Kritisieren ist leicht. Und jetzt mache ich es mir mal nicht leicht. Anstatt nur auf die DFL draufzuhauen, was sie alles verbockt hat, wie sie sich daneben benimmt, wo sie Anfängerfehler begeht, gibt es jetzt den Versuch, kreative, konstruktive Vorschläge zu erörtern, wie die DFL aus dem Dilemma kommen kann, in dem sie spätestens seit dem letzten Donnerstag steckt. Wie sie die Einnahmen halten oder sogar steigern kann.
Vieles ist schon mal angedacht worden, aber bisher nicht oder schlecht umgesetzt. Nun ist vielleicht der Zeitpunkt gekommen, sich seitens der DFL noch mal an diese Punkte heranzumachen.
Liga-Namenssponsor
Dies sollte nun ein Muss sein. Individualinteressen und Sponsoring-Exklusivansprüche der Klubs müssen hier zurückstehen, nun muss die Liga zeigen, dass sie die DFL nicht nur weiter als kleinsten gemeinsamen Nenner sieht, sondern wirklich zur Verbesserung der Vermarktung beitragen kann. Ja, es wird wieder Bedenken geben, wenn der Audi-Partner FC Bayern in der Mercedes-Benz Bundesliga spielen soll (nur als Beispiel für Sponsoring-Kollision). Der erste Titelsponsor der Premier League war mit Carling eine Biermarke - obwohl sowohl Liverpool (Carlsberg), Newcastle (Newcastle Brown Ale) und Chelsea (Coors) zu dieser Zeit konkurrierende Biermarken als Trikotsponsor hatten.
Was auf jeden Fall nicht wieder vorkommen darf, ist, dass ein Hauptsponsoring der Liga wie 2006 unter Wert vergeben wird.
Es mögen zu Anfang nur 20 bis 30 Mio Euro dabei in die Kassen der DFL fließen - aber wenn die Liga sich wegen der gleichen Summe wieder mit Kirch einlässt, darf dies nicht einfach vernachlässigt werden.
Liga-Ball
Die vorerst gestoppte Ausschreibung des Liga-Balls muss so schnell wie möglich durchgezogen werden.
Verbesserung im Liga-Merchandising
Hierzu gehört zuallererst die Stärkung der Bundesliga corporate identity, etwa durch einheitliche Liganummern wie in England, Schottland, Frankreich oder der MLS, in die das Bundesliga-Logo integriert ist. Dadurch wird die Bundesliga hochwertiger wahrgenommen, es ist außerdem eine Steigerung im Absatz personalisierter Trikots zu erwarten (etwa dadurch, dass viele Sportgeschäfte jedes Bundesliga-Trikot mit der offiziellen Beflockung ausstatten können).
Außerdem wäre zu überlegen, ob in Zusammenhang mit dem Liga-Ball auch eine Bundesliga Bekleidungs-Kollektion eingeführt werden könnte. Adidas-Trainingsanzüge und -shirts mit dem Bundesliga-Logo etwa. Das komplette Programm.
Ausweitung des Trikotsponsoring
Das wird jetzt unpopulär. Ich bin selbst gegen menschliche Litfaßsäulen wie in der DEL. Jedoch wäre zu überlegen, in geordneten Bahnen hier neue Flächen zum Sponsoring freizugeben.
Ich denke da etwa an eine 10 x 30 cm große Fläche unter der Rückennummer, wie es das etwa auch jahrelang in der MLS gegeben hat. Auch in der englischen Football League ist dies eine populäre Werbefläche.
Außerdem finde ich die Nutzung dieser Fläche weitaus appetitlicher als die Hosenwerbung von Arminia Hannover - von der Effektivität ganz zu schweigen, da der Blick des (männlichen) Zuschauers eher auf die Rückennumer als den Hintern des Spielers geht. Der Spielername müsste dann natürlich über die Nummer, der Teamname komplett weichen.
Auslandsvermarktung: IPTV auf bundesliga.de
Im britischen TV (als Beispiel) ist die Bundesliga bei Setanta vertreten. Dies aber sehr spärlich. Wenn zwei Spiele pro Woche live übertragen werden, ist das viel. Die Samstagsspiele sind in UK aufgrund der Blackout-Regel überhaupt nicht zu sehen. Das muss man sich mal vorstellen. Da stehen am 33. und 34. Spieltag die Entscheidungen in der Liga an, und in UK gibt’s keine Livebilder.
Hier könnte die DFL mit IPTV auf ihrer Seite bundesliga.de ansetzen. Im Rahmen der neuen Auslands-Verträge sollte man dies berücksichtigen, dass IPTV-Rechte nicht-exklusiv vergeben werden. Ist dies nicht möglich, so bliebe die Möglichkeit sich auf nicht übertragene Spiele zu begrenzen (wie dies etwa die NFL macht).
Auf jeden Fall böte sich hier - auch besonders für die 2. Liga - ein brach liegendes Feld an, etwa Einzelspiel-Tickets oder Saisonkarten anzubieten. Ebenso On Demand wäre eine Möglichkeit. Die Klub-Angebote wie fcb.tv betreiben solche Dienste schon zum Teil erfolgreich. Die Spiele werden sowieso produziert, daher sind einzig die technischen Kosten zu berücksichtigen.
Liga-Aufstockung
Dies wurde zwar schon von den Klubs der DFL abgelehnt, da man die Einnahmen wohl nicht mit vier weiteren hungrigen Mündern teilen will. Aber diesen Vorschlag sollte man sich nochmal ansehen.
Durch eine Erweiterung beider Ligen auf 20 Teams erweitert sich das angebotene Produkt um je vier Spieltage. Die Devaluation der bisherigen Spiele ist nicht so deutlich wie der Wertzuwachs durch die vier weiteren Spieltage, durch die vier weiteren Standorte in Liga 1 und 2.
Außerdem hätte man damit ein Spiel pro Spieltag mehr, was man dem Pay TV anbieten könnte und trotzdem bei den vom Kartellamt geforderten fünf Spielen in der frühen Sportschau am Samstag bleibt.
Dies sind diverse Punkte, die - zum Großteil abseits von der nationalen TV-Vermarktung - Einnahmezuwächse versprechen. Und bei der nationalen TV-Vermarktung gäbe es auch noch denkbare Ansätze (etwa bei der 2. Liga, wo das Kartellamt nicht so starre Vorgaben gegeben hat). Auch die Zusammenfassung der vier Dienstagsspiele in englischen Wochen könnte man - wie in England - komplett aus dem Free TV streichen und erst Mittwochs mit den anderen Spielen ausstrahlen. Mal abwarten, wann die DFL wieder zur konstruktiven Arbeit zurückkehrt, nachdem sie lautstark ihrem Ärger Luft gemacht hat.

Bisher 3 Kommentare ↓
1 Timo // 28. Jul 2008 um 14:12
Mal ne Frage am Rande: Was genau ist die Blackout-Regel?
2 RealityCheck // 28. Jul 2008 um 14:25
Die UEFA gestattet ihren Mitgliedsverbänden während der Saison die Hauptspielzeit der nationalen Ligen für TV-Übertragungen komplett zu blocken.
In England ist dies etwa 15 - 17 Uhr Ortszeit, also 16 - 18 Uhr deutscher Zeit.
In dieser Zeit darf im englischen TV keinerlei Livefußball zu sehen sein, egal aus welcher Liga (dies ist auch ein Grund, warum in England nicht alle Spiele im Pay TV zu sehen sind).
Diese Regel soll den Stadionbesuch schützen.
Link (PDF)
3 forlan // 1. Aug 2008 um 14:54
dazu passend:
http://www.dwdl.de/article/story_17024,00.html
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