sportmedienblog

Ein Blog für Sport, Medien und Sportmedien

sportmedienblog header image 2

Skys neuer Cricket-Deal

5. August 2008, 16:51 · Kein Kommentar

Das ECB, das England and Wales Cricket Board, hat bekannt gegeben, dass man wie erwartet den TV-Vertrag mit Sky und Five bis ins Jahr 2013 verlängert hat. Das ECB kassiert für den Vertragszeitraum 300 Mio Pfund, dafür läuft erneut sämtliches Live-Cricket mit Beteiligung von englischen Mannschaften (fast) nur bei Sky Sports.

Interessant ist aber besonders die Reaktion des Chairmans des ECB, Giles Clarke, in einem Interview, das auf der BBC-Website zu finden ist.

Clarke beschwert sich bitterböse darüber, dass die BBC kein Gebot für Livespiele abgegeben hat. Man wäre bereit gewesen, für die BBC attraktive Pakete zu schnüren, trotzdem habe die alte Tante abgewunken. Trotz langer, intensiver Gespräche seit dem letzten TV-Deal habe kein terrestrischer Anbieter (also BBC, ITV, Channel 4 oder Five) ein Gebot für Livespiele abgegeben.
Er verweist auch auf den Erwerb der Rechte an der Formel 1 durch die BBC und führt an, dass die Millionen von aktiven Cricket-Spielern auch Gebühren zahlen würden, und weitaus weniger Briten Motorsport oder Rugby betreiben würden, trotzdem investiere die BBC hier viel mehr Geld. Als public service habe die BBC diese Bevölkerungsschicht auch zu bedienen. Cricket sei fest in der Gemeinschaft verankert und habe grundsätzliche Bedeutung für das Land. Cricket sei der Sommersport in England und die BBC müsse hier vertreten sein.
Das Finanzierungsargument weist er damit von der Hand, dass der walisische Sender S4C Rechte für den walisischsprachigen Raum erworben hat - und wenn dieser sich dies leisten könne, müsste die BBC dazu auch in der Lage sein.

Eine Wiederaufnahme von Cricket in die Liste der für Pay TV blockierten Sportveranstaltungen lehnt er ab, er verlangt vielmehr eine nationale Diskussion über die Aufgaben eines öffentlich-rechtlichen Senders. Diese Auffassung wundert nicht, sind die Steigerungen in den Einnahmen doch hauptsächlich Ergebnis eines Wettbietens der Pay-Sender Sky und Setanta.

Die BBC verteidigt sich mit dem Hinweis, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimme nicht und es hätte auch ihre Programmplanung durcheinander gebracht. Auch sei das Befürchtete eingetreten, nachdem heimisches Test Cricket von der Liste der für Pay TV blockierten Sportveranstaltungen gestrichen wurde, könne sich ein terrestrischer Anbieter diese Rechte nicht mehr leisten.

Ein Gebot für die Highlightrechte seitens der BBC wurde vom ECB abgelehnt.

Interessant ist hier der Unterschied des Auftretens der BBC im Vergleich zu dem des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Während die BBC sich verteidigt, dass man Geld sparen wolle und keine wahnsinnigen Summen bieten werde, bietet die ARD im Kampf um die Sportschau im Bietverfahren 2005 ca. 40 Mio Euro oberhalb des höchsten Gebots eines Privatsenders. Von Sparsamkeit ist - bis auf vereinzelte Ausnahmen - hier kaum etwas zu sehen.
Aber die Reaktion der Funktionäre ist frappierend ähnlich zu der der deutschen Fußball-Funktionäre in Fragen der TV-Vermarktung. Auch ein Uli Hoeneß forderte ja schon mal plakativ eine Gebührenerhöhung für die Sportschau, weil die vielen gebührenzahlenden Fußballfans versorgt sein wollten. Und das wichtigste ist auch für die Cricket-Chefs, dass es ein Wettbieten möglichst vieler Sender um ihre Ware gibt.

Sicherlich verständlich. Nur wirkt es - ob bei Cricket-Funktionären oder bei Fußball-Funktionären - immer so, als argumentiere man mit hehren Zielen (wie etwa die Verankerung in der Gesellschaft), obwohl man selbst am meisten an Einnahmesteigerungen interessiert zu sein scheint.
Es zwinkt niemand Sportverbände ihre Rechte im Pay TV verschwinden zu lassen. Aber die Funktionäre hätten das gerne, zumindest als Druckmittel, um ihre Einnahmen zu maximieren.

Wenn man dann mit den Interessen der Bevölkerung ankommt und andere Marktteilnehmer und Sender beschuldigt, nicht genug für diese zu tun, dann klingt das doch oft sehr nach Heuchelei.
Das Geld nimmt man gerne. Schuld an den negativen Folgen sind aber immer nur die anderen.

Ach ja:

Ich wüsste gerne, ob die ARD jemals ihr gegenüber solch kritischen Stimmen Platz in ihren Medien einräumen würde. Wenn man die Hofberichterstattung in Sachen Gebühren sieht, fehlt einem der Glaube daran.

Tags: Medien · Sport

Bisher 0 Kommentare ↓

  • Bisher noch keine Kommentare.

Kommentar hinterlassen