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Sommertheater: Brett Favre

24. Juli 2008, 17:20 · Kein Kommentar

Ein Mann sorgt vollkommen allein dafür, dass Sommerloch dieses Jahr in den US-Medien ein Fremdwort ist. Nein, nicht Obama. Die Rede ist von Brett Favre. NFL-Quarterback-Legende. Ex-Green Bay Packer. Eigentlich inzwischen Rentner. Eigentlich.

Doch ein paar Monate nach dem Herumgeeiere um seinen Rücktritt gibt’s jetzt ein Herumgeeiere um sein Comeback. Bestes Sommertheater.

Angefangen hat alles mit Favres Rücktritt. Man merkte damals schon, dass er eigentlich nicht aufhören wollte. Er klagte mehr oder weniger offen darüber, dass die Packers ihn nicht zum Bleiben bewegen wollten. Doch die Packers waren eben am Ende ganz froh, mal unter die Ära Favre einen Schlussstrich zu ziehen. Der Mann - Legende hin oder her - wird ja auch nicht jünger, und die genialen Spiele Marke Monday Night gegen die Raiders wurden auch immer weniger. Und ein wirklicher Super Bowl Aspirant sind die Packers so oder so nicht, ob mit oder ohne Favre.

Die Packers bereiteten sich also auf die erste Saison nach Favre vor, Aaron Rodgers sollte der neue Quarterback im Lambeau Field werden. Dann kam der 2. Juli 2008. Die US-Medien berichteten, dass Favre im Packers-Office vorstellig wurde und eine weitere Saison spielen wollte. Die Packers waren nicht begeistert und hielten öffentlich Rodgers die Stange.

Teil 2 der Saga folgte eine Woche später - Favre bat die Packers um eine bedingungslose Vertragsauflösung, damit er sich ein anderes Team suchen könne. Favre in der NFL, für ein anderes Team als die Packers? Was für viele unvorstellbar erschien, wurde langsam Realität. Doch nicht genug, in einem Interview mit Fox News weinte sich Favre darüber aus, dass er nicht habe zurücktreten wollen, dass er es bereue, und dass die Packers ihn dazu gedrängt hätten. Er wolle aus seinem Vertrag entlassen werden und zu einem Titelkandidaten wechseln (Favres derzeit ruhender Vertrag erlaubt ihm jeden Trade gegen den Willen des Teams zu blockieren).

Doch richtig lustig wurde das Sommertheater erst in den letzten Tage. Die US-Zeitung Milwaukee Journal Sentinel berichtete, dass Favre über ein von den Packers gestelltes Mobiltelefon (!) das coaching staff der Minnesota Vikings mehrfach kontaktiert habe.

Die Minnesota Vikings. Der Rivale der Packers in der NFL überhaupt. Divisionskonkurrent. Favre in einem Vikings Jersey? Für Packers-Fans der Alptraum schlechthin. Nur noch zu toppen durch eine 55-3 Niederlage gegen eben jene Vikings - in einem NFC Championship Game. Mit sieben Touchdown-Pässen von Favre. Nein, das wäre - für Vikings-Fans und den TV-Sender Fox (der NFC-Sender) zu schön, um wahr zu sein. Die Packers beschwerten sich auch gleich bei der NFL, dass die Vikings mit Favre einen Spieler, der bei ihnen unter Vertrag steht, kontaktiert hätten (was nach NFL-Regeln verboten ist). NFL-Bedienstete statteten den Vikings auch einen Besuch ab, um die Vorwürfe zu untersuchen.

Trotzdem gab es heute ein Dementi via Green Bay Press-Gazette (übrigens: wie man sieht, die US-Antwort auf die Printkrise heißt Fusionen diverser Blätter) - Favre hat gar kein von den Packers gestelltes Mobiltelefon. Naja, dem Kern des Berichts widerspricht das ja nicht. Besonders, da Green Bay ja wie gesagt sich über die Vikings offiziell bei der Liga beschwert hat.

Aber das hätte doch was (als in dieser Situation neutraler Beobachter). Da planen die Packers im ersten Saisonspiel gegen die Vikings (!) das Favre-Jersey mit der Nummer 4 in einer Zeremonie außer Dienst zu stellen, und dann taucht er als Spieler der Gegenseite auf.

You couldn’t make it up.

Bestes Sommertheater. Stay tuned.

Tags: NFL · Sport

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