Die Welt am Sonntag bringt heute - etwas verspätet - einen Bericht (oder soll es ein Kommentar sein?) zum Kartellamtsvotum gegen die DFL vorletzten Donnerstag, der gefärbter nicht hätte sein können.
Zuerst stellt sich natürlich die Frage, warum die WamS erst jetzt damit ankommt, haben doch sämtliche anderen Medien das Thema inzwischen mehr oder weniger durch, sofern es nicht einen weiteren Erkenntnisgewinn gibt, wie etwa der gestrige Artikel des Tagesspiegels oder die Vorabmeldungen von Spiegel und Focus.
Die Wams führt mysteriös eine “streng vertrauliche/geheime” Präsentation, die der Zeitung vorliege, an. Und was steht in dieser Präsentation? Die geplanten Vermarktungsmodelle der DFL und Kirch. Na Bravo. Als ob wir das nicht schon seit Monaten, seit der offiziellen Vorstellung durch die DFL am 20. Mai 2005, wüssten.
Dies ist also nur ein schwacher Grund, hier nochmals einen Artikel hinterherzuschieben. Weitere Neuigkeiten hat der Artikel eigentlich überhaupt nicht zu bieten.
Vielmehr fällt auf, dass der Artikel sehr gefärbt erscheint und mehr wie ein Kommentar denn ein um Objektivität bemühter Artikel wirkt. Schon die Überschrift “Kartellamt verärgert Fans” klingt sehr skurril, wird außerdem im Artikel nicht durch wirkliche Fakten unterstützt, sondern nur durch eine unzulässige Aufrechnung der Sendestunden in den zwei Modellen (hier wird etwa außer Acht gelassen, dass von den vielen Fans wichtigeren Samstagsspielen weniger und später berichtet würde und die Sendezeit nur durch das Livespiel aufgepeppt wird - es gibt also weniger attraktive, frühe Sendezeit von allen Spielen bis auf das eine Livespiel).
Noch dazu, da die weite Mehrheit der Leserbriefe und Umfragen zu dem Thema in den letzten Wochen eine andere Sprache sprechen. Der Fan - sofern es ihn denn überhaupt in dieser Verkürzung gibt - ist vordergründig ganz glücklich über den Erhalt der Sportschau. Es gibt ein paar Stimmen, die über das entgangene Geld jammern, aber dass jemand behauptet, das Kartellamt habe mehr Fußball im Free TV verhindert, habe ich bisher so noch nicht gelesen.
Auf die Argumente des Artikels braucht man eigentlich weniger einzugehen - es ist fast eins zu eins die bekannte DFL-Argumentation. Selbst die inzwischen absolut herrschende Meinung, dass Sportligen Kartelle sind, zieht man in Zweifel. Insofern ist dies auch eine Premiere, stellt die WamS sich doch als erste überregionale Zeitung so offen auf Seiten der DFL und gegen das Kartellamt.
Die Frage des Warums beantwortet der Artikel am Ende selbst.
Auch die angekündigte Untersagung der Übernahme von ProSiebenSat.1 durch den Verlag Axel Springer (”Bild”, “Welt am Sonntag”) erscheint, könne er nicht nachvollziehen. “In einer Verbindung zwischen ProSieben und “Bild” crossmediale Effekte zu vermuten, die die “Bild” unangreifbar mache, war Unfug”, so Möschel.
Da gibt das eine vermeintliche Opfer des Kartellamts dem anderen Schützenhilfe. Für die Argumentation dann auch noch den Kabelmarkt anzuführen und die Entscheidung gegen Liberty Media zu kritisieren, wirkt angesichts der Streitigkeiten zwischen Kabel Deutschland und kleineren Netzbetreibern und diversen Sendern um die Einspeisemodalitäten wie blanker Hohn. Nicht auszudenken, wie das ablaufen würde, wenn es nicht drei große, unabhängige NE3-Betreiber gäbe.

Bisher 0 Kommentare ↓
Bisher noch keine Kommentare.
Kommentar hinterlassen