichwort: Weißer Ritter) und den übrigen Knüppeln wie etwa der eigene DFL-Kanal will ich gar nicht erst anfangen.
Wobei die aktuelle Aussage ja sogar absolut richtig ist. Die Bundesliga muss endlich etwas dafür tun, dass die Leute Pay TV abonnieren. Das war den Granden zwischen den Rechteausschreibungen bisher immer herzlich egal. Da sollte nur alle drei Jahre genug Schotter bei herumkommen. Dass der Pay TV-Partner ebenfalls erfolgreich war, war meistens egal (im Interview mit der Süddeutschen warf Hoeneß etwa PREMIERE vor, dass man auch Filme und Pornos zeige).
Nur, nach der Kartellamtsentscheidung geht es nicht mehr über die Schiene, die Free TV-Berichte auf nach 22 Uhr zu verschieben. Jetzt muss man Innovation zeigen. Etwa Salami-Taktik, etwa Topspiele nicht mehr Samstagnachmittags. Dann spielt eben Bayern nur noch dann, wenn man dem Pay TV hohe Exklusivität zugestehen darf. So läuft’s in England auch, auch wenn dies eine andere Situation ist. Die populären Teams spielen kaum noch zur traditionellen Zeit am Samstag um 15 Uhr. Warum bringt man nicht wieder ein Tea Time Spiel parallel zur Free TV Berichterstattung um 18.30 Uhr ins Spiel, das dann um 22 Uhr im Sportstudio läuft? Und besonders muss man dann darauf achten, dass so wenig Live-Spiele wie möglich im Free TV laufen.
Das Kartellamt hat angemahnt, dass der Großteil der Spiele des Spieltags (derzeit fünf) zeitnah im Free TV zu sehen sein müssen. Welche Spiele das sind, hier kann die DFL kreativ sein.

Bisher 6 Kommentare ↓
1 M.Wiemer // 19. Aug 2008 um 19:06
Wie sagte Bertolt Brecht so schön: Erst kommt das Fressen dann die Moral.
2 ckwon // 20. Aug 2008 um 9:34
Naja, wenn die Bayern im Pay-TV verschwinden, dann werden die anderen Sponsoren sicherlich alles andere als glücklich sein.
Und die jungen Fans suchen sich andere Lieblingsmannschaften.
Hoeneß hatte ja damals die Aussage nciht aus reiner Nächstenliebe getätigt, sondern weil die Masse die mit der Sportschau erreicht wird, sich eben auch bezahlt macht.
3 RealityCheck // 20. Aug 2008 um 11:56
Natürlich ging es um die Sponsoren. Auch wenn man die armen Fans in den Vordergrund gestellt hat. Aber Bayern hat die höchsten Sponsoringeinnahmen aller Bundesligisten, also ein erhöhtes Interesse an einer hohen TV-Präsenz. Kein Wunder, dass Bayern da am meisten zu verlieren hat.
An den Vorlieben der jungen Fans würde sich eher nichts ändern, siehe letztes Jahr, als Bayern aufgrund des UEFA Cups häufig Sonntag spielte - und damit erst nach 22 Uhr im Free TV zu sehen war. Trotzdem gab es laut den jährlichen Umfragen von Sportfive einen Zuwachs bei den Sympathisanten.
Ich habe übrigens nun das Interview in Focus Money in Gänze gelesen. Weiterer interessanter Punkt ist Hoeneß’ Antwort auf die Frage, wie denn Murdochs Antwort auf die Free TV-Forderung des Kartellamts laute. Darauf antwortet Hoeneß nur, darüber müsse man “hinter verschlossenen Türen” diskutieren.
4 dogfood // 20. Aug 2008 um 13:20
Ich werde immer etwas zappelig, wenn Hoeneß irgendwas hinter verschlossenen Türen diskutieren will und der Leo Kirch nicht minimum 500 Kilometer von dieser Tür Abstand hält.
5 forlan // 20. Aug 2008 um 18:04
je nachdem, immerhin hat murdoch doch damals bei kirch angeblich eine milliarde versenkt, denke daher, dass leo eh weit weg ist.
oder aber uli erklärt wie das so läuft wenn die bayern still halten und leo erläutert den damaligen neben-vertrag zwischen bayern und kirch…
6 dogfood // 20. Aug 2008 um 19:44
Na ja. Allzuweit ist Leo bei der Geschichte derzeit noch nicht, schließlich ist er Ansprechpartner für die TV-Rechte.
Und witzigerweise dürfte es auch eines der Lieblingsmodelle von Kirch & der DFL sein, wenn Murdoch sowohl Pay-TV als auch Free-TV-Rechte kauft. Weil Murdoch über bestimmte Steuerungsmöglichkeiten dafür sorgen könnte, dass “sein” Free-TV-Sender, nennen wir ihn einfach mal: SAT.1, die Free-TV-Ausstrahlung relativ unattraktiv machen könnte.
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