Wo ist eigentlich SARS, wenn man es mal braucht?
Sowas würden Klaus Allofs und Andreas Müller natürlich niemals denken. Aber es würde die Sache mit den Olympia-Abstellungen von Diego, Rafinha & Co. weitaus einfacher machen, wenn nach der Frauen-WM erneut ein Turnier in China einer Epidemie zum Opfer fallen würde. Natürlich bitte ohne sonstige Opfer. Ein kurzer Fehlalarm würde auch reichen.
Oder fähige Funktionäre. Wie wäre es damit?
Nun hat sich also Bremens Diego ebenfalls Richtung Paris aufgemacht, wo er zusammen mit Schalkes Rafinha und dem Rest der brasilianischen Delegation nach Singapur aufbricht, um sich dort auf das olympische Fußballturnier vorzubereiten. Nach tagelangem Streit. Dabei hat sich das Problem nicht erst gestern angedeutet.
So findet man mit Hilfe von Google etwa Artikel aus dem Januar 2008, in dem sich Bayerns Uli Hoeneß über die Olympia-Wünsche der Innenverteidiger Lucio und Demichelis auslässt. Das Thema war also spätestens da - zumindest bei einigen - auf der Tagesordnung. Warum muss es nun bei Schalke, Bremen, Hoffenheim & Co. so kurz vor ultimo “knallen”? Bayern hat das Problem recht elegant gelöst, die Stützen Lucio und Demichelis durften nicht für Brasilien respektive Argentinien nach Peking, dafür hat man die Talente Breno und Sosa relativ geräuschlos abgestellt. Ok, die beiden haben auch nicht die Bedeutung wie ein Diego und sind älter als 23, aber das Prinzip ist fast das selbe.
Was hat Schalke und Bremen daran gehindert, den Kontakt zum brasilianischen Verband CBF zu suchen? Warum stellt man sich auf die Hinterbeinchen und verweist auf die DFL und die hin- und herlavierende FIFA? Warum schaut man nicht mal über den Tellerrand des Fußballs und kontaktiert den DOSB, die mit Sicherheit ‘nen besseren Draht zum IOC haben als die FIFA, die sich ja gern mal gegen die Ratifizierung des WADA-Codes sträubt.
Nein, man macht es sich gemütlich und verweist auf mehrdeutige Aussagen, dass es keine Abstellungspflicht gäbe. Rechtssicherheit sieht anders aus. Vielleicht scheute man auch die Rechtssicherheit, denn die hätte ja zu einem ungewünschten Ergebnis führen können. Aber dann darf man sich nicht darüber beschweren, dass einem sowas kurzfristig die Vorbereitung auf die neue Saison verhagelt. Das hätte man auch kommen sehen können.
Mal grundsätzlich den Gedanken der Klubs weitergedacht: Man beharrt also darauf, dass keine Abstellungspflicht besteht. Wenn also jeder Klub sein Veto einlegt, kann man das Turnier auch absagen.
Man sollte also jetzt die Schuld nicht singulär bei einer Stelle sehen, nein. Alle haben ihr Päckchen zu tragen. Es hat niemand Allofs & Co. verboten, die Angelegenheit im Voraus definitiv abzuklären. Und nicht nur mit der DFL. Die hat da nämlich gar nichts zu sagen.

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